„Wir sind auch ,Lebensraumentwickler‘“

Oliver Schwarz im Tirolberg in St. Moritz mit Gesamt- und Slalom-Weltcupgewinner Marcel Hirscher. „Der Tirolberg ist eine gute Plattform“, so Schwarz. Foto: Tirol Werbung/Spiess

Tourismus im Ötztal: mit Marketing, Angebot und Infrastruktur zum internationalen Erfolg

Eine Mischung aus Visionen und Pragmatismus, aus hemdsärmliger Arbeit und strategischer Vorarbeit, aus Angebotserweiterung und dem Generieren von Nachfrage, aus Qualitätsverbesserungen und dem Knochenjob Marketing. GF Mag. Oliver Schwarz ist seit beinahe zehn Jahren mal am Ruder, mal an den Riemen und oft im Ausguck des Flaggschiffs Ötztal Tourismus. Im RUNDSCHAU-Gespräch kommen ihm sowohl lobende als auch mahnende Worte über die Lippen, wenn er in die Zukunft blickt.

 Von Thomas Parth

„Ich war sehr positiv überrascht, dass die Tirol Werbung auf unsere Verbesserungsvorschläge z.B. in Sachen Einladungsmanagement eingegangen ist. Sowohl die MitarbeiterInnen und die Lage des Tirolbergs in St. Moritz kann ich ebenfalls als sehr positiv bezeichnen“, streut der Ötztal-Tourismus-GF Maga. Oliver Schwarz den Organisatoren Rosen: „Es ist durchaus gelungen, die Gastfreundschaft Tirols über die Plattform Tirolberg nach außen zu tragen. Wenn jetzt ein Fehler im Produkteinkauf passiert, gerade wenn man in Tirol aktuell über den ,Lebensraum 4.0‘ diskutiert, ist das zwar unklug, aber man darf hier nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Ein, zugegeben grober, Fehler ist bedauerlich – hier wurde er aber politisch aufgebauscht.“

Qualitatives Wachstum.

„Der Wintersport ist ein gesättigter Markt. Man wird nur mehr durch Schneesicherheit und Höhe, Angebot und Internationalisierung punkten können. Da geht es uns gleich wie den Autobauern, die ihr Wachstum nur durch Internationalisierung halten können, mit dem Vorteil des Tourismus, dass man unsere Leistungen nicht einfach auslagern kann“, resümiert Oliver Schwarz, der bekanntlich seine Wurzeln im Automobil-Management hat. „Bei uns geht es nicht um quantitatives, sondern um qualitatives Wachstum, wenn die Wertschöpfung ansteigt“, so Schwarz mit einem Augenzwinkern Richtung St. Moritz: „Die Wertschöpfung steigert man durch ein einzigartiges Angebot, für das die Menschen bereit sind, entsprechende Preise zu zahlen. St. Moritz hat ein, mit uns vergleichbares, Angebot und trotzdem einzigartige Preise.“

Sensationelles Angebot.

Was die laufende Wintersaison angeht, weiß Schwarz, der mittlerweile 17 Märkte zu betreuen hat: „Heuer gibt es zwar nicht die besten Voraussetzungen für das Wintergeschäft, dennoch haben wir ein sensationelles Angebot im Ötztal, an dem wir laufend arbeiten. Unsere Produkte müssen wir international in die Auslage stellen, denn an den Feiertagen und wie diese fallen, können wir ohnedies nichts ändern.“

Kooperation statt Expansion.

Die Expansionsgedanken, jüngst von der Innsbruck-Touristikerin Karin Sailer-Lall geäußert, die sich weitere TVB-Fusionen vorstellen kann, möchte Schwarz nicht kommentieren. Nur soviel, dass der Ötztal Tourismus bereits in Kühtai mit Innsbruck und in der Area47 mit dem Imst Tourismus eng zusammen arbeitet. „Hoffentlich kommt bald der angebotsmäßige Zusammenschluss Ötztal-Pitztal. Das würde mich sehr freuen“, unterstreicht Schwarz: „Touristisch und kommunikativ ergibt sich automatisch eine Zusammenarbeit, ohne groß die Grenzen zu verschieben.“

17 Projekte am Start.

„Es kommen derart viele Projekte auf uns zu…“, sieht sich Oliver Schwarz schon beinahe als „Ötztal-Polier“. Wenn eines der Infrastrukturprojekte steht, prescht ein anderes voran, sodass man stets auf alles gefasst sein muss. „Derzeit wird der zweite Abschnitt des Ötztal-Radweges verhandelt, nachdem wir den ersten vollendet haben. Wir sind sogar so weit, das Timmelsjoch anzudiskutieren. Im Kletterzentrum schaut es auch sehr positiv aus. Auch das Naturparkhaus läuft auf Schienen. Im vorderen Tal warten wir noch auf positive Nachrichten was den Golfplatz anbelangt, wobei es gut ausschaut.“ In Sölden sei ebenfalls positive Stimmung zu vernehmen, was die Umfahrung-Neu angehe, die eine Freizeit-Arena-Neu zur Folge haben könnte. „Alle diese 17 Projekte sind am Laufen und ich könnte von keinem sagen, dass es gestorben ist, im Gegenteil: Es kommen die Projekte eher früher und noch welche dazu. Die Rodelbahn in Sölden ist positiv verhandelt. – Es herrscht eine Dynamik, von der Hängebrücke abwärts. Toll, aber auch eine Challenge!“, resümiert Schwarz. Er sieht sich und sein Team mit „Infrastrukturminister“ Ewald Schmid mittlerweile als „Lebensraumentwickler“.

Die PS auf den Boden bringen.

Parallel zum Ötztal Tourismus laufen die Anstrengungen der Leitbetriebe weiter. Die Bergbahnen Sölden investieren in den Zusammenschluss, der Aqua Dome will investieren und Gurgl plant Neuigkeiten. „Wir bringen die PS auf den Boden“, so Schwarz: „Auch wenn es fordernd ist.“ Behördentermine, Gemeinderatsbeschlüsse oder Gutachten: „Der Tourismus ist in etlichen Projektabschnitten nur Passagier. Wenn uns eine Sache aufgeht, müssen wir natürlich drauf bleiben und die Chancen nutzen. Das macht meinen Job aber auch so spannend, weil wir keine reine Marketingagentur mehr sind, sondern die Lebensräume von Gästen und Einheimischen entwickeln. Das macht Spaß!“ Der Infrastruktur-Euro hilft dabei. Der Fokus liegt jedoch im Spagat zwischen Infrastruktur und der „Kernaufgabe“, die da lautet, Nachfrage auf den Märkten zu generieren. „Ein Radweg durchs Ötztal, der vielleicht einmal bis nach Meran führt, Klettern und Busverbindungen haben sowohl für Gäste als auch für die Einheimischen eine Bedeutung“, hat Schwarz erkannt: „Am Ende des Tages ist Tourismus ein menschliches Thema. Je mehr Einheimische wir im Tal haben, die sich wohl fühlen, desto mehr Gäste fühlen sich bei uns wohl.“