Wirtshaussterben greift weiter um sich

Der Flaurlinger Traditionsgasthof „Goldener Adler“ mit seiner barocken Fassade wurde 2017 geschlossen. Einzig die Pension wird von Elfi Praxmarer weiter betrieben. RS-Foto: Hackl

Sperrstunde: Mit dem Wirtshaus haben Flaurling und Oberhofen einen wichtigen Treffpunkt im Dorf verloren

Sie gehören zu jedem Tiroler Dorf, wie der Weihnachtsbaum zum Heiligen Abend: Die traditionellen Wirtshäuser. Aber das klassische Wirtshaus mit den biertrinkenden Einheimischen an der Theke und dem Schnitzel auf der Speisekarte stirbt aus. Leider verlieren immer mehr Gemeinden – so auch Flaurling und Ober-hofen – den Kampf um ihren gemütlichen Treffpunkt, der über lange Zeit ein gesellschaftlicher Fixpunkt jeder Dorfaktivität war. Die RUNDSCHAU hat mit den zwei Dorfchefs gesprochen und nach dem Grund für das Wirtshaussterben in ihren Gemeinden gefragt.

Der „Goldene Adler“, auch bekannt als „Ladner“ am östlichen Ortseingang von Flaurling hat seine Pforten bereits vor drei Jahren, im Jänner 2017 geschlossen. Somit ist nach mehr als 600 Jahren eines der letzten historischen Wirtshäuser an der Salzstraße Geschichte. „Unser Gasthaus wurde über Generationen als kleiner Familienbetrieb geführt. Elfi Praxmarer arbeitete ihr ganzes Leben in dem Wirtshaus. Sie hat Unglaubliches geleistet. Der Ladner war an sechs Tagen die Woche geöffnet und bot eine wunderbare gutbürgerliche Küche. Das Törggelen war eine Wucht“, schwärmt die Dorfchefin. „Das Gasthaus war immer ein Platz der Geselligkeit. Die Schließung bedeutet einen großen Verlust für das Dorfleben und wird von allen in der Gemeinde bedauert. Aber für Elfis Situation bzw. Entscheidung hat natürlich jeder Verständnis“, weiß die Bürgermeisterin. Ganz verloren haben die Flaurlinger ihren „Ladner“ jedoch noch nicht. Für Einheimische öffnet Elfi auf Anfrage die Pforten zum Wirtshaus. „Zwar gibt es nur noch Getränke und es wird nicht mehr gekocht, aber in den zwei urigen, alten Stuben lassen sich Jahreshauptversammlungen und dergleichen trotz allem am besten abhalten“, berichtet Praxmarer. Die Frage der Nachfolge und die notwendigen Investitionskosten haben die Besitzerin Elfi Praxmarer dazu bewogen, für das landauf-landab bekannte Wirtshaus die finale Sperrstunde auszurufen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Wirtshaus nur schwer verpachten lässt, da die Familie in dem denkmalgeschütztem Gebäude wohnt und die Privaträume nicht abgetrennt sind. Pilger vom Jakobsweg, Radfahrer, Arbeiter vom Gewerbegebiet, vereinzelte Stammgäste werden zwar nicht länger bewirtet, aber die acht als Pension geführten Zimmer stehen den Gästen weiterhin zur Verfügung. Was zudem bleibt, ist die Flaurlinger Stube, in der man auch immer öfter Oberhofer antrifft.

LEIDER KEINE ERFOLGSGESCHICHTE. Seit Mai 2019 bleibt auch in Oberhofen die Tür zum Wirtshaus bis auf Weiteres geschlossen. Das Wirtshaus befindet sich im selben Gebäude wie die Raika, durch die der Gastronomiebetrieb in den letzten Jahren an wechselnde Pächter vergeben wurde. 2007 hat sich die Gemeinde dazu entschlossen, die Lokalität selbst zu pachten und an einen Betreiber zu vergeben. „Leider war das keine große Erfolgsgeschichte“, bedauert Bürgermeister Daum. Die Gemeinde hoffte auf eine Wiederbelebung des Wirtshauses durch die neuen Betreiber, immerhin führen diese auch den „Gasthof Post“ in Mieming und verfügen somit über Erfahrung in der Gastronomie. „Leider nahmen es die Betreiber mit der Verlässlichkeit nicht so genau. So wurde beispielsweise für 30 Personen nach einer Beerdigung reserviert und trotz Voranmeldung mussten die Gäste über eine Stunde auf ihr Essen warten. So etwas spricht sich natürlich herum und in weiterer Folge bleiben die Gäste aus, wodurch die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist“, berichtet Daum. Das Wirtshaus wurde von der Gemeinde auch mit einem kleinen finanziellen Zuschuss unterstützt, aber nichtsdestotrotz hat die Unverlässlichkeit der Betreiber ihren Preis gefordert, wodurch Oberhofen momentan kein Gasthaus vorweisen kann. „Ohne Wirtshaus fehlt etwas im Dorf: Nach Beerdigungen, Taufen, für Sitzungen und Feierlichkeiten müssen Ausweichmöglichkeiten gefunden werden“, schildert Daum. 

WIE GEHT ES NUN WEITER? Aktuell sucht die Gemeinde nach einem neuen Betreiber. Lässt sich dieser nicht bis Ende des Frühjahrs finden, wird die Raika die Räumlichkeiten wohl umbauen und künftig anderweitig nutzen. „Das wäre schade, immerhin befindet sich das Gasthaus in einer guten Lage, direkt am Dorfplatz, verfügt über eine sonnige, ruhige Terrasse, und es liegt sogar eine Genehmigung für die Betriebsanlagen vor. Ein neuer Betreiber könnte also ohne große Inventionen durchstarten. Was er allerdings bräuchte, ist ein langer Atem, um sich das Publikum wieder heranzuziehen“, weiß der Dorfchef, der das größte Problem im Wandel der Gesellschaft vermutet. Ein Gasthaus im Dorf ist wünschenswert, aber die Wirtschaftlichkeit muss natürlich auch gegeben sein.

Von Beatrice Hackl

Auch die Gemeinde Oberhofen muss momentan ohne Wirtshaus auskommen, aber hier ist noch nicht aller Tage Abend, und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. RS-Foto: Hackl
Peter Daum, Bürgermeister von Oberhofen.RS-Fotos: Hackl
Brigitte Praxmarer, Bürgermeisterin von Flaurling. RS-Foto: Hackl

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