Wo Lebensqualität im Mittelpunkt steht

Anna Elisabeth Hasenauer, Ewald Wöll, Bernhard Guggenbichler (stehend v.l.), Claudia Siegele, Martin Kurz und Manuela Pfeifer (sitzend v.l.) stehen für eine Erfolgsgeschichte: die psychiatrische Abteilung in St. Vinzenz, die zeitgemäß arbeitet und an den Bedürfnissen der Patienten ausgerichtet ist. RS-Foto: Haueis

In der Psychiatrie am Krankenhaus Zams suchen pro Jahr mehr als 1000 Oberländer Unterstützung

 

Mehr als 1000 Menschen pro Jahr wenden sich hilfesuchend an die Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams. Dort treffen sie auf ein multiprofessionelles und vor allem engagiertes Team – zwei Jahre nach Eröffnung von Ambulanz und Tagesklinik ist noch klarer, wie wichtig dieses Angebot ist.

 

Von Daniel Haueis

 

Seit zwei Jahren ist die psychiatrische Ambulanz am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams in Betrieb, die Tagesklinik wurde wenig später eröffnet und Ende 2020 kommt eine Station mit 24 Betten hinzu. Aber schon jetzt ist klar: „Wir haben damit eine Riesenversorgungslücke schließen können“, wie Dipl.-KH-Bw. Benrhard Guggenbichler erklärt. Einen Unterstützer fand er im Ärztlichen Direktor Primar Ewald Wöll, der die Lorbeeren aber gleich an Psychiatrie-Primar Martin Kurz weitergibt: „Mit enormem persönlichem Aufwand“ habe dieser die Abteilung aufgebaut. Und Kurz selbst lobt sein inzwischen rund 20-köpfiges Team, dem auch Psychologen, Genesungsbegleiterin, Sozialarbeiter, Therapeuten und andere Fachleute angehören. Und das Team ist ein engagiertes, hat etwa eine Sprechstunde für Kinder und Jugendliche sowie deren Familien angeregt, da Bedarf erkannt wurde. Primar Kurz resümiert die zwei Jahre mit: „Es ist eine Erfolgsgeschichte bisher. Der Bedarf ist groß.“

 

DEPRESSION BIS ALKOHOLERKRANKUNG. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Ambulanz 1121 Patienten und mehr als 3600 Besucher (etwa beim „Trialog“, in der Depressions- oder der Angstbewältigungsgruppe); in der Tagesklinik wurden knapp 230 Betroffene betreut. Die Patienten sind von 14 bis über 80 Jahre alt, Probleme sind Depressionen, Belastungserkrankungen, Angsterkrankungen, auch Sucht (besonders Alkohol) oder in Verbindung mit verschiedensten Formen von Gewalt stehende Störungen. Einen Unterschied zum städtischen Raum gibt’s im Oberland: „Es kommen Menschen im Familienverband, die Familie ist beim Gespräch dabei“, weiß Primar Kurz – eine „Vereinzelung“ wie in der Stadt gebe es nicht. Die Oberländer zeigten auch ein „unglaubliches Maß an Eigenverantwortung“, wohl aus der historischen Erfahrung heraus, (etwa in abgelegenen Orten) für sich selbst sorgen zu müssen. Das macht die Oberländer wohl sympathisch, schützt aber nicht vor psychischen Problemen – deshalb ist auch die Psychiatrie in Zams nötig. Sie wirkt nicht nur von der Innenarchitektur her freundlich, auch das Team strahlt angenehme Unaufgeregtheit und Empathie aus. Das Ziel seiner Arbeit ist die größtmögliche Verbesserung der Lebensqualität.

 

BESONDERE ANGEBOTE. Aufgrund verstärkter Nachfrage wird auch eine Demenzdiagnostik aufgebaut, der diagnostische Bereich soll generell ausgebaut werden, sagt Psychologin Claudia Siegele. Eine Besonderheit ist Genesungsbegleiterin Manuela Pfeifer – sie hat selbst eine schwere Belastungsstörung überwunden und hilft als sogenannte Ex-In-Begleiterin mit ihrer speziellen Kenntnis. Zweimal wöchentlich steht Psychologin Dr. Anna Elisabeth Hasenauer bei der Kinder- und Jugendlichen-Sprechstunde zur Verfügung. Es gibt z.B. auch Spielzeug in der Ambulanz, sodass die Kinder beschäftigt sind, während sich Mama oder Papa Unterstützung holen. Fachärztlicher Nachwuchs kann demnächst „im Haus“ ausgebildet werden – Prim. Martin Kurz, Oberärztin Johanna Rohrer und Facharzt Arnold Schiechtl erhalten also wohl Verstärkung – mit Inbetriebnahme der Station ist ohnehin mehr Personal nötig. „Wir entwickeln ein Team, das in zwei Jahren stehen soll“, sagt Kurz.