„Woasch no, wo ma…“

Viel Zeit und Verantwortung übernehmen auch die beiden Leiterinnen Theresa Franzoi und Franziska Schiffert, die sich ebenso ehrenamtlich mit dem Verein beschäftigen.

70-jährige Jubiläumsfeier der Pfadfinder Imst

Das Leben schreibt bekanntlich die schönsten Geschichten und nach 70 Jahren gibt es bei den Imster Pfadfindern erst recht vieles zu erzählen. Unvergessliche Erlebnisse von Abenteuern und Gemeinschaft werden beim Lagerfeuer ausgetauscht. Und was ist da nun alles so passiert in den letzten 70 Jahren? Die RUNDSCHAU war mit Obmann und Gruppenleiter Thomas Franzoi im Gespräch – nicht nur, um in Erinnerungen zu schwelgen, sondern auch um ein großes Fest anzukündigen.

Von Janine Zumtobel

RUNDSCHAU: Back to the roots! Wo und wie startete die Pfadfindergruppe Imst eigentlich? Hat sich seit jeher viel verändert? Gab es viele Neuerungen? Kurzgefasst: Was hat sich so getan in den letzten Jahren?

Thomas Franzoi: Die Pfadfindergruppe Imst gibt es seit Oktober 1947 und wurde damals von Max Wachter gegründet. Allerdings gab es bereits schon vor dem Krieg kleine Ansätze, aber blieben diese quasi in der Luft hängen. Pfadfinder in Tirol generell gibt es schon seit über 100 Jahren. Inhaltlich hat sich seit jeher aber nicht viel verändert, arbeiten stets alle nach den acht offiziellen Schwerpunkten, darunter beispielsweise der Vorsatz des verantwortungsbewussten Lebens in der Gemeinschaft. Mit diesen acht bekannten Grundprinzipien arbeiten Pfadfinder weltweit. Der Sinn sowie Inhalt ist derselbe wie vor 100 Jahren, aber die methodische Umsetzung ist anders. Die Werte der Pfadfinder bleiben allerdings bestehen.

RS: Wie sieht es seitens der Mitglieder aus: Wie ist so der Altersdurchschnitt? Waren von Anfang an Mädels dabei? Gab es viel Zuwachs oder ist eher ein Rückgang zu beobachten?

Franzoi: Derzeit umfasst unsere Gruppe etwa 25 Mitglieder, darunter Kinder und Jugendliche zwischen sieben bis 13 Jahren. Sowohl Mädchen als auch Buben sind beteiligt – das war allerdings nicht immer so. Es kam quasi zu einer schlagartigen Veränderung – seit 1983 sind nämlich erstmalig auch Mädchen dabei. Zu beachten ist jedoch, dass früher generell Vereine eher „Männersache“ waren. In den letzten Jahren ist eher ein Rückgang der Mitglieder zu verzeichnen, leider. Woran das genau liegt, kann man schwer sagen. Wahrscheinlich spielt auch das moderne Freizeitverhalten der heutigen Gesellschaft eine große Rolle. Es wird heutzutage ja sehr viel angeboten und bei einem Verein, wie den Pfadfindern, ist man eben sehr gebunden. Allerdings gibt es keine Altersgrenzen, jede und jeder ist in den wöchentlichen Heimstunden herzlich willkommen und kann einfach mal „einischnuppern“ – wir freuen uns also über jedes neue Gesicht.

RS: Mit welchen Tätigkeiten haben sich die Pfadis früher befasst? Hat sich dies verändert? Was beschäftigt sie heute? Welche Bereiche sind für die Gruppe besonders wichtig und warum?

Franzoi: Bei den wöchentlichen Heimstunden und sonst eigentlich auch wird vor allem spielerisch das Pfadfinderwissen vermittelt und eben stets nach den Schwerpunkten gearbeitet. Beispielsweise werden die Themen bei den Jüngeren in eine Geschichte verpackt, etwas Ältere müssen sich schon Aufgaben stellen, wie ein Dreibein zusammenbauen oder kochen. Egal ob Themen wie Menschenrechte oder Naturkunde aufgearbeitet werden, Knotentechniken erlernt, erste Hilfe geübt, für soziale Zwecke gearbeitet, Ausflüge gemacht oder am Umgang mit Karte und Kompass gefeilt wird – die Tätigkeiten eines Pfadis umfassen stets ein weites Spektrum. Pfadfinder versuchen mit dem zu arbeiten, was gerade greifbar ist; gibt es beispielsweise in manchem Sommerlager auch zunächst keine Steckdose oder heißes Wasser – ein Pfadfinder weiß sich mit den einfachsten Mitteln zu helfen und das ist der springende Punkt.

RS: Gibt es eigentlich auch andere Pfadfindergruppen im Bezirk? Wie sind diese miteinander in Kontakt?

Franzoi: Im Bezirk Imst sind wir die einzige Pfadfindergruppe. Früher gab es noch mehrere, so etwa in Wenns, Roppen oder Mieming. Die nächste Gruppe ist nun in Zams oder Telfs. Bei verschiedenen Treffen, beispielsweise bei dem Patrouillenwettkampf kommen alle zusammen und nehmen an diversen Wettbewerben teil, in denen es um pfadfinderische Fähigkeiten geht. Oder auch in Lagern, wie etwa im Sommerlager, kommt man in Kontakt mit anderen Pfadfindern. Ein fixes Programm den ganzen Tag hindurch – von Wanderungen bis Ateliers sorgen dafür, sich kreativ zu entfalten und handwerklich austoben zu können, egal ob schnitzen oder töpfern, singen oder Theater spielen. Es wird quasi alles angeboten.

RS: Wie wird man eigentlich ein Pfadi? Gibt es gar Aufnahmerituale? Wie kamen Sie eigentlich dazu?

Franzoi: Es kann jeder und jede dazugehen – wer auch immer Lust und Laune hat. Das Wichtigste dabei ist, dass man bereit ist, gemeinsam etwas zu bewirken und sich in die Gruppe einzufügen – darum geht es nämlich hauptsächlich: Gemeinschaft. Jede und jeder hat seine eigene spezielle Fähigkeit und nach dem Motto „so gut ich kann“ funktioniert die Teamarbeit. Kameradschaft steht im Vordergrund. Ich selbst bin seit 1998 Obmann und davor auch schon Gruppenleiter. Allerdings bin ich schon seit über 50 Jahren dabei und war selbst als Kind ein Pfadi. Bereits damals hat mir alles sehr gut gefallen, zudem war ich schon immer sehr naturverbunden und bin schließlich durch Kollegen dazugekommen. Früher war es teilweise so, dass ganze Ortschaftsteile mitgezogen sind, heute ist das alles eher ein bisschen verwürfelt.

RS: Haben Pfadfinder eigentlich eine Uniform?

Franzoi: Ja, es gibt weinrote Uniformen, die mit den verschiedensten Abzeichen geschmückt sind. Das wohl wichtigste Merkmal der Pfadis ist allerdings das Halstuch, wobei jede Gruppe eine andere Farbe trägt; es dient somit dem Wiedererkennungswert und prägt gleichzeitig den Gemeinschaftssinn.

RS: Wenn man die 70 Jahre Revue passieren lässt, was war das schönste Erlebnis, die größte Herausforderung?

Franzoi: Schwierige Frage! Es gibt so viel… Jedes Erlebnis ist schön. Aber spezifisch sind die großen Erlebnisse auch die in den großen Lagern. Beim letzten Mal trafen sich ca. 10000 Pfadfinder am Wolfgangsee und wir waren mit von der Partie. Man lernt dort immer neue Leute kennen – von überall her und dieses Netzwerk ist schon ganz etwas Besonderes. Die wohl größte Herausforderung steht uns eh noch bevor, und zwar diesen Verein weiterhin am Leben zu erhalten. Immerhin wird es in der heutigen Zeit immer schwieriger, jemanden zu finden, der diese Arbeit unentgeltlich übernehmen will. Wir arbeiten alle ehrenamtlich und man muss einfach viel Zeit und Verantwortung dafür aufbringen.

RS: Diese vielen Jahre und damit verbundenen unvergesslichen Erlebnisse müssen natürlich gefeiert werden: Was habt ihr vor an eurem Jubiläum? Wann und wo findet die Veranstaltung statt?

Franzoi: Wir feiern ein Fest, genauer gesagt einfach „ein Festl wie damals“ und zwar am Samstag, dem 17. Juni, wo wir in unsere Hachlehütte bei der Schlucht einladen und uns schon auf viele bekannte oder vielleicht sogar neue Gesichter freuen. Für Speis und Trank ist bestens gesorgt und ein umfassendes Programm gibt es natürlich auch. Ab 14 Uhr geht es los bis open end – natürlich ist jede und jeder herzlich willkommen, um sich wieder einmal zu treffen. Nach dem wohl am meisten verwendeten Satz unter den Pfadfindern ganz à la „Woasch no, wo ma…“, geht es vor allem darum, sich all die Geschichten von früher und heute zu erzählen und zu teilen sowie gemeinsam einen schönen Nachmittag zu verbringen.

Thomas Franzoi – Obmann und Gruppenleiter der Pfadfinder Imst – ist bereits seit über 50 Jahren mit Herz und Seele beim Verein dabei. Begonnen hat er in seiner Kindheit als kleiner Pfadi… Fotos: Pfadfinder Imst

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.