Zirl will nun die Zuwanderung einbremsen

Die Dorfentwicklung im Auge: V.l. DI Friedrich Rauch, GV Josef Gspan und Bürgermeister Thomas Öfner. RS-Foto: Schnöll

Einwohnerzahl steigt massiv an, aber leistbarer Wohnraum ist kaum vorhanden – Raumordnungskonzept soll helfen

In Zirl wurde im vergangenen Jahr das örtliche Raumordnungskonzept für die kommenden zehn Jahre fortgeschrieben, seit Jänner ist es rechtskräftig. „Damit wurde in der laufenden Gemeinderatsperiode ein zentrales Arbeitsvorhaben erledigt, mit dem die Marktgemeinde in der Dorfentwicklung handlungsfähig bleibt“, erläutert Bürgermeister Thomas Öfner. Zentrale Planungsgrundlagen: Neue Siedlungen werden in den kommenden Jahren nicht geschaffen, der Zuzug soll im Auge behalten werden, verfügbare Wohnungen sollen leistbar sein, wichtige Zielsetzungen liegen auch in der Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Zirl, im landwirtschaftlichen Bereich und in der Verkehrspolitik.  

„Zirl war einst eine der ersten Gemeinden, die ein Raumordnungskonzept vorgelegt hat, letztlich war Zirl aber auch eine der wenigen Gemeinden, die nach Ablauf der Zehnjahresfrist das Raumordnungskonzept nicht fortgeschrieben haben“, erklärt Bürgermeister Thomas Öfner. Er bezeichnet das Raumordnungskonzept als wichtiges Planungsinstrument, egal, ob es um den Siedlungsraum, die Ortskernentwicklung oder den Verkehr gehe.   In die Fortschreibung des örtlichen Raumordnungskonzeptes haben der Obmann des Raumordnungsausschusses, Josef Gspan, und der Raumplaner DI Friedrich Rauch viel Engagement gesteckt. „Eine der Herausforderungen ist die dörfliche Entwicklung. Wir haben bewusst keine neuen Siedlungsgebiete angestrebt, wir müssen in Zirl mit der Ressource Bauland haushalten. Das Raumordnungskonzept ist für die nächsten zehn Jahre eine Richtschnur für die Entwicklung im Bereich des Wohnens und der Landwirtschaft“, sagt Gspan.

ZUZUG MUSS EINGEDÄMMT WERDEN. Raumplaner Friedrich Rauch weist auf die dynamische Entwicklung hin, die Zirl in den letzten zehn Jahren im Bereich der Einwohnerzahl genommen hat. „2001 zählte Zirl noch 6.120 Einwohner, 2011 waren es 7.740, jetzt sind es 8.200 Menschen, die in der Marktgemeinde leben“, listet Rauch auf. Die Gemeinde verfügt nur über wenige eigene Grundstücke, die bebaut werden könnten. Weil der Baugrund beschränkt ist, müssen andere Wege beschritten werden, um die Nachfrage an leistbaren Wohnungen zu befriedigen. Vor allem private Grundstücks- und Hausbesitzer sollen in den nächsten Jahren dazu  animiert werden, in den bestehenden Gebäuden, wie etwa in der Kirchstraße, Wohnungen zu schaffen. Was die Gemeinde allerdings verhindern will, sind Wucherpreise auf dem Wohnungsmarkt. Und auch der Zuzug von Außen soll in den nächsten Jahren möglichst gedämpft werden. „Zuzug hat auch etwas Gutes, er verursacht aber auch Kosten bei der Infrastruktur. Eine Arbeitsgruppe hat festgestellt, dass in den kommenden zehn Jahren in unserer Gemeinde 80 bis 100 Wohnungen für Zirler gebraucht werden. Das Problem ist, dass wir kaum leistbare Wohnungen und nur wenig gemeindeeigene Grundstücke haben, da muss ein Hauptaugenmerk auf den  privaten Wohnbau und den Zuzug gelegt werden“, so Gspan. Gemeindeeigenes Bauland gibt es in der Zirler Fraktion Eigenhofen, beim Schwimmbad, im Dorfzentrum beim Musikpavillon und auf dem Schulareal. Insgesamt sind das 11.000 Quadratmeter. Derzeit entstehen in der Meil- und in der Bühelstraße insgesamt 27 Wohnungen. – Zu wenig für die nächsten zehn Jahre.

Die rechte Zeile der Kirchstraßa in Zirl. Hier könnte in den nächsten Jahren leistbarer Wohnraum geschaffen werden. RS-Foto: Schnöll