Zugabe für Humphrey Bogart

Allan (Mitte) wird von seinen Freunden Dick und Linda getröstet, als ihn seine Frau verlassen hat. RS-Foto: Agnes Dorn

Theatergruppe Oberhofen verwandelt den Reasnhof zur großen Kinoleinwand

Wenn Dieter Seelos und Tamara Baumann als Hauptdarsteller eines Stücks angekündigt werden, dann ist zumindest eine wichtige Voraussetzung für einen gelungenen Theaterabend schon erfüllt. Wenn dann auch noch das richtige Stück mit den restlichen Darstellern passend ausgewählt ist und die Inszenierung passt, dann geht man gerne ins Theater. Und diese Mischung ist beim derzeitigen Stück der Theatergruppe Oberhofen wieder bestens gelungen.

Auch wenn man kein eingefleischter Fan von Woody Allen ist – und solche mag es bekanntlich auch geben –, dann lohnt sich der Besuch des neusten Stücks der Theatergruppe Oberhofen „Spiel’s nochmal Sam“ trotzdem allemal: Denn was das Ensemble rund um Regisseur Markus Plattner auch dieses Mal wieder mit Bravour geleistet hat, ist eine Inszenierung, in der das Was weniger zählt als das Wie. Denn dass Allan, nachdem er von seiner Frau Nancy (Silvia Verdiener) verlassen worden ist, eine neue sucht und sich dabei in die Frau seines besten Freundes verliebt, ist nur der Rahmen für ein Bild, das durch die großartige schauspielerische Leistung von Dieter Seelos erst lebendig wird. Wie schon im letztjährigen Klassiker „39 Stufen“ stolpert Seelos heillos von sich selbst überfordert durch eine Welt, die sich ihm aufdrängt und ihm mehr abverlangt, als er bereit ist zu geben. Der Frauenheld, der er glaubt sein zu müssen, ist er nämlich beileibe nicht und den Frauen, denen er imponieren will, kann er nie genügen. Wenn da nicht eine wäre, bei der er keine Rolle spielen muss, sondern einfach der sein kann, der er wirklich ist – mit der alles Freude macht, ohne irgendein Theater rundherum. Silvia Vergeiner als Nancy betört nicht nur Allan mit ihrer Natürlichkeit, auch die Theaterbesucher dürfen sich an ihrem Auftritt erfreuen. Quirlig und doch auf dem Boden der Tatsachen bleibend ist sie diejenige, die den Männern ihrer Umgebung Beistand leistet bei deren Höhenflug.

ÄUSSERST STIMMIGE INSZENIERUNG. Der dritte im Bunde, Geschäftsmann Dick, ergänzt die Welt der Neurotiker um einen Hektiker mehr: Johannes F. Heiss telefoniert sich durch das Stück, dass es eine wahre Freude ist, ihn im Rennen um das beste Geschäft seines Lebens beizuwohnen. Das Bühnenbild von Johannes Schlack überzeugt auch heuer wieder durch eine Schlichtheit, die ohne Tamtam auf besonders originelle Weise ihren Zweck erfüllt. Ein Riesenfernseher, in den die Figuren eintreten, um in Rückblenden, Träumen und Gedanken den chronologischen Ablauf der Geschichte zu erweitern. Die passende Musik beizeiten dazu sowie dezente Bühnentechnik sind die weiteren Zutaten, um das New York des Woody Allan mit all seiner Melancholie, seinem Lebensdurst und seiner Unruhe auf der kleinen Oberländer Bühne entstehen zu lassen. Weitere Aufführungen sind am 23., 28. und 30. Juni jeweils ab 20 Uhr, sowie im Juli am 1., 2. (um 18. Uhr), 4., 6., 11., 14., 15., 19., 20. und 22. Juli (um 18. Uhr) um 20 Uhr, wenn nicht anders angeführt. Kartenreservierung ist unter 0664 3686707 möglich.

Von Agnes Dorn

Riesenapplaus für die schauspielerische Leistung erhielt das gesamte Ensemble bereits zur Premiere. RS-Foto: Agnes Dorn
Humphrey Bogart (Gerhard Ranacher) berät Allan in seiner Lebenskrise. RS-Foto: Agnes Dorn