Zukunftsperspektive: Genossenschaftsstall

Bgm. Helmut Mall: "Keinesfalls soll das Vorhaben eine Konkurrenz für die bestehenden Bauern sein." Foto: Paul Schranz

Projektpräsentation im Vallugasaal in St. Anton

Rückgänge in der Landwirtschaft haben die Gemeinde und die Agrargemeinschaft St. Anton veranlasst, das bereits vor Jahren angestrebte Projekt eines Genossenschaftsstalls am Eingang zum Verwalltal zu reaktivieren.

Rund 30 aktive Bauern gibt es derzeit in St. Anton, vorwiegend im Ortsteil St. Jakob. Die Tendenz ist wie andernorts auch rückläufig. Das Konzept eines Genossenschaftsstalls, der in dieser Form der erste in Nordtirol sein könnte, soll die regionale Landwirtschaft unterstützen und sieht Folgendes vor: Mutterkuhhaltung mit rund 50 Stück Groß- und Kleinvieh und dazu etwa 150 bis 200 Schafe und dies an einem Standort am Eingang zum Verwalltal. Zusätzlich soll Grundbesitzern, die kein Vieh mehr halten, die Möglichkeit der Heulieferung geboten werden. Außerdem können der Genossenschaft Flächen zur Verfügung gestellt werden, die ihrerseits Förderungen lukrieren wird.

„Dramatische Rückgänge“. Den ausschlaggebenden Punkt brachte Bgm. Helmut Mall bei der Präsentation auf den Punkt: „Wir haben es mit teilweise dramatischen Rückgängen zu tun, in St. Anton mehr als in St. Jakob, wo die bäuerlichen Strukturen noch besser sind.“ Er stellt klar: „Keinesfalls soll das Vorhaben eine Konkurrenz für die bestehenden Bauern sein.“ Agrarobmann Horst Ladner brachte noch weitere Vorteile zur Sprache: „Mit dem Gemeinschaftsstall könnten bäuerliche Familien entlastet und die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen könnte forciert werden, Heu müsste nicht mehr verschenkt oder entsorgt werden, zudem könnten am Areal des Gemeinschaftsstalles Schulungen durchgeführt werden und auch Schlachtungen wären vor Ort geplant“, informierte Ladner. Der Standort am Eingang des Verwalls mit angeschlossenen Auslaufflächen biete sich an und stehe noch dazu im Eigentum der Gemeinde: „Der Genossenschaft würde ein Baurecht eingeräumt werden“, informierte Mall. Der vorläufige Plan nach Vorgaben des Landes sieht ein 68 Meter langes und 22 Meter breites Gebäude vor, ein wirtschaftliches Konzept wurde von Hannes Reinalter von der Landecker Landwirtschaftskammer erstellt: „Ein fixer Mitarbeiter ist vorgesehen. Insgesamt ist das Projekt nicht ganz kostendeckend, aber durchaus lebensfähig.“

Nächste Schritte. Bauernkammerjurist Otmar Juen schlägt die Unternehmensform der Genossenschaft vor, die für bäuerliche Einrichtungen typisch sei. Die Gemeinde würde 51% der Anteile halten, die restlichen 49% werden an die Bevölkerung und örtliche Betriebe veräußert – ein Anteil kostet 500 Euro. „Ersten Berechnungen zufolge wird das Projekt rund zwei Millionen Euro kosten, mit einer Bauzeit von einem Jahr ist zu rechnen“, so Bgm. Mall. „Ins Boot geholt werden sollten zudem der Tourismusverband und die Arlberger Bergbahnen“, informierte Mall und gab ein abschließendes Resümee der Projektpräsentation ab: „Der Bedarf ist da, das Interesse von Seiten der Bevölkerung ist groß.“

Von Elisabeth Zangerl

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