Zum Dank für Gaben, Leben und Gemeinschaft

Mitglieder der Landjugend Nesselwängle beim Verzieren der prächtigen Erntedankkrone mit Obst, Gemüse, Brot und Getreide. RS-Fotos: Zeller

Traditionelles Erntedankfest in Nesselwängle

Alljährlich im Herbst besinnen sich Gläubige weltweit – anlässlich des Erntedanks – der Gaben der Erde und des Werts ihrer Besitztümer. Die Erntedankfeier in Nesselwängle ist ein schönes Beispiel für das Erntedankfest als einem Tag der Gemeinschaft, Tradition und Anerkennung.

Von Jenni Zeller

Was wäre ein Dorf ohne Vereine und der Mensch ohne Nahrung? In diesem Sinne ist Erntedank in Nesselwängle nicht nur ein Fest der Gaben, sondern auch der Gemeinschaft. Im Vorfeld des Festtages widmet sich der Pfarrgemeinderat der Organisation der Feierlichkeiten und die Kindergartenkinder bereiten Leiterwagen und Körbe mit Gaben für die Segnung vor. Alljährlich schmückt die Landjugend eine prachtvolle Erntedankkrone, die sich bei der Festtagsprozession im Herzen des Zuges befindet, mit Obst, Gemüse und anderen Früchten der Erde. Dabei werden sowohl die Messe als auch die Prozession am Erntedanksonntag von der Musikkapelle und dem Chor musikalisch untermalt. Die reichen Gaben werden schließlich gesegnet und das gemeinsam gesungene Hallelujah gilt gleichermaßen den Gaben wie der Dorfgemeinde.

Ein Fest ohne Grenzen.

Erntedank ist übrigens kein spezifisch europäischer Feiertag. Ähnliche Feste wurden schon zu vorchristlichen Zeiten begangen und werden bis heute auch in anderen Kulturkreisen – in Nordamerika etwa als „Thanksgiving“ – gefeiert. Früheste Belege des christlichen Erntedankfests gehen bis auf das 3. Jahrhundert zurück. Traditionell wird es am ersten Sonntag nach dem Michaelistag begangen. Die moderne Tradition der kunstvoll gebundenen Erntekronen reicht übrigens auf das Bauernleben des 18. Jahrhunderts zurück: Damals überreichte der Bauer seinen Arbeitern nach der Ernte einen Getreidekranz und lud sie anschließend zum Festmahl ein. Heute werden die Kronen als Zeichen der Dankbarkeit mit Feldfrüchten verziert und gesegnet. Erntedank in all seinen Ausprägungen ist somit bis heute eine Tradition, die zu Zeiten der Massenindustrie und des Bauernsterbens wortwörtlich auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

 

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