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Das Heilige Grab in der Kirche St. Anna in Reutte wurde vom Höfener Josef Anton Köpfle erbaut.

… lädt das Heilige Grab in der Sankt Anna Kirche in Reutte ein

Der Brauch des Aufstellens Heiliger Gräber geht auf das frühe Mittelalter zurück. Kreuzritter und Pilger, die das Heilige Land bereist hatten, regten zur bildlichen Darstellung der christlichen Heiligen Stätten an. Vor allem im Barock des 17. und 18. Jahrhunderts  waren die Heiligen Gräber in Tirol eine weitverbreitete Einrichtung geworden.

Für die Klosterkirche Sankt Anna in Reutte ist ein Heiliges Grab, das laut Klosterchronik kurz vor 1703 von Brüdern des ansässigen Franziskanerordens gemalt worden war, bekannt. Wie dieses Heilige Grab ausgesehen hat, weiß man heute nicht mehr. Im Mai 1703 ereignete sich im Markt Reutte eine große Brandkatastrophe, der 52 Häuser sowie die Klosterkirche und mit ihr auch dieses Heilige Grab zum Opfer fielen. 1730 gestaltete der Innsbrucker Maler Franz Hueber, der auch die Bretterkrippe der Klosterkirche geschaffen hat, ein neues Heiliges Grab. Unter Kaiser Josef II, dem Volksfrömmigkeit ein Dorn im Auge war, wurde dessen Aufstellung 1783 allerdings verboten. Das blieb nicht ohne Folgen. Kamen in den Jahren davor die Leute scharenweise zum Heiligen Grab in die Kirche, zählte man 1783 gerade einmal 15 Gläubige. Erst 1840 wurde das Heilige Grab in Reutte wieder in voller Größe aufgestellt – sehr zur Freude der Bevölkerung. Wenige Jahre später, 1846, brannte es abermals im Markt und wieder wurde das Heilige Grab zerstört. Die Reuttener spendeten aber fleißig und so konnte der Höfener Maler Josef Anton Köpfle schließlich ein neues Heiliges Grab schaffen.
Bis zum Jahr 1915 wurde es regelmäßig aufgestellt. Während der Kriegsjahre des Ersten Weltkrieges gab es allerdings kein Öl für die Beleuchtung der Glaskugeln, da dieses für Kriegszwecke abgeliefert werden musste. Erst 1921 konnte der Osterbrauch wieder aufgenommen werden. 1936 war das Heilige Grab vorerst zum letzten Mal in voller Größe zu sehen. Man wollte wegen der erfolgten Kirchenrenovierung Schädigungen verhindern. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges gab es keine Aufstellung, nach dem Krieg nur noch eine verkleinerte Form, die mit Beginn der Kirchenrenovierung 1964 auch unterlassen wurde.
2002 weckte die Erinnerung an das Reuttener Heilige Grab das Interesse des Pfarrkirchenrates. Die Sichtung des Materials ergab, dass alle Teile lückenlos vorhanden waren und man entschloss sich zur Restaurierung. Den Auftrag erhielt die Firma Oberhollenzer in Bru-neck. Die Glaskugeln kamen von der Glasfachschule Kramsach.  Am Palmsonntag 2004 erfolgte die Aufstellung des Heiligen Grabes durch die Firma Holzbau Saurer, das EWR und viele freiwillige Helfer.
In drei Kulissenebenen sind die Verurteilung, das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu beeindruckend dargestellt. Das Heilige Grab von Reutte ist ein wichtiges Kulturgut und eng mit dem pfarrlichen Leben der Gemeinde verbunden. (Quelle: „Ostergrab und Weihnachtskrippe“, Hg. Franzikanerkloster Reutte, Beitrag Dr. Richard Lipp, Bericht Pfarrkirchenrat).

von Michaela Weber

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