Zweite Schienen

Zweitversorgungen sind im Kaunertal im Bau, im Paznaun kurz vor dem Start und in Nauders in ein paar Jahren geplant. RS-Foto: Archiv

Tinetz investiert 7 Millionen Euro ins Stromnetz im Bezirk

 

Die Tinetz als der größte Verteilernetzbetreiber Tirols inves-tiert heuer 7 Millionen Euro im Bezirk Landeck. Vorgesehen sind u.a. „Zweitversorgungen“ im Paznaun und im Kaunertal sowie der Bau eines Umspannwerks am Sonnenplateau.

 

Von Daniel Haueis

 

Die Tinetz mit Sitz in Thaur hat 500 Mitarbeiter, die 11500 km Leitungen, 45 Umspannwerke, 4000 Umspannstationen und rund 233000 Übergabepunkte zu Kunden betreuen. „Ein qualitativ hochwertiges und hochverfügbares Stromnetz ist eine unverzichtbare Lebensader für Bevölkerung und Wirtschaft. Dazu braucht es modernste Technik im Netz sowie eine umfassende und vorausschauende Netzplanung“, erklärt Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder. Heuer werden 105 Millionen in Tirol investiert, ca. 7 Millionen davon in den Netzausbau im Bezirk Landeck: Im Mittel- und Niederspannungsnetz werden mehrere Dutzend kleinere und mittlere Maßnahmen mit einem Volumen von ca. 3 bis 4 Millionen durchgeführt – Gründe sind Kundenanforderungen sowie Instandhaltungs- bzw. Netzverstärkungserfordernisse. „Weiters wird im Paznaun aktuell knapp eine Million Euro in den Start für den Aufbau einer zusätzlichen ‚Versorgungsschiene‘ (Zweitanbindung) investiert und im Kaunertal an der Realisierung einer Zweitversorgung bis ins Pitztal weiter gearbeitet. Diese Projekte werden in den nächsten Jahren fortgesetzt bzw. abgeschlossen“, erklärt Thomas Rieder. Zudem sind Vorarbeiten für eine wesentliche Verbesserung der Versorgung im Oberen Gericht im Gange: „Im Bereich Fiss, Ladis, Serfaus planen wir zur langfris-tigen Sicherstellung der Versorgung ein zusätzliches Umspannwerk. Die veranschlagten Kosten hierfür betragen im Jahr 2018 rd. 2 Millionen Euro“, sagt Rieder. Der Standort des Umspannwerks – voraussichtlich im Gemeindegebiet von Fiss – wird derzeit mit den Behörden, Gemeinden und Tourismusverbänden besprochen, und es läuft ein starkstromwegerechtliches Vorprüfungsverfahren.

 

NAUDERS FOLGT. Zudem realisiert die Tinetz mittel- bis langfristig für den Bereich Nauders eine „zweite Versorgungsschiene“: Am Reschenpass will die Austrian Power Grid (APG, die das überregionale österreichische Stromnetz betreibt) eine Leitung Richtung Italien errichten – im „Netzentwicklungsplan 2017“ der APG ist die Inbetriebnahme für 2021 vorgesehen. In der Beschreibung heißt es: „Darüber hinaus wird mit Realisierung der Netzabstützung die regionale Versorgungssicherheit im Verteilernetz der TINETZ bedeutend erhöht.“ Die Tinetz steht in dieser Sache im Kontakt mit der APG und hat sich bereits grundsätzlich das Recht gesichert, aus dem neu zu errichtenden Umspannwerk Nauders eine zusätzliche Verteilernetz-Abstützung für das örtliche Mittelspannungsnetz der Reschenpassgemeinde zu errichten. Der Zeitpunkt der Abspannung ins Mittelspannungsnetz der Tinetz ist noch nicht fixiert – er kann logischerweise erst nach Errichtung des Umspannwerks erfolgen und hängt vom Leistungsbedarf und der Versorgungssituation in der Region ab. „Damit sind im Wesentlichen alle größeren Orte des Bezirkes Landeck zweiseitig angebunden“, sagt der Tinetz-Geschäftsführer.

 

SICHERE VERSORGUNG. Der Bezirk ist recht sicher versorgt: „Der Bezirk Landeck weist im Jahr 2017 in etwa die idente, sehr gute Versorgungssicherheit wie das gesamte Verteilernetz der Tinetz auf“, analysiert Rieder. Realistische Gefährdungsszenarien sind beispielsweise starke (Nass-)Schneefälle und daraus resultierend größere Lawinenabgänge, Stürme mit umfangreichen Baumbrüchen oder starke Regenfälle und daraus resultierende Hochwasser bzw. Vermurungen, die zur Beeinträchtigung der Stromversorgung in ländlichen und gebirgigen Regionen führen könnten. „Solche Ereignisse bleiben in der Regel regional begrenzt“, beruhigt er aber. Das Worst-Case-Szenario ist nur überregional realistisch: ein Ausfall des gesamten Bezirkes ist nur im Zusammenhang mit einer großräumigen und überregionalen Störung möglich („Black Out“).

 

 

Testlauf mit intelligenten Stromzählern

Vor der flächendeckenden Einführung der sogenannten intelligenten Stromzähler startet die Tinetz im Frühjahr 2019 bei ausgewählten Test-Kunden. „Davor werden wir die Geräte noch einmal auf Herz und Nieren prüfen. Grundsätzlich können die Kunden auf den Schutz ihrer Verbrauchsdaten absolut vertrauen. Der verwendete Sicherheitsstandard ist mit dem von Online-Banking vergleichbar“, so Tinetz-Geschäftsführer Thomas Trattler. Als einer der ersten Stromnetzbetreiber Öster-reichs hat die Tinetz die Zertifizierung nach ISO 27001 erhalten und erfüllt damit die höchsten Standards im Bereich der IT-Sicherheit. Die flächendeckende Einführung der neuen Stromzähler ist bis 2022 geplant. Im Versorgungsgebiet der Tinetz müssen dabei rund 235000 Geräte getauscht und die sichere Datenanbindung in die zentralen IT-Systeme hergestellt werden.

 

Die beiden Tinetz-Geschäftsführer Thomas Trattler und Thomas Rieder (r.) Foto: Tinetz