Zwischen Gewerbe, Wohnen & Naturschutz

Im Herbst 2018 eröffnete die Firma „Handl Tyrol“ ihren neuen Standort in Haiming. Das Werk bietet an die 50 neue Arbeitsplätze „Für die Kommunalsteuer in Haiming und für den Arbeitsmarkt in der Region ist das sicher eine gute Sache,“ meint Josef Leitner. RS-Foto: Hirsch

Im RUNDSCHAU-Gespräch: Josef Leitner, Bürgermeister von Haiming

Haiming, das sind zehn Ortschaften mit über 40 Quadratkilometern. Gern wird die Gemeinde auch das „Meran Nordtirols“ genannt, können sich die knapp 5000 Gemeindebürger doch über 1900 Sonnenstunden freuen. Dieses Jahr feiert die Gemeinde ihr 750-jähriges Bestehen. Haiming steht im Oberland für den Begriff „Apfel“ und seit 2018 auch für den Rad-Sport. Haiming steht aber auch, so gewinnt man den Eindruck, für das Ringen zwischen Infrastruktur, Wirtschaft und Naturschutz. Josef Leitner, Bürgermeister von Haiming, im RS-Gespräch.

Von Friederike Hirsch

Seit 27 Jahren ist Josef Leitner Bürgermeister der Gemeinde. Im RS-Gespräch blickt er auf das Jahr 2018 zurück, gibt Einblick in die Pläne für 2019 und seine Gratwanderung zwischen Fortschritt und Naturschutz. Haiming, seine Bauprojekte und seine Vorhaben sind immer wieder Teil der medialen Berichterstattung. Großprojekte, wie der Standort der Firma „Handle Tyrol“ auf Gemeindegebiet oder die aktuelle Diskussion um die Skigebietserweiterung Hochoetz-Kühtai sind nur zwei Beispiele. Sieht Josef Leitner dieses Spannungsfeld?

Bauen und Natur

„In Haiming scheinen die Naturschützer besonders aktiv zu sein. Naturschutz ist wichtig, ich bin selbst Biologe, und finde den Schutz der Natur natürlich wichtig. Trotzdem glaube ich, dass man einen Mittelweg finden muss“, meint Leitner. Bürgermeister Leitner nennt dazu ein aktuelles Thema – in diesen Tagen soll in Haiming das Raumordnungskonzept beschlossen werden. Wie schon während der Diskussion um den Standort der Firma „Handle Tyrol“, wird man auch dieses Mal das Thema „Forchet“ anschneiden müssen. „Wenn wir mit dem Wohngebiet, nicht in den Forchet hinein gehen, wo gehen wir dann hin“, fragt sich Leitner. Im Norden schlängelt sich der Inn, im Süden verläuft die Bahn und die Bundesstraße und im Osten befindet sich das Naturschutzgebiet 2000 „Ortola“.

Finanzen

Haiming ist eine verzweigte Gemeinde mit zehn Ortsteilen, die alle einen modernen Infrastruktur-Standard brauchen. „Vier Feuerwehren, drei Volksschulen, vier Kindergärten, die Wegerhaltung, Wasser, Kanal und was sonst noch dazu gehört, zehrt schon ein bisschen an den Finanzen“, meint der Bürgermeister. Im Großen und Ganzen geht es der Gemeinde Haiming finanziell nicht schlecht. „Bei uns ist ein relativ starkes Gewerbe vorhanden und die Kommunalsteuer hilft uns da schon weiter“, sagt Leitner „Wunschkonzert spielt es in Haiming natürlich auch nicht, aber es ist nicht so dramatisch, dass wir jammern müssen“, ist sich Leitner sicher.

Sechs Fraktionen

Bürgermeister Leitner sieht das gemeinsame Arbeiten mit dem Gemeinderat durchaus positiv. „Obwohl wir sechs verschiedene Gruppierungen im Gemeinderat haben, bin ich mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. Die Frage ist immer, wie man die vorhandenen Meinungsunterschiede austrägt. Wenn man hört, wie es in anderen Gemeinde zugeht, dann leben wir auf einer Insel der Seligen“, glaubt Leitner.

Familienfreundliche Gemeinde

Über 400 Gemeinden in Tirol wollen familienfreundlich werden – so auch Haiming. Zusätzlich zum Gemeindesiegel nimmt Haiming gemeinsam mit den Gemeinden Sautens und Oetz am Prozess „Familienfreundliche Region – Vorderes Ötztal“ teil. 90 Prozent der Gemeindebürger sind demnach mit der Lebens- und Wohnqualität in Haiming zufrieden, sogar sehr zufrieden. Im Zuge einer Online-Befragung und einer Bürgerversammlung haben sich drei Schwerpunkte herauskristallisiert: Die Kinder- und Altenbetreuung und Verbesserungspotential in der Altersgruppe Jugend.

Altenbetreuung

Die mobile und stationäre Altenbetreuung wird immer wichtiger und nimmt an Zahlen zu. In der mobilen Betreuung ist Haiming mit dem Sozialsprengel „gut aufgestellt“. Das Pflegeheim in Haiming ist mehr als ausgelastet. „Eine Aufstockung ist möglich, da wir bereits beim Bau darauf Rücksicht genommen haben. Es wird eine Ebene mit 22 Betten dazukommen“, erklärt Leitner. In der sogenannten Übergangsstufe des „Betreuten Wohnen“ klafft noch eine Lücke. Im April diesen Jahres erfolgt der Baubeginn für 18 Einheiten.

Kinderbetreuung

„Da haben wir sicher Handlungsbedarf. Zwar haben wir die Krabbelstube ab einem Jahr, vier Kindergärten mit Nachmittagsbetreuung und auch die schulische Tagesbetreuung, aber es gibt auch Punkte, bei denen es hapert“, meint Leitner. Das Ziel muss sein, eine Betreuungsstruktur zu schaffen, die Kinder und Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr ganztägig auffängt. „Wir reden hier von Montag bis Freitag, von 7.00 Uhr bis 18.00 Uhr“, meint der Bürgermeister. Wie genau dieses hohe Ziel erreicht werden kann, lässt sich noch nicht ganz beantworten. „Dazu haben wir einen Arbeitskreis mit Prozessbegleitung gegründet. Wir denken daran im Herbst mit dieser umfassenden Betreuung zu beginnen,“ resümiert Leitner.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.