Zwischen Heiligen- und Erziehungsfigur

Die Akteure bereiten sich aktuell intensiv für die Vorstellung am 6. Dezember vor. Foto: Michael Schwarz

Nikolausspiel nach fast 100 Jahren wieder in Pettneu

 

Man könnte meinen, das Jahreshighlight eines Krampusvereins ist die Austragung eines bombastischen Umzuges. Nicht jenes des Krampusvereins Pettneu – er führt das Pettneuer -Nikolausspiel nach rund 100 Jahren erstmals wieder auf. Auslöser für die (erfolgreiche) Suche nach dem verschollenen Text war ein RUNDSCHAU-Artikel.

 

Von Elisabeth Zangerl

 

„Wir möchten dem heuer dagegen halten – uns gefällt es nicht mehr, wie sich das mit den Krampusumzügen die letzten Jahre entwickelt hat. Bis vor zwei, drei Jahren hatte man das Gefühl, es kommt bei den Gästen gut an, nun merkt man, dass die Luft raus ist“, sagt Krampusvereinsobmann Mario Falch. Schon länger überlegt er, stattdessen altes Brauchtum wieder zu beleben, die Frage war nur, welches. „Eine Veröffentlichung eines Fotos des letzten in Flirsch aufgeführten Nikolausspiels vom Jänner 1926 spornte uns an, dieses Nikolausspiel gemeinsam mit der Heimatbühne Pettneu wieder aufzuführen. Wobei gesagt sein muss, dass der Nikolaus in unseren Umzügen immer eine zentrale Rolle gespielt hat“, so Falch. Diese Reaktivierung des Nikolausspiels geschieht auch sehr zur Freude des Pettneuer Ortschronisten Kurt Tschiderer, der über die Erzählhütte des Adventzaubers im Park in St. Anton zu dieser Geschichte gekommen ist: „Das Ganze ist Hand in Hand gegangen. Gleich nach der Veröffentlichung in der RUNDSCHAU-Rubrik „So war es früher“ (zur Verfügung gestellt wurde das Foto vom Flirscher Ortschronisten Rudolf Juen) ist Mario Falch auf mich zugekommen und hat mir von seiner Idee berichtet. Auch bin ich wenige Tage nach der Veröffentlichung mit Margit Juen aus Schnann ins Gespräch gekommen, es hat sich herausgestellt, dass sie handgeschriebene Texte vom Nikolausspiel von ihrer Tante Josefine Wechner (’s Siaßa Fina) hat.“ Diese waren lange Zeit verschollen, wie auch der verstorbene Flirscher Chronist Rudolf Kathrein in den 90er-Jahren in seiner Chronik „Heimat Flirsch“ bedauerte. Kurt Tschiderer hat sich dann mit den Texten an Dr. Karl Berger, den in Flirsch wohnhaften Leiter des Volkskunstmuseums, gewandt: „Er hat seine Mitarbeiterin Ingrid Rittler veranlasst, die Texte zu transkribieren“, erzählt Tschiderer.

 

ANALOGES SCHAUSPIEL IN SCHNELLLEBIGER ZEIT. Aufgeführt wurde das Nikolausspiel nach Information von Kurt Tschiderer nur in Flirsch und Schnann, und zwar alle sechs bis sieben Jahre (zuletzt 1926) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, jeweils zwischen dem Nikolaus- und Dreikönigstag. Schnann und Flirsch waren eine Pfarrei, deswegen wurden die Rollen auch von Schnannern aufgeschrieben. Kurt Tschiderer über den Inhalt: „Dies ist eigentlich ein Mys-terienspiel, in dem der Nikolaus die Rolle als Heiligenfigur spielt, aber auch als mahnende Erziehungsfigur.“ Die Darsteller von Stubenkehrer und Platzräumer, von Nikolaus und Engel, von Tod und Teufel, von Wilderer, Schäfer, Jäger und Soldat, von Herold, Läuferin und Ölträgern wiederholten ihre Szenen an einem Aufführungstag bis zu 15 Mal in Bauernstuben. Heuer gibt’s nach fast 100 Jahren erstmals wieder eine Aufführung; Krampusverein, Heimatbühne Pettneu mit 17 Schauspielern und auch die Musikkapelle Pettneu (musikalische Umrahmung) sind involviert. „Anfangs waren unsere Mitglieder teils skeptisch, mittlerweile halten es alle für eine gute Idee“, erklärt Falch. Das Nikolausspiel wurde aber „der Zeit angepasst“, die Figuren und Texte (zum Teil) wurden der Originalfassung entnommen, die Texte bearbeiteten Falch, Tschiderer und Ferdinand Mathies. „Uns war wichtig, dass es in die heutige Zeit hineinpassen muss“, erklärt Falch.

Wir leben in einer solch schnelllebigen Zeit, wir glauben, dass dieses analoge Schauspiel die Leute zurückholen kann“, erklären Kurt Tschiderer und Mario Falch. Aktuell befinden sich die Akteure mitten in der Probenarbeit – zweimal wöchentlich wird eifrig geübt. Start des Umzugs durch den Ort ist am 6. Dezember um 18.30 Uhr, die Vorstellung beginnt um 19 Uhr beim Pavillon. Obmann Mario Falch sieht die Neuauflage als „Anfang von etwas Weiterführendem“.

Die Akteure bereiten sich aktuell intensiv für die Vorstellung am 6. Dezember vor. Foto: Michael Schwarz
Ortschronist Kurt Tschiderer, RUNDSCHAU-Mitarbeiterin Elisabeth Zangerl und Krampusvereinsobmann Mario Falch (v. l.) Foto: Dave Bradley
Die Veröffentlichung dieses Fotos aus der Flirscher Chronik (Rudolf Juen) in der RUNDSCHAU brachte den Stein ins Rollen. RS-Foto: Zangerl

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.