Zwischen Klause und Waldrast

Der Archäologe Prof. Gerald Grabherr von der Uni Innsbruck erklärt Hubert Romeder (Museumsleiter Hablech), Peter Nasemann (Historischer Verein Alt Füssen), Matthias Thalmeier (Historischer Verein Säuling), Paul Iacob (Vorsitzender Via Claudia Augusta und Füssens Bürgermeister), und Architekt Armin Walch (Geschäftsführer Verein Burgenwelt Ehrenberg) den Verlauf der Römerstraße und der Salzstraße (v.l.) Foto: Via Claudia Augusta

Verein Via Claudia Augusta Bayern inspiziert Römerstraße bei Ehrenberg

Vor Kurzem traf sich in Ehrenberg eine Gruppe der Via Claudia Augusta Bayern zu einer archäologischen Exkursion zwischen der Klause und der Waldrast. Vertreter aller Gemeinden im Korridor der Römerstraße in Bayern, zwischen Donau und der Grenze zu Tirol waren eingeladen, um sich mehr zu vernetzen und die Via Claudia Augusta besser kennenzulernen.

Die römische Originaltrasse der Via Claudia Augusta, durch ihre stetige Steigung, die sonnige Lage und den perfekten Schotteraufbau besonders angenehm zu wandern. Foto: Via Claudia Augusta

„Ich möchte künftig weitere Exkursionen dieser Art entlang der gesamten Via Claudia Augusta machen“, kündigt der Vorsitzende des Vereins Via Caludia Augusta Bavarie e.V. Paul Iacob an, der Bürgermeister von Füssen und derzeit Präsident der Via Claudia Augusta Transnational ist.

Wenig Kehren, meis-terhaft gebaut.

Prof. Dr. Gerald Grabherr vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck zeigte den Teilnehmern den Verlauf der Römerstraße und der Salzstraße, der zwischen Waldrast und Ehrenberg besonders interessant ist. Die Römerstraße hatte hier eine von lediglich sechs Kehren in ganz Tirol. Sonst suchten die Römer den kürzesten Weg, damit die Legionäre schnell von A nach B kamen. Im Unterschied zur ihren Nachfolgestraßen wies die Römerstraße Via Claudia Augusta außerdem eine stetige Steigung auf und die Straßenbaumeister achteten darauf, dass sie möglichst in der Sonne lag und so nach Schnee oder Regen rasch wieder trocken war.
Der Geschäftsführer des Vereins Burgenwelt Ehrenberg und Architekt Armin Walch, der mit dem Team von Ehrenberg unter Waltraud Heinrich ebenfalls teilnahm, ist von der ausgeklügelten Trasse der Römerstraße angetan. „Die Erbauer der Salzstraße gehörten heute noch geschlagen für die schattige Straße in einem Gelände, das immer wieder in Bewegung ist.“
In dem erwanderten Abschnitt gibt es übrigens sogar einen Bypass zu bestaunen, der während des Baus der Salzstraße eingerichtet wurde, damit der Verkehr trotz Baustelle weiterlaufen konnte. Auf der Straße der Römer zu wandern ist angenehm, stellten die Teilnehmer fest. Sie hat nicht nur eine gleichmäßig Steigung. Sie hat auch einen guten Schotteraufbau, weshalb sie solide unter den Füßen liegt, selbst dort, wo sie heute durch Wiesen führt.
Vom Anstieg Richtung Ehrenberg hat man übrigens auch einen herrlichen Blick auf den weiteren Verlauf nach Norden, der kerzengerade durch das Tannenstadion, zur Dekanatspfarrkirche Breitenwang und weiter Richtung Pflach führt. Im zeitigen Frühjahr zeichnet sich dieser Verlauf durch die Vegetation klar ab, die sich auf dem darunterliegenden Schotterbankett und neben dem Schotterbankett unterschiedlich schnell entwickelt.

Siedlung mit Gasthof?

Während die Straßenstation, die es an der Römerstraße in regelmäßigen Abständen gab, unterhalb des Friedhofes in Breitenwang vermutet wird, gibt es am Anstieg nach Ehrenberg ziemlich sicher eine Siedlung, die sogar einen Gasthof umfasst haben könnte, erklärt Prof. Grabherr. Zu dieser Erkenntnis kommen die Archäologen wegen der Art der Funde. Edles Tafelgeschirr und große Reibschalen findet man praktisch nur in Siedlungen. Die nimmt man nicht auf Reisen mit und verliert sie dort, wie wir heute auf unseren Reisen auch keine Mikrowelle verlieren würden, scherzt Grabherr.

Der Via Claudia Augus-ta wird (ein) Raum gegeben.

Weil das Treffen auch der Vernetzung dienen sollte, saßen die Teilnehmer dann noch in der Ehrenberger Klause zusammen, die schon zur Römerzeit ein wichtiger Punkt war, den jeder Reisende passieren musste, und erst recht ein zentraler Ort an der Salzstraße. Armin Walch zeigte seine Pläne für eine frei zugängliche Ausstellung in einer ehemaligen Kasematte der Talsperre Ehrenberg, die freigelegt wurde. Dort soll auch der Via Claudia Augusta ein Raum gewidmet werden. Mag. Christoph Tschaikner, Geschäftsführer der Via Claudia Augusta Transnational präsentierte den Teilnehmern zum Abschluss die laufenden und aktuellen Aktivitäten der Via Claudia Augusta und die Möglichkeiten, mitzumachen und die Jahrtausende alte Verbindungsachse zu aller Nutzen weiter zu beleben.
Das alles kann man übrigens auch im frisch gedruckten Jahresbericht „Via Claudia Augusta 2017/2018“ nachlesen.