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Imst | Chronik | 1. März 2021 | Martin Grüneis

„Mehr Menschen sollten sich registrieren lassen“

„Mehr Menschen sollten sich registrieren lassen“
Louisa Wolf konnte durch ihre Stammzellenspende einem 54-jährigen Amerikaner das Leben retten. Foto: Privat
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Louisa Wolf aus Tarrenz im RS-Gespräch über ihre Stammzellenspende

Eine Stammzellenspende ist oft die letzte Chance, die Leukämie-Erkrankte und Menschen mit anderen Bluterkrankungen haben. Ein Spender wird meist dann gesucht, wenn Chemotherapie und Bestrahlungen nicht mehr ausreichend helfen. Eine, die einem anderen, ihr völlig fremden Menschen eine Chance auf ein normales Leben ohne Krankheit geschenkt hat, ist Louisa Wolf aus Tarrenz.
Von Barbara Heiss

„Ich hatte es eigentlich schon wieder ganz vergessen, dass ich mich hab typisieren lassen, bis dann im vergangenen Oktober die E-Mail kam, dass ich ein passender Spender für jemanden bin“, erklärt Louisa Wolf. Die gebürtige Deutsche hatte sich vor rund fünf Jahren bei einem Fest in Deutschland, bei dem auch ein Typisierungsteam mit einem eigenen Stand anwesend war, typisieren lassen. „Ich hab mir damals gedacht, wenn ich schon im Gesundheitswesen arbeite, sollte ich das auch tun. Das dauert auch nicht lange und man sieht wie in meinem Fall, was es für positive Auswirkungen haben kann.“

GENETISCHER ZWILLING. Wer sich typisieren lässt, bleibt in Österreich bis zu seinem 61. Lebensjahr in der Spenderdatei des Vereins „Geben für Leben“. Zwischen 17 und 45 Jahren ist es möglich, vorausgesetzt man ist körperlich gesund, in der Spenderdatei neu aufgenommen zu werden. Dann geht die Suche nach einem genetischen Zwilling los. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten zehn Jahre ein passender Stammzellenspender zu werden, liegt lediglich bei rund 1,5 Prozent. „Deshalb ist es so wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich typisieren lassen“, hofft die 24-Jährige. In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen direkt aus dem Blut herausgefiltert. So auch bei Louisa Wolf. „Nachdem ein Termin für die Stammzellenspende festgelegt wurde, musste ich mir fünf Tage vorher ein Medikament selbst spritzen“, erklärt Wolf. Dabei handelt es sich um ein Wachstumsstoff, mit dem ein grippeähnlicher Zustand simuliert wird, wodurch die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut, also den Blutzellen in den Blutgefäßen, erhöht wird. „Das hab ich dann durch leichte Gliederschmerzen bemerkt. Es war aber durchaus aushaltbar“, so die ausgebildete Physiotherapeutin. Das Herausfiltern an sich habe rund fünf Stunden gedauert. „Ich war danach etwas müde, aber ansonsten hatte ich keinerlei Nebenwirkungen oder ähnliches“, so Wolf. Eine zweite Variante wäre die Knochenmarkspende: Hierbei werden die Stammzellen aus dem Knochenmark entnommen – nicht zu verwechseln mit dem Rückenmark. Entgegen des weitverbreiteten Irrtums bleibt das Rückenmark bei der Knochenmarkspende unberührt. Durch eine Punktierung im Beckenknochen werden die Stammzellen direkt aus dem Knochenmark entnommen, was vor allem bei Spenden für Kleinkinder und akuten Fällen notwendig ist. Nach der Spende ist man dann für den jeweiligen Patienten für zwei Jahre reserviert, weshalb man in Österreich grundsätzlich nur ein Mal spenden darf. Die Spenderdatei schaltet Spender aber auf eigenen Wunsch nach Ablauf der zweijährigen Reservierung für den ersten Patienten wieder frei, um eine zweite Stammzellenspende möglich zu machen, wie es auf der Homepage des Vereins heißt. 

SPENDE BLEIBT ANONYM. „Vor der Spende habe ich gar nichts über denjenigen erfahren, der meine Stammzellen erhalten wird“, so Wolf. Danach wurde der jungen Spenderin mitgeteilt, dass es sich um einen 54-jährigen Amerikaner handelt, der an Leukämie erkrankt war. Es besteht allerdings die Möglichkeit, sich gegenseitig anonyme Briefe zu schreiben. „Das hab ich auch getan. Da der Patient die Spende aber erst am 5. Januar erhalten hat, hab ich noch keine Rückmeldung bekommen. Würde mich aber sehr darüber freuen“, so Louisa. Dieser anonyme Briefwechsel, der über die zuständige Spenderdatei sowie durch die Transplanteure koordiniert wird, ist Voraussetzung für den Kontakt zwischen dem Patienten und dem Stammzellen-Spender und beide müssen es wollen. Laut dem Verein „Geben für Leben“ ist es möglich, sich zwei Jahre nach der Transplantation kennenzulernen. Dies ist aber vom jeweiligen Land des Patienten abhängig, da es Länder gibt, die Patientendaten nicht freigeben und ein Treffen somit verhindern.Wer ebenfalls in die Spendendatei des Vereins „Geben für Leben“ aufgenommen werden möchte, kann sich unter www.gebenfuerleben.at als Stammzellenspender vormerken lassen und ein Typisierungsset bestellen. 
„Mehr Menschen sollten sich registrieren lassen“
Das Blut des Spenders wird von einem Arm zum anderen durch ein Gerät geleitet, in dem die Stammzellen durch eine Zentrifuge abgetrennt werden. Foto: Privat
„Mehr Menschen sollten sich registrieren lassen“
Hier werden die gewonnen Stammzellen von Louisa gesammelt. Foto: Privat
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