Steine des Anstoßes
Baustop für Einfamilienhaus in Wenns aufgrund eines Sensationsfunds
(mel) Wenn sich ein junges Paar den Traum von einem Eigenheim verwirklichen will, stehen Kosten und Planung im Vordergrund. Oft kommen kleine Probleme dazu, die das Projekt Eigenheim ins Wanken bringen. Dass diese jedoch in Form von Steinen aus der Zeit 450 bis 800 vor Christi Geburt stammen, ist dann doch eher selten.
Mel Burger
19. September 2023
Das Endstück einer bronzenen Fibel und ein Keramikstück sind bedeutende Funde, um die Zeit zu bestimmen. RS-Foto: Burger
Von Mel Burger
Auch wenn es für junge Familien verschiedene Förderungen für den Hausbau gibt, ist das Bauen eines Einfamilienhauses immer mit großen Kosten verbunden, die genau geplant werden müssen und meist an die Reserven vieler junger Frauen und Männer gehen. Thomas K. aus Wenns will sich mit seiner Partnerin Ella S. gemeinsam den Traum vom Eigenheim verwirklichen und so wurde seine Mutter gefragt, ob dies auf einer vorhandenen Parzelle neben dem Elternhaus möglich wäre. Schon die ersten bürokratischen Hürden ließen die jungen Leute an ihrer Idee zweifeln, wurde ihnen bei einem ersten Gespräch mit der Gemeinde und dem örtlichen Raumplaner mitgeteilt, dass die Parzelle, auf der schon das Haus der Großeltern gestanden ist, nur über eine neu zu errichtende Zufahrt hangabwärts zu erschließen möglich wäre. Dies hätte jedoch nur mit einer teueren Stützmauer umgesetzt werden können. Nach weiteren Gesprächen wählten die Zwei ein etwas höher gelegenes Grundstück der Eltern, dessen Planung rasch von der Hand ging.
HIOBSBOTSCHAFT. Bei der Bauverhandlung auf benanntem Grundstück war schon zuvor allen Beteiligten bewusst, dass das Denkmalamt mit einbezogen werden müsste, da sich das Grundstück in einem archäologisch relevanten Gürtel befindet. Zur Bauverhandlung selbst schickte das Bundesdenkmalamt niemanden, jedoch wurde den Bauherren schriftlich mitgeteilt, sie mögen bitte eine archäologische Sondage noch vor den ersten Bautätigkeiten vornehmen lassen. Schon nach den ersten Spatenstichen wurden Pfostenlöcher und Steine eines eingestürzten Hauses gefunden. Das archäologische Team der TALPA GnbR, engagierte Nachbarn und freiwillige Helfer sowie ein bestellter Bagger trugen die erste Humusschicht ab und legten die ersten Mauersteine des vermuteten Hauses frei. Laut Archäologe Lukas Gundolf handelt es sich bei dem Haus aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Bauwerk aus der Hallstattzeit. Der Fund ist eine Sensation gerade in dieser Größenordnung von wahrscheinlich 8x12 Metern. Es ist noch nichts Vergleichbares in Nordtirol entdeckt worden. Der Fund an sich ist laut Lukas Gundolf und seiner Kollegin Martina Riegler keine große Überraschung, da Wenns in den Jahren vor Christi Geburt ein wichtiges Siedlungsgebiet war.
MASSNAHMEN. Erfreut und über die geschichtliche Tragweite bewusst, freuen sich die Experten über die Funde, wissen aber auch, was dies für die sympathischen Bauherren bedeutet. Thomas K. bekam von den Experten nach der Entfernung der ersten Humusschicht nahe gelegt, die ersten Rechnungen direkt einzureichen, da sonst keinerlei Unterstützung bezahlt werden kann. Die Kosten für so ein Unterfangen müssen die Bauherren tragen. Ein Nicht-Melden eines Fundes wird mit sehr hohen Strafen geahndet.
KOSTEN. Die Gesamtkosten für vier Wochen archäologische Grabungen belaufen sich auf ungefähr 50.000 Euro. Das zuständige Denkmalamt fördert dies mit 11 bis 50 Prozent der Kosten, dessen Rest auf den Bauherren entfällt. Auch die Zeitverzögerung macht gerade Ella S. Kopfzerbrechen, wobei sie weiterhin hofft, dass der Aushub und der Keller noch in diesem Jahr fertiggestellt werden können. „Sie können graben, so lang sie wollen, aber dass wir auf den Kosten sitzen bleiben sollen, verstehen wir nicht“, ist sich die junge Frau der Wichtigkeit der Entdeckung bewusst und hilft wie ihre ganze Familie und Nachbarn bei den Grabungen mit. Die freiwilligen Helfer tragen den schweren Humus ab und melden jeden Fund den ebenfalls grabenden Experten der TALPA, die diesen aufnehmen und sicher stellen. Neben mehreren Keramikstücken und Tierknochen wurden bereits auch ein Stück einer bronzenen Fibel (Gewandnadel), Münzen und Knochenstücke, die noch nicht zugeordnet werden konnten, gefunden. Wie lange die junge Familie warten muss, um mit ihrem Bau beginnen zu können oder wie viel die Gesamtkosten am Ende betragen, steht noch in den Sternen und bereitet den beiden natürlich Kopfzerbrechen.
Auch wenn es für junge Familien verschiedene Förderungen für den Hausbau gibt, ist das Bauen eines Einfamilienhauses immer mit großen Kosten verbunden, die genau geplant werden müssen und meist an die Reserven vieler junger Frauen und Männer gehen. Thomas K. aus Wenns will sich mit seiner Partnerin Ella S. gemeinsam den Traum vom Eigenheim verwirklichen und so wurde seine Mutter gefragt, ob dies auf einer vorhandenen Parzelle neben dem Elternhaus möglich wäre. Schon die ersten bürokratischen Hürden ließen die jungen Leute an ihrer Idee zweifeln, wurde ihnen bei einem ersten Gespräch mit der Gemeinde und dem örtlichen Raumplaner mitgeteilt, dass die Parzelle, auf der schon das Haus der Großeltern gestanden ist, nur über eine neu zu errichtende Zufahrt hangabwärts zu erschließen möglich wäre. Dies hätte jedoch nur mit einer teueren Stützmauer umgesetzt werden können. Nach weiteren Gesprächen wählten die Zwei ein etwas höher gelegenes Grundstück der Eltern, dessen Planung rasch von der Hand ging.
HIOBSBOTSCHAFT. Bei der Bauverhandlung auf benanntem Grundstück war schon zuvor allen Beteiligten bewusst, dass das Denkmalamt mit einbezogen werden müsste, da sich das Grundstück in einem archäologisch relevanten Gürtel befindet. Zur Bauverhandlung selbst schickte das Bundesdenkmalamt niemanden, jedoch wurde den Bauherren schriftlich mitgeteilt, sie mögen bitte eine archäologische Sondage noch vor den ersten Bautätigkeiten vornehmen lassen. Schon nach den ersten Spatenstichen wurden Pfostenlöcher und Steine eines eingestürzten Hauses gefunden. Das archäologische Team der TALPA GnbR, engagierte Nachbarn und freiwillige Helfer sowie ein bestellter Bagger trugen die erste Humusschicht ab und legten die ersten Mauersteine des vermuteten Hauses frei. Laut Archäologe Lukas Gundolf handelt es sich bei dem Haus aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Bauwerk aus der Hallstattzeit. Der Fund ist eine Sensation gerade in dieser Größenordnung von wahrscheinlich 8x12 Metern. Es ist noch nichts Vergleichbares in Nordtirol entdeckt worden. Der Fund an sich ist laut Lukas Gundolf und seiner Kollegin Martina Riegler keine große Überraschung, da Wenns in den Jahren vor Christi Geburt ein wichtiges Siedlungsgebiet war.
MASSNAHMEN. Erfreut und über die geschichtliche Tragweite bewusst, freuen sich die Experten über die Funde, wissen aber auch, was dies für die sympathischen Bauherren bedeutet. Thomas K. bekam von den Experten nach der Entfernung der ersten Humusschicht nahe gelegt, die ersten Rechnungen direkt einzureichen, da sonst keinerlei Unterstützung bezahlt werden kann. Die Kosten für so ein Unterfangen müssen die Bauherren tragen. Ein Nicht-Melden eines Fundes wird mit sehr hohen Strafen geahndet.
KOSTEN. Die Gesamtkosten für vier Wochen archäologische Grabungen belaufen sich auf ungefähr 50.000 Euro. Das zuständige Denkmalamt fördert dies mit 11 bis 50 Prozent der Kosten, dessen Rest auf den Bauherren entfällt. Auch die Zeitverzögerung macht gerade Ella S. Kopfzerbrechen, wobei sie weiterhin hofft, dass der Aushub und der Keller noch in diesem Jahr fertiggestellt werden können. „Sie können graben, so lang sie wollen, aber dass wir auf den Kosten sitzen bleiben sollen, verstehen wir nicht“, ist sich die junge Frau der Wichtigkeit der Entdeckung bewusst und hilft wie ihre ganze Familie und Nachbarn bei den Grabungen mit. Die freiwilligen Helfer tragen den schweren Humus ab und melden jeden Fund den ebenfalls grabenden Experten der TALPA, die diesen aufnehmen und sicher stellen. Neben mehreren Keramikstücken und Tierknochen wurden bereits auch ein Stück einer bronzenen Fibel (Gewandnadel), Münzen und Knochenstücke, die noch nicht zugeordnet werden konnten, gefunden. Wie lange die junge Familie warten muss, um mit ihrem Bau beginnen zu können oder wie viel die Gesamtkosten am Ende betragen, steht noch in den Sternen und bereitet den beiden natürlich Kopfzerbrechen.
Ob nur tierische Knochen unter den Trümmern sind, wird eine genauere Untersuchung zeigen.
RS-Foto: Burger
RS-Foto: Burger







