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Imst | Kultur | 19. Oktober 2021 | Manuel Matt

Große Kunst – und ihr oftmals schmaler Lohn

Große Kunst – und ihr oftmals schmaler Lohn
Die Preisträger beim Fest der Kultur – mit Oberland- oder Außerfern-Bezug: Hubert Flattinger, Margarethe Drexel, Siljarosa Schletterer, Martin Plattner, Annemarie Regensburger und Roswitha Matt (v.l.) RS-Foto: Matt
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Landes-Festakt mit Auszeichnungen für Tiroler Kunstschaffende, viele davon aus dem Oberland und Außerfern

Ohne sie wär’s nicht nur in Tirol recht trist bestellt um’s Leben. Deswegen wär’s auch jammerschade, besonders verdiente Kunstschaffende nur so halb-gar, corona-konform im allerkleinsten Kreis zu ehren. Da macht’s dann sogar Sinn, höchste Ehrungen ein wenig aufzuschieben, für das nötige Drumherum: So wie beim Fest der Kultur des Landes Tirol, jüngst gefeiert im Haus der Musik. Die Ausgezeichneten – darunter eine ganze Schar aus dem Oberland und Außerfern – zeigten sich dankbar. Aber keineswegs als stille Staatskünstler.
Von Manuel Matt

Dass das Künstlerleben nicht halb so süß und romantisch ist wie oft kolportiert, kam bereits in den Worten von Kulturlandesrätin Beate Palfrader zum Ausdruck. Sie sieht die nicht selten prekären Arbeitsbedingungen speziell durch die schwere Corona-Zeit sichtbar gemacht. Beides verschwindet freilich nicht mit dem Stück Normalität, das die schönen Künste wieder Fahrt aufnehmen hat lassen. Deshalb sollen die zur Bekämpfung der Kulturkrise eingeführten Maßnahmen weiter erhalten bleiben. Wie Arbeitsstipendien und ein erhöhtes Budget für den Ankauf durch das Land, zeigt Palfrader auf.

AUS DER REGION. Wenn’s also nicht das große Geld ist, dann muss es wohl die Leidenschaft sein, die antreibt. Oder das Interesse an Menschen, die am Rand stehen, ihre Verzweiflung. Zumindest stellt das Martin Plattner, aus Wenns stammender Schöpfer von Theaterstücken, ins Zentrum seiner Arbeit. Dafür wurde er mit dem Großen Literaturstipendium bedacht. Ebenso wie Siljarosa Schletterer, die ihre Poesie als komprimierten Widerstand versteht. Sie hat ihre Wurzeln im Lechtal. Von dort kommt auch Margarethe Drexel her, die heute zuweilen neben Tirol auch in Los Angeles lebt. Sprache und generationenübergreifende Traumata beschäftigen sie in ihrer multidisziplinären Kunst, der das Land mit dem Förderpreis für zeitgenössische Kunst unter die Arme greift. Längst angekommen in der Literaturwelt ist die Imster Dialektlyrik-Ikone Annemarie Regensburger, 2020 mit dem Otto-Grünmandl-Preis ausgezeichnet: Seit 40 Jahren verfasst sie ihre zeitkritischen Texte, reist in die allerhintersten Dörfer, um dort nicht nur, aber eben ganz besonders Frauen Mut zu machen, das auszusprechen, was längst schon hätte gesagt gehört. Das Herz auf der Zunge trägt auch ihr Mit-Preisträger, der vielseitige Literat, Illustrator und Zeichner Hubert Flattinger. Geschaffen hat er Bücher, Hörbücher wie auch Theaterstücke und besonders bekannt ist er im Oberland speziell auch ob der Vermittlung seiner Erfahrungen mit Kinder- und Jugendliteratur am Institut für Sozialpädagogik in Stams. Diesen seltsamen „Grünspan-Preis“ wird er aber wohl für seine wunderschönen blauen Äuglein bekommen haben, sagt Flattinger, der Danke sagt: Vor allem für die Knete. Humor, wie ihn nicht zuletzt Roswitha Matt schätzt. Jenen lässt die Tiroler Meisterin im Poetry Slam gern in ihren Zeilen hochleben, die immer wieder so preisverdächtig sind, das sie mindestens den Förderpreis für diese Sprachgattung verdient haben.

VON FRANZLS, EINZIS UND EDIS. Weder mit dem Oberland noch mit dem Außerfern zu tun hat sie zumindest nach dem Wissensstand der RUNDSCHAU. Dennoch soll am Ende dieses Beitrags die Schriftstellerin Barbara Hundegger stehen, die 2020 den Landespreis für Kunst verliehen bekam. Weil ihre Worte wohl so mancher Künstlerin, so manchem Künstler aus der Seele spricht. Sie dankt für die Preise, das Fest der Kultur, für das Wiedersehen, an die Jury und all den Menschen, die ihre Lieben und Liebsten immer wieder ermutigen, ihrem Schaffen treu zu bleiben. Auch in den finsteren Stunden, wenn die kleine Wohnung kalt, der Magen leer und das Herz schwer ist vor lauter Hoffnungslosigkeit. Denn Milch und Honig fließen nicht für jene, die mit ihrem Tun die Seelen nähren – zumindest im Durchschnitt, der sich verdiensttechnisch bei empörenswert niedrigen 1.000 Euro im Monat eingependelt hat. Davon ist dann eben auch noch die Tourismusabgabe abzudrücken: Für „geschäftstüchtige Seilbahn-Franzls und Hotel-Hansls, Bau-Edis und Wirtschaft-Stoffl, Skiimperium-Heinzis und Gletscher-Loisls“. Eine Aufzählung, die da – von Beifall unterbrochen – nahezu endlos weiterzugehen weiß: Recht munter und fröhlich. Oder eben auch nicht.
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