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Stadtbühne-Premiere von „Emily G.“

Theaterforum Humiste reüssiert mit eigener Produktion in Imst

Das Theaterforum Humiste hat unter Federführung von Martin Flür mit „Emily G.“ ein eigenständiges Theaterstück frei nach Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing geschaffen. Im Zentrum steht die Meinung des Einzelnen unter dem Druck digitaler Öffentlichkeit und der Neigung dazu, toxische Machtstrukturen zu entfalten. Humiste fasst zusammen: Emily G. erzählt von einer jungen Frau, die öffentlich Stellung bezieht und damit eine Dynamik auslöst, die sich zunehmend ihrer Kontrolle entzieht.

9. Juni 2026
Stadtbühne-Premiere von „Emily G.“<br />
Erfolgreiche Premiere der Theaterforum Humiste Eigenproduktion „Emily G.“ frei nach Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing. Aurelia Zoller, Eva Ambrosi, Jana Streng und Wolfgang Sturm (v. l.)
Foto: Bundschuh
Emilia Galotti heute: Wie viel Lessing ist in Emily G. zu finden? Ein Klassiker der deutschen Aufklärung im digitalen Zeitalter, wo findet man da Ansatzpunkte? Martin Flür im RUNDSCHAU-Interview: „Wir wollten ein Stück für junge Menschen und junge Schauspielern schreiben. Da habe ich schon auch an moderne Stücke gedacht, aber Lessing ist der Jugend als Schullektüre bekannt und als Autor der Aufklärung setzte er sich für Vernunft, Toleranz und Menschlichkeit ein. Zu seiner Zeit konnte der Adel so ziemlich tun, was er wollte, ohne viel Rücksicht auf andere, und das haben wir in Bezug aufs Internet übersetzt.“ Nun hat Humiste die Tragödie um Emilia Galotti zwar bis auf die Knochen „abgenagt“, aber dafür aus dem „Skelett“ ein eigenes, gut durchdachtes und zeitgemäßes Stück geschaffen. Es hat eine junge Frau zur Zentralfigur, mit dem Thema Schwangerschaftsabbruch, einem gesellschaftlich kontroversen Thema der Selbstbestimmung, zum Inhalt, hinterfragt die den Einzelnen bloßstellende Machtstellung der neuen Medien und kritisiert Verkürzung und Verdrehung von Meinungsinhalten. Also, da schimmert doch der alte Lessing mit zeitgemäßer Relevanz recht klar durch. 

Verdienter Applaus. Ein Stück von und für junge Leute, das aber generationenübergreifend ausstrahlt, wie man im gut besetzten Theatersaal feststellen konnte. Es traten auf: Eva Ambrosi, Aurelia Zoller, Jana Streng gab die Emily und Wolfgang Sturm deren Vater. Alle auftretenden Charaktere wurden ihren Rollen bis ins Detail gerecht und vermittelten den Inhalt des Stückes dem Publikum emotional gut dosiert und durchaus griffig. Regie und Bühne: Martin Flür. Regieassistenz: Claudia Sager. Für die Kostüme sorgte Felicitas Moser mit ihrer Erfahrung als Theaterschneiderin. Technik, Grafik: Michael Polak und Nico Deisenberger gelingt es, Technik in dieses Stück mit digitalem Inhalt passend einfließen zu lassen. 

Mund halten und nix tun? Die Geschichte erzählt also von einer jungen Frau, die eine Entscheidung ihrer Freundin um die Frage Schwangerschaftsabbruch oder nicht im Netz öffentlich macht und tut das mit guten Absichten und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Aspekte. Der Beitrag wird als heiße Story von einer Influencerin erkannt und zusammen mit einer „Medienfachfrau“ internettauglich verstümmelt und „scharf“ gemacht. „Ich bringe das Ganze nur auf den Punkt, sonst nichts. Ich habe nur Dinge weggelassen, die im Internet nicht wichtig sind“, so die Medienprofis. Über Emily G. bricht darauf die digitale Hölle des sozialen Netzwerkes herein. Ihr Hilferuf verhallt im Nichts. „Das hab‘ ich doch so gar nicht geschrieben, es ist im ganzen Netz verfälscht.“ Also, nur Meinung verschweigen schützt vor Wortverdrehern? Kann’s das in einer digital vernetzten Gegenwart wirklich sein? Im Zentrum steht die Verantwortung jedes Einzelnen in einer komplex verbundenen Öffentlichkeit, die gleichzeitig Präsenz ermöglicht, aber dabei enorme psychische Belastung nicht ausschließt, ein Druck, der nicht einfach per „Wischer“ am Handy „abgeschaltet“ werden kann. 

WEITERE SPIELTERMINE.
14., 19., 20., 26., 28. und 29. Juni. An Sonn- und Feiertagen: 18.00 Uhr. An allen anderen Tagen: 20.00 Uhr. Kartenreservierung erforderlich unter: Tel. 0664/6360646.
Stadtbühne-Premiere von „Emily G.“<br />
Die junge Oberländerin Jana Streng in der Rolle der Emily G. Foto: Bundschuh

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