Street-Art und Graphic Novels
Kunst bewegt im Turmmuseum Oetz
Graphic Novels boomen, Kunst findet vermehrt auch im öffentlichen Raum statt und Street-Art „erobert“ Wand für Wand auch den ländlichen Raum. Beide Genres leisten ihren Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Themen, gelten daher weithin als streitbare Ausdrucksformen und können bisweilen als provokativ empfunden werden. Geschäftsführerin der Ötztaler Museen Edith Hessenberger lud zu „Politisch Zeichnen – Kunst bewegt“ Lilee Neururer und Nicolas Bleck zum Gespräch.
23. Juni 2026
„Politisch Zeichnen – Kunst bewegt“: Zu Street-Art und Graphic Novels lud Gastgeberin Edith Hessenberger ins Turmuseum Oetz. Im Bild: Nicolas Bleck, Lilee Neururer und Edith Hessenberger (v. l.)
Fotos: Bundschuh
Fotos: Bundschuh
Was haben Comics für Erwachsene und bunt angemalte Mauern gemeinsam? Graphic Novels und Street-Art eignen sich beide als durchaus wirkungsvolle Medien, um bei Betrachtung Denkanstöße auszulösen, auch zu irritieren, politischen Protest zum Ausdruck zu bringen und zwar im Falle auch ultimativ und knallhart unmissverständlich. Beide Formen nutzen ihr Potential als gänzlich unterschiedliche „Hingucker“, um visuelle Zugänge zu eröffnen. Sie sind in besonderem Maße alltagstauglich und veranlassen niederschwellig, irgendwie „automatisch“ zur Auseinandersetzung. Eine manipulative Vorgehensweise? Nein, denn Fragen werden gestellt, ohne Antworten vorwegzunehmen. Soll heißen: nicht indoktrinierend, aber schon recht geschickt und breitenwirksam, weil meist emotional nachvollziehbar.
„WER WIDERSTAND?“ ALS GRAPHIC NOVEL. Nicolas Bleck gestaltet als Illustrator Ausstellungen und begleitet Veranstaltungen mittels Graphic Recording. 2025 hat er eine Graphic Novel für die Ausstellung „Wer widerstand? Deserteure der Wehrmacht und wer ihnen half“ in den Ötztaler Museen erarbeitet und dabei sein Gespür zur bildhaften Darstellung historisch nur teilweise bekannter Fakten und Personenbilder unter Beweis gestellt. Seit der Film ins Weltgeschehen eintrat, sind wir es gewohnt, Sinn-
einheiten und Zusammenhänge in bewegten Bildern zu erfassen. Die Bildfolgen der Graphic Novels simulieren Bewegung und können so Zugänge zu Geschehnissen eröffnen, die in starrer Form Menschen möglicherweise nicht erreichen würden, und somit ein weit breiteres Publikum auch für komplexe Inhalte sensibilisieren. Graphic Novels sind formal Comics in Buchform. Auf Grund der Komplexität ihrer Inhalte hat die graphische Novelle aber vorwiegend erwachsene Personen als Zielgruppe. Es handelt sich im Kern um längere, thematisch anspruchsvolle Bild- und Wortabfolgen, oft mit politisch kritischen Aussagen, die auch herausfordernden bis provokativen Charakter haben können. Graphic Recording bedient sich ebenso dieser Zeichentechnik und ist ein in Zeichnungen gefasstes Live-Protokoll zentraler Aussagen einer Veranstaltung, von Bürgerbeteiligungstreffen bis Strategieworkshops. Auch hier bedienen sich Zeichnerin oder Zeichner wie oben im Wesentlichen der Methodik des Comics. Dabei können die bei dieser relativ jungen Dienstleistung entstandenen Bilder auf Papier (beispielsweise Großposter) oder digital entstehen.
SCHMUCKLOSE WÄNDE WERDEN PHANTASIEWELTEN. Street-Art-Künstler nutzen den öffentlichen Raum als urbane Leinwand. Dabei ist die Bandbreite der gewählten Themen annähernd grenzenlos und reicht von „Passantenbespaßung“ mit verspielten Illustrationen bis hin zu sozialkritischen und somit politischen Aussagen. Die meist sehr großflächigen, fast unübersehbaren Bilder an Hauswänden und Mauern erlangen allein durch ihre Präsenz Aufmerksamkeit und eignen sich dadurch ganz besonders dazu, Diskussionen auszulösen, explizit dann, wenn die Inhalte als provokativ aufgefasst werden, was manchmal gar nicht der primären Absicht der Künstlerin oder des Künstlers entspricht, vielmehr als Intuition bei der Umsetzung des Werks mitschwingt. Als technische Mittel nutzt Street-Art vorwiegend Spraydosen, Mosaike und Poster-Elemente. Auch können Schablonen zum Einsatz kommen. Und ja, es hat schon seine bildhaften Gründe dafür, dass es der Ötztalerin mit Künstlernamen Lilee Imperator gelungen ist, nicht nur frischen Wind in die Kunst im öffentlichen Raum zu bringen, sondern auch internationales Renommee in der männerdominierten Street-Art zu erlangen. Arbeiten von Lilee werden in renommierten Galerien ausgestellt, doch ursprünglich kommt sie eben aus der Street-Art und ihr stehen nach wie vor auch Mauern, Hauswände und Tiefgaragengrau als Leinwand zur Verfügung. Die autodidaktische Künstlerin zeichnete schon als Kind mit Begeisterung. Zu ihrem ersten Megagroßformat meint sie aber: „Als ich vor dieser riesigen Wand gestanden bin, habe ich mich gefragt, wo ich anfangen soll.“ Seit „ihrer“ ersten Hauswand im Jahr 2018 und den nunmehrigen Aufträgen im französischen Marseille sind einige Jahre vergangen und es ist faszinierend, wie sich der Stil des „Mädels aus dem Ötztal“ weiterentwickelt hat.
„WER WIDERSTAND?“ ALS GRAPHIC NOVEL. Nicolas Bleck gestaltet als Illustrator Ausstellungen und begleitet Veranstaltungen mittels Graphic Recording. 2025 hat er eine Graphic Novel für die Ausstellung „Wer widerstand? Deserteure der Wehrmacht und wer ihnen half“ in den Ötztaler Museen erarbeitet und dabei sein Gespür zur bildhaften Darstellung historisch nur teilweise bekannter Fakten und Personenbilder unter Beweis gestellt. Seit der Film ins Weltgeschehen eintrat, sind wir es gewohnt, Sinn-
einheiten und Zusammenhänge in bewegten Bildern zu erfassen. Die Bildfolgen der Graphic Novels simulieren Bewegung und können so Zugänge zu Geschehnissen eröffnen, die in starrer Form Menschen möglicherweise nicht erreichen würden, und somit ein weit breiteres Publikum auch für komplexe Inhalte sensibilisieren. Graphic Novels sind formal Comics in Buchform. Auf Grund der Komplexität ihrer Inhalte hat die graphische Novelle aber vorwiegend erwachsene Personen als Zielgruppe. Es handelt sich im Kern um längere, thematisch anspruchsvolle Bild- und Wortabfolgen, oft mit politisch kritischen Aussagen, die auch herausfordernden bis provokativen Charakter haben können. Graphic Recording bedient sich ebenso dieser Zeichentechnik und ist ein in Zeichnungen gefasstes Live-Protokoll zentraler Aussagen einer Veranstaltung, von Bürgerbeteiligungstreffen bis Strategieworkshops. Auch hier bedienen sich Zeichnerin oder Zeichner wie oben im Wesentlichen der Methodik des Comics. Dabei können die bei dieser relativ jungen Dienstleistung entstandenen Bilder auf Papier (beispielsweise Großposter) oder digital entstehen.
SCHMUCKLOSE WÄNDE WERDEN PHANTASIEWELTEN. Street-Art-Künstler nutzen den öffentlichen Raum als urbane Leinwand. Dabei ist die Bandbreite der gewählten Themen annähernd grenzenlos und reicht von „Passantenbespaßung“ mit verspielten Illustrationen bis hin zu sozialkritischen und somit politischen Aussagen. Die meist sehr großflächigen, fast unübersehbaren Bilder an Hauswänden und Mauern erlangen allein durch ihre Präsenz Aufmerksamkeit und eignen sich dadurch ganz besonders dazu, Diskussionen auszulösen, explizit dann, wenn die Inhalte als provokativ aufgefasst werden, was manchmal gar nicht der primären Absicht der Künstlerin oder des Künstlers entspricht, vielmehr als Intuition bei der Umsetzung des Werks mitschwingt. Als technische Mittel nutzt Street-Art vorwiegend Spraydosen, Mosaike und Poster-Elemente. Auch können Schablonen zum Einsatz kommen. Und ja, es hat schon seine bildhaften Gründe dafür, dass es der Ötztalerin mit Künstlernamen Lilee Imperator gelungen ist, nicht nur frischen Wind in die Kunst im öffentlichen Raum zu bringen, sondern auch internationales Renommee in der männerdominierten Street-Art zu erlangen. Arbeiten von Lilee werden in renommierten Galerien ausgestellt, doch ursprünglich kommt sie eben aus der Street-Art und ihr stehen nach wie vor auch Mauern, Hauswände und Tiefgaragengrau als Leinwand zur Verfügung. Die autodidaktische Künstlerin zeichnete schon als Kind mit Begeisterung. Zu ihrem ersten Megagroßformat meint sie aber: „Als ich vor dieser riesigen Wand gestanden bin, habe ich mich gefragt, wo ich anfangen soll.“ Seit „ihrer“ ersten Hauswand im Jahr 2018 und den nunmehrigen Aufträgen im französischen Marseille sind einige Jahre vergangen und es ist faszinierend, wie sich der Stil des „Mädels aus dem Ötztal“ weiterentwickelt hat.






