Artikel teilen
Artikel teilen >

Wände in eindrucksvolle Erlebnisse verwandeln

Lilee Neururer alias Lilee Imperator und der Tirolerin Award

Die gebürtige Sautner Künstlerin Lilee Imperator kreiert auf Wänden, auf Papier oder selbst designten Kleidungsstücken. Jeder Strich ist dabei bewusst gesetzt und jede Komposition ist ein Zeichen der Präsenz. Sie ist eine der wenigen Frauen in der männerdominierten Street-Art-Szene. Eine, die jenseits der Geschlechter(vor)urteile und doch mittendrin die Szene aufmischt. Im RUNDSCHAU-Gespräch erzählt Lilee Neururer über ihren Werdegang, ihre Kunst und den Tirolerin Award.
30. September 2025 | von Friederike Hirsch
Wände in eindrucksvolle Erlebnisse verwandeln<br />
Mit Engagement, Kreativität, Mut und einer gesunden Portion Bescheidenheit hat es Lilee Neururer geschafft, sich in der männerdominierten Street-Art-Szene zu behaupten. Foto: MCMONIN
Zum vierten Mal wurden kürzlich die Tirolerin Awards verliehen. Unter dem Motto „Worte haben Kraft – Taten bewegen“ wurden dabei wieder besondere Leistungen prämiert. Der Tirolerin Award würdigt Menschen, Projekte und Unternehmen, die mit außergewöhnlichem Engagement, Kreativität und Mut einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunft Tirols leisten. Der Award stellt die menschliche Komponente und den Gestaltungswillen in den Mittelpunkt und macht sichtbar, wie vielfältig und zukunftsorientiert Tirol geprägt wird. Lilee Neururer aus Sautens holt in diesem Jahr den Award der Kategorie „Zukunft & Female Empowerment“ ins Ötztal. Mit Engagement, Kreativität, Mut und einer gesunden Portion Bescheidenheit hat es die junge Künstlerin geschafft, sich in der männerdominierten Street-Art-Szene nicht nur zu behaupten, sondern der Szene einen Drive zu verschaffen, der die Umgebungen in Spiegelbilder von Identität, Selbstvertrauen und Leichtigkeit verwandelt. Ob auf Wänden, Papier oder selbst designten Kleidungsstücken – Lilee Neururer transformiert scheinbar Gewöhnliches in außergewöhnliche Erlebnisse. 

GENERATION IM ÜBERGANG. 1992 im Zeichen des Zwillings in Sautens geboren und aufgewachsen, hatte Lilee, wie viele junge Mädchen, mit ihrer Identität als Frau, als Künstlerin, als Teil einer immer noch männlich dominierten Welt zu kämpfen. Mehr noch, Kind sein in den 1990ern hieß auch, sich zurechtzufinden in einer Zeit des Wandels, in einer Zeit der Neuausrichtung der gesellschaftlichen Normen und Werte. In einer modernen, hochtechnisierten Welt, die oftmals den Leistungsgedanken über die eigene Freiheit, über das eigene Innere stellt. Ihre Kindheit war geprägt von Dorfleben versus einer Neuordnung der Welt nach dem Ende des Kalten Kriegs, gesellschaftlichen Umbrüchen durch die fortschreitende Digitale Revolution und dem Aufkommen des Internets. Die 1990er-Generation, eine Generation, die sich zwischen Tradition und Moderne hin- und hergerissen fühlte, während sie ihren Platz in einer neuen, globalen Welt definierte. Lilee Neururer hat ihren Platz mit und durch ihre künstlerischen Arbeiten gefunden. 

VON NEURURER ZU IMPERATOR. „Früher war ich eine sehr unsichere Person. Ich habe sehr viel über mich selbst, und wie ich auf andere wirke, gekopft, was sich auch psychosomatisch auswirkte“, so Lilee. Die Macht der anderen bestimmte ihren Weg, bis Lilee gelernt hat, auf ihr Inneres zu hören, bei sich zu bleiben und ihre Feinfühligkeit als ihre Stärke und Macht zu sehen. Mit ihrem Künstlernamen Lilee Imperator zeigt sie, dass sie die Macht über sich hat, die Macht, ihren Weg zu gehen. „Herrscher der eigenen Welt zu sein bedeutet, seine Stärke, seine Kreativität und seine Einzigartigkeit zu leben“, so Lilee. So steht das Wort Imperator für die Künstlerin für Souveränität, Selbstbeherrschung und die Fähigkeit, über die eigene innere Welt zu herrschen. Lilee prüft sich täglich: „Ich stehe jeden Tag auf und erinnere mich daran, wer ich bin und wer ich sein will.“ Bewusst setzt sie den Gegensatz von maskulin-machtvoll und feminin-machtvoll in ihrer Kunst ein, eine Kunst, die mit Feinfühligkeit die harte, oftmals aggressive Street Art nicht nur unterwandert, sondern zu einem neuen, spannenden Erlebnis werden lässt. 

FARBSPRAYDOSE. Zum Sprühen ist Lilee durch einen glücklichen Zufall gekommen. Kreiert und gemalt hat sie „schon immer“, nicht aber öffentlich. Ihr erstes Graffito entstand in Innsbruck im Jahr 2018. Bis dahin hatte sie auf Papier oder am Computer gezeichnet. Ein Freund meinte damals, sie solle doch mal probieren, eine Wand zu bemalen. Eine Wand, 13 mal 14 Meter, stand ihr in Innsbruck zur Verfügung und sie sprühte. Heute sieht man ihre Arbeiten im öffentlichen Raum, in München, Flensburg – aber auch in ihrer französischen Wahlheimat Bordeaux. Ihre Werke zieren aber auch öffentliche Gebäude, wie das Feuerwehrhaus in St. Roman in Oberösterreich. Für Lilee eine spannende und erweiternde künstlerische Erfahrung: „Mein Element ist das Wasser und dann ein Bild für eine Feuerwehr zu entwerfen und umzusetzen, war großartig“, so Lilee. 
Bildsprache. Ihre Bildsprache ist geprägt von bunten Menschenköpfen, einer ruhigen Ausstrahlung, harmonischen Farben und einem femininen Touch, der sich von männlichen Künstlern des Genres abhebt. Unzweifelhaft bringt Lilee den weiblichen Blick auf die Straße: „Ich zeichne viele weiche und geschwungene Linien, harmonische Farben und achte darauf, dass meine Bilder auch eine ruhige Ausstrahlung haben.“ Ihr Hintergrund in Design, Mode und Informatik ermöglicht es ihr, künstlerische Intuition und strukturiertes Designdenken zu verbinden und ihre Bilder mühelos und dennoch gewollt aussehen zu lassen. „In meiner Arbeit geht es darum, Räume zu schaffen, die Kraft verleihen“, so Lilee Imperator. 

TIROLER AWARD. Dass die Künstlerin heuer nun auch den Tirolerin Award erhalten hat, war für sie mehr als unerwartet und das noch in der Kategorie „Zukunft & Female Empowerment“. Lilee lacht und meint: „Es war unerwartet, dass ich überhaupt einmal eine Award-Gewinnerin sein werde.“ Und plötzlich hat die Künstlerin selbst  Sichtbarkeit bekommen und nicht nur ihre Werke im öffentlichen Raum. „Durch den Tirolerin Award habe ich aber gemerkt, dass Sichtbarkeit etwas Gutes sein kann, dass mein Talent gesehen wird und dadurch aber auch andere gesehen werden“, sagt sie bescheiden. Mit ihrem herzhaften Lachen, ihrer Klarheit und ihrer Authentizität nimmt sie jetzt schon Einfluss auf die Mädls, die sich irgendwann in den Männerdomänen behaupten wollen, auch wenn Lilee Neururer das (noch) nicht sieht. 
Wände in eindrucksvolle Erlebnisse verwandeln<br />
Zwei Ötztaler Künstlerinnen: Hannah Philomena Scheiber und Tirolerin Award Gewinnerin Lilee Neururer alias Lilee Imperator. Foto: Jan Hetfleisch/Tirolerin
Wände in eindrucksvolle Erlebnisse verwandeln<br />
Lilee Neururer bringt den weiblichen Blick auf die Straßen der Welt. Foto: Rene Kuen

Feedback geben

Feedback abschicken >
Nach oben
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.