Zwei Malwelten und eine Hausfassade
Spannendes, spektakuläres Wandbild mitten im Ortszentrum von Umhausen enthüllt
26. August 2025 | von
Friederike Hirsch
Die Künstler Christian Diaz Orejarena und Kornelia Kugler gemeinsam mit Juan Camilo Alfonso (v. l.), der sie in Muralismo-Fragen mit seinem Expertenwissen unterstützte. RS-Foto: Hirsch
Die Förderschiene Kunst im öffentlichen Raum wird seit 2008 in einer Kooperation zwischen dem Land Tirol und der Künstler:innenvereinigung Tirol durchgeführt und aus Mitteln des Landes Tirol finanziert. Das Ziel des Förderschwerpunkts ist es, zeitgenössische Kunst- und Kulturprojekte im öffentlichen Raum zu fördern, Diskussionen und einen Dialog auszulösen. Eines von vier ausgewählten Projekten 2025 unter dem Motto „Störfaktoren“ wurde in Umhausen realisiert. In einer Verbindung des klassisch-handwerklichen Lüftl-Freskos mit dem lateinamerikanischen, gesellschaftskritischen und partizipativen Muralismo brachten Kornelia Kugler und Christian Diaz Orejarena ein Lüftl-Mural auf die Hauswand des „Kugler-Hauses“.
LÜFTLMALEREI. Sie hat ihre Wurzeln in den Alpen und ist eine Form der Wandmalerei, die oft traditionelle Motive, alpine Landschaften oder Alltagsszenen darstellt. Typisch sind die leuchtenden Farben und die detailreiche Ausführung, die oft auf Holz oder Putz aufgebracht werden. Deren Sprachschatz erstreckt sich vom Hauspatron oder Hauszeichen über biblische Darstellungen bis hin zu den klassischen Motiven der Bauernmalerei aus dem ländlichen Alltag und der Jagd.
MURALISMO. Demgegenüber steht der Muralismo, der in Mexiko seinen Ursprung hat und stark mit sozialpolitischen Themen verbunden ist und eine politische Dimension hat. In den 1920er-Jahren nach der mexikanischen Revolution wurde der Muralismo zu einem Werkzeug, um soziale Ungerechtigkeiten anzuprangern, nationale Identität auszudrücken und das Leben der einfachen Menschen zu feiern. Die Muralisten setzten oft kraftvolle, symbolische Bilder ein, die in erster Linie die Betrachter emotional ansprechen sollten. Ihre Werke sind farbenfroh, dynamisch und oft
monumental.
„LÜFTL-MURALISMO“. Christian Diaz Orejarena und Kornelia Kugler verschmelzen diese beiden unterschiedlichen Malwelten zu einem beeindruckenden visuellen Werk an der Hauswand Dorf Nr. 22. Anstatt idyllische Landschaften darzustellen, greifen die Künstler Tourismus, Klimawandel und Zukunftsvisionen im Ötztal auf. Die Verwendung von Techniken der Lüftlmalerei – etwa die spielerische Illusion von Tiefe und Bewegung – verleiht dabei dem muralistischen Ansatz eine neue visuelle Dimension. Ohne mit erhobenem Zeigefinger zeichnen sie ein kritisches Bild des aktuellen Lebensalltages im touristisch geprägten Ötztal. Sie bleiben in den verschiedenen Techniken und Bildsprachen in jedem Detail authentisch und respektieren mit jedem Pinselstrich die Werte beider Maltraditionen. Entstanden ist ein „Bilderbuch“, inspiriert und informiert durch Gesprächsrunden mit Anwohnern, wissenschaftliche Erkenntnisse, künstlerische Recherchen und kritische Fabulation. Durch den Einsatz von KI und die aktuellen Entwicklungen der bildgebenden Landschaft blicken sowohl die Künstler als auch die Betrachter über ihren Tellerrand hinaus. Die machtkritische Ausrichtung des Muralismo erweitert die biedere Folklore des Lüftls um die Debatten der Gegenwart zu einem provokativen Diskussionsansatz, der mitten im Ortszentrum von Umhausen platziert ist. An die 100 Interessierte bestaunten anlässlich der feierlichen Enthüllung das bildgewaltige Werk, das mit Sicherheit die eine oder andere Diskussion auslösen wird.
LÜFTLMALEREI. Sie hat ihre Wurzeln in den Alpen und ist eine Form der Wandmalerei, die oft traditionelle Motive, alpine Landschaften oder Alltagsszenen darstellt. Typisch sind die leuchtenden Farben und die detailreiche Ausführung, die oft auf Holz oder Putz aufgebracht werden. Deren Sprachschatz erstreckt sich vom Hauspatron oder Hauszeichen über biblische Darstellungen bis hin zu den klassischen Motiven der Bauernmalerei aus dem ländlichen Alltag und der Jagd.
MURALISMO. Demgegenüber steht der Muralismo, der in Mexiko seinen Ursprung hat und stark mit sozialpolitischen Themen verbunden ist und eine politische Dimension hat. In den 1920er-Jahren nach der mexikanischen Revolution wurde der Muralismo zu einem Werkzeug, um soziale Ungerechtigkeiten anzuprangern, nationale Identität auszudrücken und das Leben der einfachen Menschen zu feiern. Die Muralisten setzten oft kraftvolle, symbolische Bilder ein, die in erster Linie die Betrachter emotional ansprechen sollten. Ihre Werke sind farbenfroh, dynamisch und oft
monumental.
„LÜFTL-MURALISMO“. Christian Diaz Orejarena und Kornelia Kugler verschmelzen diese beiden unterschiedlichen Malwelten zu einem beeindruckenden visuellen Werk an der Hauswand Dorf Nr. 22. Anstatt idyllische Landschaften darzustellen, greifen die Künstler Tourismus, Klimawandel und Zukunftsvisionen im Ötztal auf. Die Verwendung von Techniken der Lüftlmalerei – etwa die spielerische Illusion von Tiefe und Bewegung – verleiht dabei dem muralistischen Ansatz eine neue visuelle Dimension. Ohne mit erhobenem Zeigefinger zeichnen sie ein kritisches Bild des aktuellen Lebensalltages im touristisch geprägten Ötztal. Sie bleiben in den verschiedenen Techniken und Bildsprachen in jedem Detail authentisch und respektieren mit jedem Pinselstrich die Werte beider Maltraditionen. Entstanden ist ein „Bilderbuch“, inspiriert und informiert durch Gesprächsrunden mit Anwohnern, wissenschaftliche Erkenntnisse, künstlerische Recherchen und kritische Fabulation. Durch den Einsatz von KI und die aktuellen Entwicklungen der bildgebenden Landschaft blicken sowohl die Künstler als auch die Betrachter über ihren Tellerrand hinaus. Die machtkritische Ausrichtung des Muralismo erweitert die biedere Folklore des Lüftls um die Debatten der Gegenwart zu einem provokativen Diskussionsansatz, der mitten im Ortszentrum von Umhausen platziert ist. An die 100 Interessierte bestaunten anlässlich der feierlichen Enthüllung das bildgewaltige Werk, das mit Sicherheit die eine oder andere Diskussion auslösen wird.
