„Rätermetropole“ Wenns
Grabungsarbeiten im Vorfeld von „Pitz Park Neu“
Die faszinierende Besiedlungsgeschichte des Pitztals fand mit der rätischen Eisenzeit zwischen 600 v. Chr. und dem Alpeneinmarsch der Römer 15 v. Chr. ihren Höhepunkt. Archäologen und Historiker
gehen anhand besonders zahlreicher Funde und nachgewiesener Gebäudestrukturen von einer Bevölkerungsdichte in der Gegend um Wenns aus, die vermutlich der heutigen zumindest gleichkam.
27. Oktober 2026
Das Handwerk des Grabens: Archäologiestudent Pascal Takes und Grabungsleiter Lukas Gundolf (v. l.) vor „Mauer Nummer drei“ – Pitz Park-Areal Wenns Foto: Bundschuh
Die archäologische Baubegleitung des „Pitz Park Neu“-Projektes, also auch die Ausgrabungsarbeiten direkt an der Baugrube, erklärt sich aus der historischen Bedeutung und der Dichte an Fundobjekten im Pitztal. Eine schwer einzugrenzende, aber jedenfalls über Jahrtausende, mindestens seit der Bronzezeit, ununterbrochene Besiedlung von Wenns ist dokumentiert, und Funde in dieser Gegend aus der Bronze- und Eisenzeit sind von europaweiter Bedeutung. Ein Beispiel dafür ist die 2001 auf einer Hangterrasse in Wenns entdeckte eisenzeitliche Casa Retica. Als sensationell gilt der Depotfund am Moosbruckschrofen am Piller, 2001 von Franz Neururer. Der Schatz umfasst über 350 Bronzegegenstände, ca. 1650–1350 v. Chr.
Die vier Mauern. Wie Grabungsleiter Lukas Gundolf und Archäologie-Student Pascal Takes der RUNDSCHAU vor Ort erklären, handelt es sich im „Pitz Park“-Areal um vier hintereinander liegende, in unterschiedlichen Epochen errichtete Mauern. Die vorderen drei dürften nicht zu einem Gebäude gehört haben, sondern Teile einer Siedlungs-Terrassierung gewesen sein, die vermutlich bis zu einer Auffahrtsrampe führten. Das aller Wahrscheinlichkeit nach dazugehörige, von Franz Neururer entdeckte Wohnhaus wurde bei Bauarbeiten 2013 zerstört – ein schwerer archäologischer Verlust. Die vorderste der ohne Bindemittel zusammengefügten Steinschlichtungen datiert aus der Neuzeit, die dahinterliegende stammt aus dem Mittelalter und die Entstehung der beiden hinteren vermuten die Archäologen in der Eisen- oder auch Bronzezeit. Ob die hinterste Mauer Teil eines gegen den Hang gesetzten Gebäudes aus der rätischen Epoche ist, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Das historische Pitztal erlebte seine Hochphase jedenfalls in der Eisenzeit zur Blüte der Räter. Darüber hinaus zeugen römische Funde und auch Relikte aus dem Mittelalter von regen Handelsbeziehungen im Tiroler Oberland. Vieles an Keramik, wie eine Figur aus der Römerzeit und Ofenkacheln aus dem 13. Jahrhundert, wurde gefunden. Ebenso wurden ein Gefäßboden aus der Hallstattzeit und die aus Eisen bestehende Parierstange (Zwischenstück zwischen Griff und Klinge, als Handschutz) eines Dolchs geborgen. Ein Steinabschlag (Splitter), der bei der Herstellung eines Steinwerkzeuges angefallen sein wird, könnte auf viel weiter zurückliegende Besiedlungsepochen hinweisen, und die Möglichkeit eines steinzeitlichen Fundes aus dem Pitztal kann nicht ausgeschlossen werden. Die Ausgrabungsfunde sollen, je nach ihrer Bedeutung, in den neuen „Pitz Park“ eingearbeitet jedenfalls und Vitrinen für die Fundstücke angebracht werden.
Pitztal als bevorzugter Lebensraum. Dass in erster Linie das vordere Pitztal als Siedlungsraum sehr gut geeignet war, wurde von Menschen früh erkannt. Das Umfeld der Siedlungen hat ergiebige Bäche, ist aber sicher vor Hochwasser, Muren und Lawinen. Dazu kommen die günstigen klimatischen Gegebenheiten mit Temperaturen über denen des Inntals und die frühen Pitztaler fanden fruchtbare Böden vor. Das Bestehen von Eisen- und Kupferabbau ist zwar dokumentiert, hier bleibt aber noch Raum für weitergehende Forschung. Große Siedlungen entstanden etwa in Wenns, Jerzens, Wald und am Arzler Burgstall. Der bereits zu historischer Zeit rege Alpentransit über den Reschen- und Fernpass führte während der rätischen Epoche über den Piller Sattel und erschloss den Wirtschafts- und Kulturraum Pitztal als
Handelsweg.
Die vier Mauern. Wie Grabungsleiter Lukas Gundolf und Archäologie-Student Pascal Takes der RUNDSCHAU vor Ort erklären, handelt es sich im „Pitz Park“-Areal um vier hintereinander liegende, in unterschiedlichen Epochen errichtete Mauern. Die vorderen drei dürften nicht zu einem Gebäude gehört haben, sondern Teile einer Siedlungs-Terrassierung gewesen sein, die vermutlich bis zu einer Auffahrtsrampe führten. Das aller Wahrscheinlichkeit nach dazugehörige, von Franz Neururer entdeckte Wohnhaus wurde bei Bauarbeiten 2013 zerstört – ein schwerer archäologischer Verlust. Die vorderste der ohne Bindemittel zusammengefügten Steinschlichtungen datiert aus der Neuzeit, die dahinterliegende stammt aus dem Mittelalter und die Entstehung der beiden hinteren vermuten die Archäologen in der Eisen- oder auch Bronzezeit. Ob die hinterste Mauer Teil eines gegen den Hang gesetzten Gebäudes aus der rätischen Epoche ist, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Das historische Pitztal erlebte seine Hochphase jedenfalls in der Eisenzeit zur Blüte der Räter. Darüber hinaus zeugen römische Funde und auch Relikte aus dem Mittelalter von regen Handelsbeziehungen im Tiroler Oberland. Vieles an Keramik, wie eine Figur aus der Römerzeit und Ofenkacheln aus dem 13. Jahrhundert, wurde gefunden. Ebenso wurden ein Gefäßboden aus der Hallstattzeit und die aus Eisen bestehende Parierstange (Zwischenstück zwischen Griff und Klinge, als Handschutz) eines Dolchs geborgen. Ein Steinabschlag (Splitter), der bei der Herstellung eines Steinwerkzeuges angefallen sein wird, könnte auf viel weiter zurückliegende Besiedlungsepochen hinweisen, und die Möglichkeit eines steinzeitlichen Fundes aus dem Pitztal kann nicht ausgeschlossen werden. Die Ausgrabungsfunde sollen, je nach ihrer Bedeutung, in den neuen „Pitz Park“ eingearbeitet jedenfalls und Vitrinen für die Fundstücke angebracht werden.
Pitztal als bevorzugter Lebensraum. Dass in erster Linie das vordere Pitztal als Siedlungsraum sehr gut geeignet war, wurde von Menschen früh erkannt. Das Umfeld der Siedlungen hat ergiebige Bäche, ist aber sicher vor Hochwasser, Muren und Lawinen. Dazu kommen die günstigen klimatischen Gegebenheiten mit Temperaturen über denen des Inntals und die frühen Pitztaler fanden fruchtbare Böden vor. Das Bestehen von Eisen- und Kupferabbau ist zwar dokumentiert, hier bleibt aber noch Raum für weitergehende Forschung. Große Siedlungen entstanden etwa in Wenns, Jerzens, Wald und am Arzler Burgstall. Der bereits zu historischer Zeit rege Alpentransit über den Reschen- und Fernpass führte während der rätischen Epoche über den Piller Sattel und erschloss den Wirtschafts- und Kulturraum Pitztal als
Handelsweg.







