Rätselhafter Burgfund bei Jerzens
Fragen über Fragen stellen sich beim „Burgstall-Fund“ im Pitztal
Im September wurden zehn Tage lang Reste einer bislang unbekannten Burg auf einer Geländekuppe in Jerzens ausgegraben. Archäologen und Historiker sprechen von einem einzigartigen Fund, denn die ursprüngliche Anlage samt Turm, Burgraben und Umfassungsmauer wurde später nicht mehr überbaut. Bislang konnten keine Aufzeichnungen über das mittelalterliche Anwesen aufgefunden werden, nur der Flurname „Burgstall“ fand nunmehr seine Bestätigung. Wann, zu welchem Zweck und von welchem Geschlecht wurde dieses bislang rätselhafte Gemäuer errichtet?
29. September 2026
Am Tag des Denkmals konnten die zahlreichen Besucher spannenden Ausführungen der Experten lauschen: Hannes Pöll (Denkmalamt), „Burgherr“ Bürgermeister Johannes Reinstadler, Archäologe Lukas Gundolf und Historiker Daniel Johannes Huter (v. l.) Foto: Bundschuh
Am vergangenen Sonntag, dem 27. September, am Tag des Denkmals, besuchte die RUNDSCHAU die Ausgrabungen von Burgstall-Jerzens, die derzeit wohl rätselhafteste Ruine weit über das Oberland hinaus. Es ist davon auszugehen, dass die mittelalterliche Burg im Bereich Niederhof einem Feuer zum Opfer fiel. Jedenfalls wurde ein Brandhorizont festgestellt. Ob es sich bei der Zerstörung um eine kriegerische Auseinandersetzung handelte, ist derzeit ungewiss. Ursprünglich hatten der leitende Archäologe Lukas Gundolf und der kulturwissenschaftliche Bereichsleiter vom Planungsverband Pitztal, Historiker Daniel Johannes Huter, Siedlungsreste aus vorrömischer Zeit erwartet, der Befund ergab aber eine Anlage aus dem Mittelalter. Abgesehen von einer Sage verschwand die Burg nach ihrer Zerstörung völlig aus dem Bewusstsein der ansässigen Menschen, was hinsichtlich einer solchen wesentlichen Landmarke doch erstaunlich scheint. Ebenso gibt es keine schriftlichen Hinweise, bleiben also Vermutungen. Der Brand bedeutete das endgültige Aus, die Burgstätte dürfte verlassen worden sein, denn zu einem Neubau und einer Wiederbesiedelung ist es nicht gekommen. Warum? Auch diese Frage stellt sich. Die Ummauerung des Burghügels konnte teilweise freigelegt werden, ebenso der quadratische Grundriss eines innen lehmverputzten Wohnturms und Hinweise auf weitere Gebäude. Die vorläufige Datierung weist auf die Zeit um 1200.
Interessante Fundstücke. In den zehn Ausgrabungstagen wurden spannende Funde gemacht, die teilweise eindeutig ins 20. Jahrhundert gehören, wie zum Beispiel ein Zehngroschen-Stück oder ein Schuh. Abgesehen davon fanden sich antike Schuhnägel, ein Schlüssel, Teile eines Türscharniers oder ein zerbrochenes Tongefäß mit drei Beinen. Eindeutig der Zeit der in Ausgrabung befindlichen Burg zuzuordnen sind eine Streitaxt, ein Spieß und eine Pferde-trense, wie Archäologe Lukas Gundolf erläutert. Noch ist man im Wohnturm mit den Grabungen nicht „auf den Grund“ gekommen. Gundolf vermutet im noch verschütteten „Keller“ weitere Fundstücke, die zur Aufklärung des Rätsels beitragen können. Jedenfalls wurden gefundene Holzstücke vor wenigen Tagen eingeschickt zur Untersuchung mittels C14-Methode, um näher bestimmen zu können, aus welcher Zeit die Burg tatsächlich stammt.
Wie geht es weiter? Daniel Johannes Huter ist schon gespannt auf die Ergebnisse der C14-Untersuchung, denn anhand der Ergebnisse kann die Spurensuche auch in den Archiven konkreter weitergehen. In den nächsten Tagen wird die Ausgrabungsstätte jedenfalls abgedeckt, winterfest gemacht und vor allem auch überwacht. Kommendes Jahr soll es weitergehen mit den Ausgrabungen, meint „Burgherr“ Bürgermeister Johannes Reinstadler: „Die Rodungsbewilligung für 1.000 Quadratmeter haben wir bereits beantragt.“ Ob die Burg in Zusammenhang mit Bergbau gestanden ist, muss sich erst herausstellen. „Denn wenn dem so ist, muss es ein königliches oder fürstliches Lehen gewesen sein. Aber dann ist die nächste Frage, wer hat Rechte an wen vergeben“, erläutert Historiker Huter.
Hobbyforscher willkommen. Eine Besonderheit an der „Burgstall–Grabung“ war auch, dass die Teilnahme an den Grabungsarbeiten allen Interessierten offenstand. Etwa 30 ehrenamtliche „Laien-Archäologen“, vermutlich allesamt Fans von Indiana Jones, hatten sich unter Anleitung von Lukas Gundolf versammelt. Es konnte mit eigenen Händen ein Stück Geschichte ergraben werden, ohne dass Vorkenntnisse erforderlich gewesen wären. Interesse, Entdeckerfreude und ein Schuss Abenteuerlust reichten aus. Übrigens hat auch der Jerzner Bürgermeister Johannes Reinstadler als neuer „Burgherr“ persönlich zum Schaufele gegriffen. Vielleicht gibt es bei der Grabungsfortsetzung kommendes Jahr wieder die Chance, einen Schatz zu heben, aber ehrlich sein und nix einstecken, versteht sich.
Interessante Fundstücke. In den zehn Ausgrabungstagen wurden spannende Funde gemacht, die teilweise eindeutig ins 20. Jahrhundert gehören, wie zum Beispiel ein Zehngroschen-Stück oder ein Schuh. Abgesehen davon fanden sich antike Schuhnägel, ein Schlüssel, Teile eines Türscharniers oder ein zerbrochenes Tongefäß mit drei Beinen. Eindeutig der Zeit der in Ausgrabung befindlichen Burg zuzuordnen sind eine Streitaxt, ein Spieß und eine Pferde-trense, wie Archäologe Lukas Gundolf erläutert. Noch ist man im Wohnturm mit den Grabungen nicht „auf den Grund“ gekommen. Gundolf vermutet im noch verschütteten „Keller“ weitere Fundstücke, die zur Aufklärung des Rätsels beitragen können. Jedenfalls wurden gefundene Holzstücke vor wenigen Tagen eingeschickt zur Untersuchung mittels C14-Methode, um näher bestimmen zu können, aus welcher Zeit die Burg tatsächlich stammt.
Wie geht es weiter? Daniel Johannes Huter ist schon gespannt auf die Ergebnisse der C14-Untersuchung, denn anhand der Ergebnisse kann die Spurensuche auch in den Archiven konkreter weitergehen. In den nächsten Tagen wird die Ausgrabungsstätte jedenfalls abgedeckt, winterfest gemacht und vor allem auch überwacht. Kommendes Jahr soll es weitergehen mit den Ausgrabungen, meint „Burgherr“ Bürgermeister Johannes Reinstadler: „Die Rodungsbewilligung für 1.000 Quadratmeter haben wir bereits beantragt.“ Ob die Burg in Zusammenhang mit Bergbau gestanden ist, muss sich erst herausstellen. „Denn wenn dem so ist, muss es ein königliches oder fürstliches Lehen gewesen sein. Aber dann ist die nächste Frage, wer hat Rechte an wen vergeben“, erläutert Historiker Huter.
Hobbyforscher willkommen. Eine Besonderheit an der „Burgstall–Grabung“ war auch, dass die Teilnahme an den Grabungsarbeiten allen Interessierten offenstand. Etwa 30 ehrenamtliche „Laien-Archäologen“, vermutlich allesamt Fans von Indiana Jones, hatten sich unter Anleitung von Lukas Gundolf versammelt. Es konnte mit eigenen Händen ein Stück Geschichte ergraben werden, ohne dass Vorkenntnisse erforderlich gewesen wären. Interesse, Entdeckerfreude und ein Schuss Abenteuerlust reichten aus. Übrigens hat auch der Jerzner Bürgermeister Johannes Reinstadler als neuer „Burgherr“ persönlich zum Schaufele gegriffen. Vielleicht gibt es bei der Grabungsfortsetzung kommendes Jahr wieder die Chance, einen Schatz zu heben, aber ehrlich sein und nix einstecken, versteht sich.






