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Trockenheit wurde zur Belastung

Totschnig diskutierte in Mieming über Dürrehilfe und die Zukunft der Berglandwirtschaft

Die Landwirtschaft hat in diesem Jahr mit anhaltender Trockenheit zu kämpfen. Auch im Tiroler Oberland sind die Auswirkungen der Trockenheit spürbar. Vergangene Woche war Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig zu Gast am Willehof der Familie Spielmann in Mieming.

1. September 2026
Trockenheit wurde zur Belastung<br />
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (l.) und Bauernbundobmann
Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler (r.) mit Gastgeberin Barbara Spielmann Foto: Grüneis
„Wir haben heuer eine historische Dürre“, betont Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Laut Geo-Sphere Austria waren die vergangenen zwölf Monate die trockensten in Österreich seit Beginn der flächendeckenden Messgeschichte im Jahr 1850. Die anhaltende Trockenheit hat selbstverständlich erhebliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft: Betroffen sind sämtliche landwirtschaftlichen Kulturen. Laut der Österreichischen Hagelversicherung beläuft sich der direkte Gesamtschaden inzwischen auf über eine Milliarde Euro. „Angesichts dieser katastrophalen Dürresituation war für uns klar, dass es zusätzliche Unterstützung braucht“, so Totschnig. Nach intensiven Verhandlungen einigte sich die Bundesregierung auf ein Dürrehilfspaket in Höhe von 240 Millionen Euro. Dieses soll die bäuerlichen Betriebe entlasten und Liquidität sichern. Durch die Dürre müssen etwa Futtermittel zugekauft werden – und das zu mindestens doppelt so hohen Preisen, erklärt der Landwirtschaftsminister.   

Vier Maßnahmen. „Wir haben ein sehr wirkungsvolles Paket schnüren können“, so Landwirtschaftsminister Totschnig. Konkret werden zwei Monatsbeiträge zur Sozialversicherung erlassen. Das bedeutet österreichweit eine Entlastung von rund 140 Millionen Euro. Wichtig sei dabei gewesen, dass keine bäuerlichen Gelder angetas-
tet werden. Die Leistungen der Sozialversicherung würden nicht gekürzt, auch eine Beitragserhöhung stehe nicht zur Diskussion. Zusätzlich sind Zinszuschüsse für Betriebsmittelkredite vorgesehen. Damit sollen notwendige Finanzierungen, etwa für den Kauf von Futtermitteln, Saatgut und Dünger, sichergestellt werden. Für Agrarinvestitions- und Konsolidierungskredite sind zudem Stundungsmöglichkeiten vorgesehen. Darüber hinaus soll ein Anreiz geschaffen werden, damit noch mehr Betriebe in die Hagelversicherung einsteigen. „Wir haben sehr gute Entwicklungen in den vergangenen Jahren beobachten können“, so Totschnig. Seit 2020 sei die Durchversicherungsrate um zwölf Prozent gestiegen. Der öffentliche Prämienzuschuss zur Dürreversicherung wird 2027 einmalig von 55 auf 65 Prozent angehoben. Dafür sind 50 Millionen Euro vorgesehen, die sich Bund und Länder teilen. Die gesetzten Maßnahmen gelten in ganz Österreich und unabhängig von den landwirtschaftlichen Betriebsformen. Mit der Einigung auf die Dürrehilfen konnte sich die Bundesregierung auch auf einen Entwurf für ein Klimagesetz verständigen. Die Trockenheit dieses Jahres sei kein einmaliger Effekt, sondern eine Folge des Klimawandels, betont Totschnig. „Wir wollen als Bundesregierung nicht nur helfen, sondern auch ein umwelt- und klimapolitisches Signal aussenden“, erklärt Totschnig. 

Ausgestaltung der GAP. Besonders entscheidend seien nun die Verhandlungen über die künftige Ausgestaltung der „Gemeinsame Agrarpolitik“ der Europäischen Union. „Unsere Bauern wirtschaften unter Bedingungen, die mit den großen Gunstlagen Europas nicht vergleichbar sind. Deshalb braucht die Landwirtschaft im Berggebiet auch in Zukunft eine entsprechend starke finanzielle Absicherung. Wir werden nicht akzeptieren, dass ausgerechnet bei jenen gespart wird, die unter schwierigsten Bedingungen unsere Lebensmittel produzieren und unsere Kulturlandschaft erhalten“, so Bauernbundobmann Josef Geisler. Dabei gehe es auch um den Wert einer geschlossenen bäuerlichen Vertretung. 

Oberland übergibt Forderungskatalog. Rund 290 Bäuerinnen und Bauern sowie Interessierte folgten der Einladung des Tiroler Bauernbundes zum Sommergespräch nach Mieming. Dass die Folgen des Klimawandels längst auch auf den Tiroler Bergbauernhöfen und Almen angekommen sind, machten die bäuerlichen Spitzenfunktionäre des Oberlandes deutlich. Sie überreichten Landwirtschaftsminister Totschnig einen Forderungskatalog zur umfassenden und langfristigen Absicherung des Berggebietes. Die extreme Trockenheit habe heuer nicht nur die Heimbetriebe, sondern auch die Almwirtschaft stark getroffen. Vielerorts seien Wasserverfügbarkeit und Futtergrundlage zur Herausforderung geworden. Die Erfahrungen dieses Sommers würden zeigen, dass neben der Bewältigung akuter Schäden verstärkt vorausschauende Maßnahmen notwendig seien. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass Trockenperioden auch im Berggebiet häufiger und intensiver auftreten können. Deshalb brauchen wir Lösungen, die zu unseren kleinstrukturierten Betrieben, unseren Almen und den besonderen Bedingungen im Berggebiet passen. Dazu gehören auch Investitionen in Wasserspeicherung, eine sichere Wasserversorgung auf den Almen und dort, wo es sinnvoll und machbar ist, Möglichkeiten zur Bewässerung“, betonte Monz. Die Vertreter des Oberlandes fordern deshalb, bei künftigen Förderprogrammen und Investitionsmaßnahmen die besonderen Voraussetzungen des Berggebietes stärker zu berücksichtigen. Es brauche maßgeschneiderte Lösungen, um die Betriebe widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und ihre Bewirtschaftung langfristig abzusichern.

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