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„Uns fehlen die Worte“

Geplagte Anrainer in Silz verstehen Blockade-Haltung der Gemeinde gegenüber einer Lärmschutzwand nicht

Seit Jahren schwelt in Silz der Streit um eine Lärmschutzwand entlang der Bahnstrecke – nun spitzt sich die Debatte weiter zu. Anrainer, Ärzte und mehrere Landtagsparteien drängen auf rasche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor der massiven Lärmbelastung durch täglich rund 180 Zugfahrten. Während Gutachten und Untersuchungen den Handlungsbedarf bestätigen, verweist die Gemeinde auf einen ablehnenden Gemeinderatsbeschluss. Die Fronten bleiben also weiterhin verhärtet.
26. Mai 2026 | von Christoph Hablitzel
„Uns fehlen die Worte“
Stefan Gufler, Markus Sint und Anton Oppeneiger (v. l.) bei der Pressekonferenz in Silz. „Die Stimmung ist schon vergiftet genug, es besteht akuter Handlungsbedarf“, sind sich die drei einig. Foto: Hablitzel
„Was soll das?“, ist man als Außenstehender geneigt zu fragen. Und zwar die nun schon über Jahre andauernde Diskussion über die Errichtung einer Lärmschutzwand an der Bahnstrecke in Silz, „wo täglich an die 180 Züge vorbeifahren“, wie die Anrainer-Vertreter Stefan Gufler und Anton Oppeneiger betonen, die kürzlich zusammen mit Markus Sint von der Liste Fritz zu einer Pressekonferenz vor Ort luden. Mit Bernadette Engl war auch eine Vertreterin des Silzer Gemeinderates anwesend. „Überall in den Oberländer Gemeinden, wo die Eisenbahntrasse vorbeiführt, ist oder war es problemlos möglich, eine Lärmschutzwand zu errichten, nur bei uns nicht, da der Gemeinderat nun schon seit Jahren die von ÖBB und Land Tirol genehmigte und übrigens dringend empfohlene Schutzmaßnahme willkürlich blockiert, da fehlen einem schlicht und einfach die Worte“, so Gufler und Oppeneiger weiter. „Natürlich war 1983, als einige hier ihr Haus gebaut haben, die Bahntrasse schon da, aber damals fuhren etwa 30 Züge am Tag vorbei – jetzt sind es 180“, ergänzt Stefan Gufler.

gutachten. Tatsächlich existieren etliche Unterlagen, Zusagen und mehrere ärztliche Gutachten (liegen der Redaktion vor), welche die Dringlichkeit eines Lärmschutzes bestätigen. Das Thema beschäftigt auch über die Landesgrenzen hinweg. So war auch schon der ORF zu Dreharbeiten für die Sendung „Bürgeranwalt“ (Ausstrahlung 25. Oktober) zu Gast. Die Gemeinde Silz wiederum beharrt auf den Gemeinderatsbeschluss von April 2025, wo mehrheitlich beschlossen wurde, eine solche Schutzwand abzulehnen. Und das teilweise mit „dubiosen Gegenargumenten“, wie Gufler weiter schildert. Das alles wiederum treibt dem ebenfalls anwesenden Markus Sint, dem Landtagsabgeordneten der Liste Fritz, die Zornesröte ins Gesicht: „Lärmschutz ist Gesundheitsschutz. Und Gesundheitsschutz heißt Lärmschutz. Wir wissen, dass Lärm krank macht. Das beweisen zahlreiche Studien und das beweisen die offenen Briefe und Warnungen der in Silz ansässigen und niedergelassenen Ärzte“, betont Liste-Fritz-Klubobmann Markus Sint gemeinsam mit betroffenen Anrainern. Die gemessene Lärmbelastung von rund 70 Dezibel, mit Spitzen bis zu 90 Dezibel, liege deutlich über dem Zumutbaren. Auch ein ÖBB-Gutachten bestätigte die Überschreitung der zulässigen Werte. Gleichzeitig nimmt der Zugverkehr weiter zu. Für Sint sei daher „unverständlich, warum Bürgermeister und Gemeinderatsmehrheit Schutzmaßnahmen blockieren“. Es liegt alles vor. Das ÖBB-Gutachten bestätigt den Handlungsbedarf, das Projekt ist fix und fertig ausgearbeitet und es gibt sogar eine von Land und ÖBB beauftragte Visualisierung. Es fehlt nicht an Fakten, es fehlt nicht an Plänen, es fehlt nicht an Lösungen. Es fehlt lediglich am politischen Willen, den Bürgermeister endlich zur Vernunft zu bringen“, so Sint. „Nachdem im Jänner 2026 die Warnungen der Ärzte öffentlich geworden sind, habe ich im Februar 2026 Landeshauptmann Anton Mattle und Verkehrslandesrat René Zumtobel schriftlich aufgefordert, einzugreifen und Lärmschutz sowie Gesundheitsschutz in Silz zu ermöglichen. Trotzdem nehmen Landeshauptmann Mattle und Landesrat Zumtobel ihre Verantwortung nicht wahr“, erklären Sint und die Anrainer enttäuscht.

Kritik an Verweis auf Gemeindeautonomie. Sint kritisiert den Verweis auf die Gemeindeautonomie und auf den Rechnungshofbericht zur Gemeinde Matrei in Osttirol. „Wenn Mattle in Matrei eine Notlage als Grund für sein drastisches Eingreifen sieht, dann muss die Gesundheitsgefährdung hunderter Menschen in Silz erst recht eine Notlage sein“, erklärt Sint. Das Land hätte laut Sint mehrere Möglichkeiten, einzugreifen. „Nichtstun grenzt an unterlassene Hilfeleistung. Mattle und Zumtobel müssen die Blockade des Bürgermeisters endlich beenden“, so Sint. Auch die NEOS sehen hier „akute Gefahr für die Bevölkerung“ und bringen deshalb einen Dringlichkeitsantrag im Landtag betreffend „Lärmschutz in Silz endlich realisieren“ ein, in dem es heißt: „Die Landesregierung wird aufgefordert, gemeinsam mit der Gemeinde und der ÖBB dafür zu sorgen, dass der längst überfällige und von Seiten des Landes und der ÖBB ausfinanzierte und als notwendig befundene Lärmschutz entlang der Bahnstrecke in Silz realisiert wird.“

land tirol. Aus dem Büro von LR René Zumtobel heißt es in einer Aussendung zusammenfassend: „Die Grundlage für den Lärmschutz entlang bestehender Bahnstrecken in Tirol ist ein Übereinkommen aus dem Jahr 2003 zwischen Land Tirol und ÖBB. Anspruch auf Maßnahmen besteht bei bestimmten Lärmgrenzwerten und wirtschaftlicher Umsetzbarkeit. Die Finanzierung erfolgt zu 50 Prozent durch Bund bzw. ÖBB, zu je 25 Prozent durch Land und Gemeinde. Seit 2008 bemühen sich Land Tirol und ÖBB um eine Lösung für Silz. 2017 wurde eine lärmtechnische Untersuchung beauftragt, deren Ergebnisse 2019 vorgestellt wurden. Diese bestätigte, dass eine Lärmschutzwand gerechtfertigt und förderfähig wäre. 2023 finanzierten Land Tirol und ÖBB zusätzlich eine Visualisierung möglicher Lärmschutzwände, die 2024 der Bevölkerung präsentiert wurde. Dabei wurden Varianten mit unterschiedlichen Gestaltungen vorgestellt und die erwartete Lärmreduktion erläutert. Land Tirol und ÖBB betonen, die Gemeinde Silz umfassend unterstützt zu haben und weiterhin bereit zu sein, ihren Finanzierungsanteil zu übernehmen. Nach der mehrheitlichen Ablehnung der Varianten durch den Gemeinderat im April 2025 liege die weitere Entscheidung nun jedoch bei der Gemeinde Silz.“ Der Silzer Bürgermeister war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe leider zu keiner Stellungnahme zu erreichen.
„Uns fehlen die Worte“
Markus Sint (2. v. l.) mit den vom Zuglärm geplagten Anrainern in der Silzer Pozuzostraße. Foto: Hablitzel

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