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Wer kennt sie nicht? Die Gasser Mühle in Imst ... und ihre Geschichte

Ein Portrait von Barbara Föger-Klotz im Gespräch mit Richard Gasser aus Imst

Heute führt mich mein Weg wieder einmal in die Bezirkshauptstadt Imst. Etwas am Stadtrand gelegen, jedoch an einem sehr bekannten Platz, ist unser heutiges Treffen. Ich nehme Platz im Wohnzimmer einer bekannten Persönlichkeit aus Imst – Richard Gasser.
17. Feber 2026 | von Barbara Klotz-Föger
Wer kennt sie nicht? Die Gasser Mühle in Imst ... und ihre Geschichte<br />
In der Mitte, und damals noch ganz jung: Müllermeister Richard Gasser.
Mir gegenüber sitzt ein Mann, der mit seinen bereits stattlichen 87 Jahren aus seinem Leben erzählt und mich immer wieder in Staunen versetzt. In einer kleinen Pause holt er uns ein Getränk, nimmt seinen Gehstock – den er aber nur zur persönlichen Sicherheit braucht, wie er erzählt – und kommt zurück mit einem Lächeln im Gesicht und sagt mir, dass er sich über den Besuch sehr freut.

VON KLEIN AUF MIT DER MÜHLE VEREINT. 1939 erblickte Richard als erstes Kind von Agnes und Karl Gasser das Licht der Welt. Von Kindesbeinen an war die Mühle – ein Familienbetrieb seit 1898 der Familie Gasser – der Lebensmittelpunkt der Familie, verbunden mit täglich harter Knochenarbeit – 6-Tage-Woche/min. 10 Stunden. Doch es war ihr Verdienst und ihr Arbeitsplatz. Das unterschiedliche Getreide und das Korn, das überall auf den Feldern wuchs, mussten für die Bauern, die Abnehmer und die Industrie verarbeitet werden. Auch der bekannte Kapuzinerorden in Imst bezog Getreide von den Bauern, das in der Mühle gelagert wurde, und sie bezogen dafür Mehl und Futtermittel.

MIT 15 JAHREN IN DEN ELTERLICHEN BETRIEB AUFGENOMMEN. Als junger Bursche mit 15 Jahren war Richard so begeistert von der Vermahlung der Getreidearten, dass er eine Lehre als „Müller“ begann und dafür auch die Schulbank in Innsbruck drückte. In der ersten und zweiten Klasse waren ein paar junge Menschen, die diesen Beruf ergreifen wollten – einer im ersten Lehrjahr, zwei im zweiten Lehrjahr und drei im dritten Lehrjahr. Doch bereits in der dritten Klasse wurden es immer weniger. Da wurden sie schon mit den Bäckerlehrlingen zusammengewürfelt, wie mir Richard erzählte.

80-KG-SÄCKE AUF DEN SCHULTERN. Zu Beginn seiner Laufbahn gab es das Getreide, das gemahlen werden musste, in Jutesäcken. 80 kg pro Sack sollten „befördert“ werden, rein mit Muskelkraft und Vorteil. Da mussten am Bahnhof Imst 20 Tonnen Getreide in Säcke abgefüllt werden – dann brachte ein Lkw mit Kipper große Erleichterung. Stapelweise mussten die Säcke umgelagert werden. Bis zu sieben Säcke auf einen Stapel – dann wurde dort eine Stiege angebracht, um weitere sieben Säcke mit jeweils 80 kg aufzustapeln. Was dies für eine Knochenarbeit war, muss, glaube ich, hier wohl nicht näher beschrieben werden. Und das alles natürlich auch unter einer herrscherlichen Macht und Befehlsregie von außen – wie es in Kriegszeiten gang und gäbe war.

KLEINE ARBEITSERLEICHTERUNG. Später wurde die Arbeit dann etwas leichter. Es folgten Papiersäcke für das Getreide mit weniger Kilo (50, 30). Es wurde das ein oder andere Fahrzeug angeschafft, um die Arbeit etwas zu erleichtern.

ÜBERNAHME DER MÜHLE GASSER. Als die Zeit gekommen war, übernahm Richard aus freien Stücken das Familienunternehmen, und es war dies eine von 30 Mühlen in ganz Tirol. Zum Vergleich zu heute: Heute gibt es nur noch zwei, die dieses Handwerk maschinell betreiben und 70.000 Tonnen im Jahr produzieren.
Begeisterung und Zufriedenheit in seinem Leben. Heute blickt Richard zurück auf seine 87 Lebensjahre – für ihn gab es nichts Besseres, als diesen Beruf bis zu seiner Pensionierung auszuüben. In seiner Freizeit war er noch eifriger Sänger beim Imster Liederkranz – ist 1970 dem Verein beigetreten, war vom 1.12.1984 bis zum Jahre 2000 sogar Obmann und hat im Jahr 2010 seine Tracht zurückgegeben. Er schaut zurück auf ein Leben voll harter Arbeit, aber auch Dankbarkeit für all das, was er erleben durfte. Es war auch einiges dabei, das nicht so gut und einfach verlaufen ist, und doch sagt er, dass er jeden Tag mit Zufriedenheit und Besonnenheit lebt. Jammern und Unzufriedenheit kennt er nicht in seinem Leben – besonders auch dadurch, dass er seine geliebte, aber auch schwer erkrankte Frau in ihren letzten vier Lebensjahren selbst pflegte und diese dann eines Nachts in seinen Armen eingeschlafen ist. „Ich bin dankbar für mein Leben, und danke für den Besuch, an dem ich noch lange Zeit zehren werde.“ So waren Richards Worte bei unserer Verabschiedung … Und ich bin dankbar, dass ich wieder einen dieser besonderen Menschen in unserem Bezirk kennenlernen und seine Geschichte hören durfte. Danke, Richard.
Wer kennt sie nicht? Die Gasser Mühle in Imst ... und ihre Geschichte<br />
Müllermeister Richard Gasser im Jahr 2026. Foto: Föger-Klotz
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Der junge Müller mit einem 80-kg-Sack auf der Schulter. Fotos: Privat
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Die alte Gassermühle in Imst gibt es auch als Krippe.

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