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Grantau-Wahnsinn in drei Akten

Rodel-WM übernommen: Wenn Umhausen die Welt rettet​ – Saurer holt WM-Bronze

Es ist ein Wintermärchen der etwas härteren, dafür umso beeindruckenderen Art: Wo andere noch über den Klimawandel philosophieren, wird in Umhausen knallhartes Eis produziert. Die Junioren-Weltmeisterschaft gastierte auf der Grantau – und das war erst der Anfang eines dreiwöchigen Marathons, der Mensch und Material an die Grenzen führt. ​Tja, außerdem sprangen die Ötztaler hilfsbereit für einen anderen Rodelort ein. Und die Medaillen? Bei den Damen schrammte Naomi Thöni als Vierte an einer Medaille vorbei, bei den Herren holte der Oberländer Simon Saurer die umjubelte Bronzemedaille.
3. Feber 2026 | von Albert Unterpirker
Grantau-Wahnsinn in drei Akten<br />
Großartig! Simon Saurer im Grantau-Eiskanal, am Ende schaute WM-Bronze raus. Ergebnisse, Frauen: Naomi Thöni (4.), Emma Ruetz (6.), Alina Schaffenrath (7.), Carina Miller (8.). Herren: Simon Saurer (3.), Paolo Auer (5.), Daniel Rietzler (11.), Marc Mörwald (13.). Am Doppelsitzer nahm Österreich nicht teil. Foto: Unterpirker
​Rettung in letzter Sekunde: Das Team Grantau übernahm! Eigentlich sollten die Medaillen in Mariazell vergeben werden, doch manchmal spielt das Schicksal nicht mit. Nach Absprache mit FIL-Vizepräsident Sorin Buta und Sportdirektor Andreas Castiglioni sprang Umhausen kurzfristig in die Bresche. Die FIL-Exekutive nickte es ab, und zack: Die Weltmeisterschaft der Junioren landete im schönen Ötztal. Ein Glücksfall für die Region, ein Kraftakt für die Helfer.​
 
RASUR AUF DEM EIS. ​Die Bedingungen hätten am vergangenen Wochenende nicht besser sein können, denn strahlender Sonnenschein küsste bei einigen Minusgraden die bestens präparierte Bahn. Dass die Jugend von heute nicht nur Daumen-Training am Handy betreibt, bewiesen auch die Mädels eindrucksvoll. Emma Ruetz (Kühtai/Sellraintal), die sich wie manch Mitstreiterin über einen „ziemlich guten Saisonverlauf“ freuen darf und fest in den Top 10 der Welt verankert ist, ist nur eine Läuferin im rot-weiß-roten Aufgebot. Mit ihr im Eis-Kanal waren: Naomi Thöni, Alina Schaffenrath (beide Ried), Corina Millner (Ellbögen) und Ersatzläuferin Sophia Huter (Schönberg). Bei den Herren hielten Daniel Rietzler (Ried), Marc Möhrwald (Prein), Paolo Auer (SV Umhausen) und Simon Saurer (Ried) die heimischen Fahnen hoch. ​Nur die besten vier Läufer jeder Nation durften an den Start gehen – ein gnadenloses Sieb der Evolution. Und wer glaubt, das hier sei Kindergeburtstag gewesen, der irrte: Die Junioren jagen über dieselbe Bahn wie die „Großen“, und manche sind dabei nur rund eine halbe Sekunde langsamer. ​„Die Bahn ist sehr gut hergerichtet“, sagten die Teilnehmerinnen unisono und sprachen ein „großes Lob an das Organisationsteam und den Trainerstab“ aus. ​Drei Wertungsläufe entschieden bei dieser WM über Sein oder Nichtsein, bevor es für die Junioren im Weltcup-Zirkus weiter zur letzten Station nach Südtirol geht. So far, so good!
 
​3-WOCHEN-MARATHON. Für OK-Chef Thomas Kammerlander schien die Junioren-WM nur das Aufwärmprogramm zu sein. „Jetzt geht es drei Wochen durch!“, weiß der Chef im Ring. Er hat recht, untertreibt aber gewaltig. Kaum sind die Junioren weg, steht am kommenden Wochenende der hochklassige FIL-Weltcup der Allgemeinen Klasse ins Haus – inklusive Eliminator und Youth Games. Eine Woche darauf folgt der internationale Alpencup für alle Jugendkategorien auf Alpin- und Sportrodeln. Insgesamt werden an diesen drei Wochenenden rund 300 Athleten über die Grantau fegen – eine unglaubliche Zahl, die zeigt, dass Umhausen einmal mehr das weltweite logistische Epizentrum des Naturbahn-Rodelsports ist.​
 
SPORT UND PARTY. Damit die Zuschauer nicht nur vor Kälte zittern, sondern auch vor Begeisterung, wird einiges geboten. Eröffnungsfeiern und Siegerehrungen u. a. am Pavillon im Dorfzentrum verwandeln Umhausen und die Area rund um den Grantau-Zielbereich samt sehenswertem Rahmenprogramm in eine regelrechte Party- und Jubelzone. Ein besonderes Schmankerl: Die Jugend- und Kinderrennen werden erstmals live auf der Video-Wall übertragen – damit auch wirklich jeder sieht, wer hier die Ideallinie trifft.​ Am Ende bleibt vor allem Dankbarkeit. Kammerlander möchte sich „bei allen Unterstützern, freiwilligen Helfern und Sponsoren bedanken“. Ohne sie wäre dieser dreiwöchige Mega-Event nichts weiter als eine kalte Rutschpartie. So aber raschelt es gewaltig im Ötztal – auf der Bahn und daneben. Geraschelt hat es auch bei den rot-weiß-roten Herren, denn Simon Saurer sicherte sich bei dieser Junioren-Weltmeisterschaft die umjubelte Bronzemedaille!
Grantau-Wahnsinn in drei Akten<br />
Emma Ruetz (r., hier mit Ersatzfahrerin Sophia Huter) erreichte den sechsten Rang. Foto: Unterpirker
Grantau-Wahnsinn in drei Akten<br />
Das Team Grantau – hier mit OK-Chef Thomas Kammerlander (l.) und Vize-OK-Chef Bruno Kammerlander – leistet hervorragende Arbeit.
Foto: Unterpirker
Grantau-Wahnsinn in drei Akten<br />
Naomi Thöni auf ihrer WM-Fahrt die eisige Grantau runter, am Ende gab’s den undankbaren vierten Platz. Foto: Unterpirker

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