„Ich war noch nie so nervös“
Die unglaubliche Geschichte des Elija Heiß, der kickte, um den EM-Titel zu holen
14. Oktober 2025 | von
Albert Unterpirker
Erst zwei Jahre beim Football, und schon EM- und ÖM-Gold: Elija Heiß mit der U18-Raiders-ÖM-Silbermedaille 2023, der U18-Raiders-ÖM-Goldmedaille 2024 sowie der U19-EM-Goldmedaille. RS-Foto: Unterpirker
Anschnallen und kräftig durchatmen, denn was jetzt kommt, ist eine jener Geschichten, die selten genug sind, aber elektrisieren. In nur zwei Jahren einen solch unfassbaren Traum zu erleben und dann nicht aufzuwachen, weil es ohnehin kein Traum ist, sondern sich wirklich so zugetragen hat, das können wahrlich nur wenige von uns sagen. Aber bei Elija Heiß ist das der Fall. Mit fünf Jahren hatte er beim SC Imst mit dem Fußballspielen begonnen, damals war Niki Meze (stellvertretender RUNDSCHAU-Geschäftsführer) sein erster Trainer. Rund zehn Jahre lang kickte der Imster beim Verein, unter anderem auch unter den Fittichen von Coach und Regionalliga-Spieler René Prantl. Noch genau zurückerinnern kann er sich an die Zeit vor zwei Jahren, als es darum ging, sich für zukünftige sportliche Herausforderungen zu entscheiden. Die Wahl fiel mit seinen beiden Kollegen auf Football. Also besuchte das Trio eines der Tryouts bei den Swarco Raiders. Football war ihm nicht gänzlich unbekannt. „Den Super Bowl haben wir uns schon reingezogen“, erzählt er, und als man beim Tryout in Innsbruck war, machte dieses gleich mächtig Eindruck auf ihn. „Das war richtig cool, wir sind dort sehr professionell behandelt worden, und die Coaches haben uns voll nett aufgenommen“, sagt Elija. Es war im Herbst 2023, als die U18-Saison bereits invollem Gange war. Klar, als Newcomer aus dem Oberland sei man zu Beginn schon so etwas wie „die Test-Dummies“ gewesen, lacht der heute 19-Jährige, aber als er in der Folge zu den österreichischen U18-Meisterschaften mitfahren durfte, zwar noch ohne Einsatz blieb, aber mit dem Team einlaufen konnte, „war dieses Gefühl unbeschreiblich“.
KICK. Anschließend hat es geheißen: „Ihr geht jetzt mal ins Fitnessstudio“ – um Kondition zu schinden. Siehe da, das Training fruchtete, denn im Frühjahr darauf, 2024, sammelte Elija bereits praktische Erfahrungen im U18-Team – auch mit gegnerischen (harten) Tackles. Wenig später sollte er seinen ersten Einsatz bekommen. „Eine kleine Rolle, vier, fünf Spielzüge“, sagt er. Bei einem Raiders-Camp im Herbst des vorigen Jahres habe dann ein Coach in die Runde der Anwesenden gefragt: „Kann jemand von euch kicken?“ Er zeigte auf, während er zu sich selbst meinte: „Als Fußballer kann das ja nicht so schlimm sein.“ Aber es hat letztendlich doch etliches an Training verlangt, um das Football-Ei maßvoll gut treten zu können. Mit ihm an Bord waren weiterhin seine beiden Kollegen Daniel Spiss (Imst) und Emanuel Gabl (Mils, beide 19 Jahre). Sein sportlicher Werdegang schritt voran. In der Raiders-U18-Mannschaft wurde er in der Offense und Defense eingesetzt, zudem nicht nur als Kicker, sondern auch als Wide Receiver. In dieser Meisterschaft holten die Raiders U18 den österreichischen Titel. Es ging Schlag auf Schlag. Ende November wurde er mit seinen Kollegen zum ersten Trainingscamp der U19-Nationalmannschaft nach Wien einberufen. „Da habe ich mich schon sehr gefreut darüber“, blickt der Imster zurück, nicht zuletzt deshalb, weil dieses Camp, bei dem noch ziemlich aussortiert wurde, auch der Vorbereitung für die U19-Europameisterschaft diente. Beim zweiten Camp in Obertraun waren er und Spiss noch dabei. Am Ende dieses Camps sei der Coach zu ihm gekommen und habe ihm mitgeteilt, dass ihm (nur) die Rolle des zweiten Kickers zufallen würde – nicht die des ersten.
EMOTION. Aber es gab noch ein drittes Camp im Frühjahr, an dem zwei Tage lang in Wien getestet wurde. Donnerstag und Freitag ging das Trainingslager über die Bühne, am Samstag sollte das österreichische Nationalteam nach Finnland zum Halbfinale abfliegen. Am Sonntag war das Spiel gegen die Finnen angesetzt. Mit einem kleinen Rucksack sei er angereist, weil er eigentlich glaubte: „Für zwei Tage brauch’ ich eh nicht so viel Gwand.“ Nur, am Freitag kam der Coach zu ihm und sagte: „Heiß, du fliegst mit nach Finnland!“ Als erster Kicker. Damit war er komplett aus dem Häuschen. Elija telefonierte mit seiner Familie und teilte mit, dass er zu Ostern nicht heimkommen könne. Am selben Tag kaufte er sich „noch schnell“ einen großen Koffer, in dem alle Sachen ihren Platz fanden – und ab ging die Post in den hohen Norden. Am Sonntag lief Elija im Dress der Nationalmannschaft auf, die Hymne wurde gespielt. Seine Emotionen waren „unbeschreiblich“. Aber auch sein Spiel. Er konnte alle (!) seine Kicks verwerten, inklusive zweier Field Goals. War er vor den Extrapunkten nicht aufgeregt? „Schon, aber ich war voll im Tunnel!“ Wer jetzt denkt, das ist es mit der Gschicht gewesen – geirrt! Es geht noch weiter, es wird noch einer draufgesetzt.
DRUCK. Kürzlich fand in Innsbruck das EM-U19-Finale zwischen Österreich und Schweden statt. Österreich führte schon ziemlich komfortabel, als die Schweden sukzessive aufholten und es kurz vor Schluss gar 31:31 stand. Nur mehr wenige Augenblicke, 40 Sekunden, um genau zu sein, waren zu spielen. Sein Coach schickte das Field-Goal-Team (mit ihm) aufs Feld – und Elija kickte. „Das war dermaßen viel Druck, ich war in meinem Leben noch nie so nervös“, schildert der Imster diesen Moment. Dann setzte er zu diesem 43-Yard-Kick an – verwertete! Österreich siegte mit 34:31 und holte den Europameistertitel! Was für eine Geschichte, so gut, dass manche sagen werden: Das ist ja fast kitschig, wie aus der Traumfabrik von Hollywood! But it’s real, men! Tja, dass er nach dem Match noch als MVP (wertvollster Spieler) ausgezeichnet wurde – das Sahnehäubchen! Seine Ziele nun: „Mal als Wide Receiver beim AFL-Team der Raiders zu spielen und im Erwachsenenbereich im Nationalteam Fuß zu fassen.“ Nachsatz: „Da ist für mich noch viel Luft nach oben.“ Tja, für andere könnte diese Luft zukünftig ziemlich dünn werden. Übrigens, fast vergessen: Mittlerweile hat Elija in diversen Netzwerken den Spitznamen „Heiß Cold“.
KICK. Anschließend hat es geheißen: „Ihr geht jetzt mal ins Fitnessstudio“ – um Kondition zu schinden. Siehe da, das Training fruchtete, denn im Frühjahr darauf, 2024, sammelte Elija bereits praktische Erfahrungen im U18-Team – auch mit gegnerischen (harten) Tackles. Wenig später sollte er seinen ersten Einsatz bekommen. „Eine kleine Rolle, vier, fünf Spielzüge“, sagt er. Bei einem Raiders-Camp im Herbst des vorigen Jahres habe dann ein Coach in die Runde der Anwesenden gefragt: „Kann jemand von euch kicken?“ Er zeigte auf, während er zu sich selbst meinte: „Als Fußballer kann das ja nicht so schlimm sein.“ Aber es hat letztendlich doch etliches an Training verlangt, um das Football-Ei maßvoll gut treten zu können. Mit ihm an Bord waren weiterhin seine beiden Kollegen Daniel Spiss (Imst) und Emanuel Gabl (Mils, beide 19 Jahre). Sein sportlicher Werdegang schritt voran. In der Raiders-U18-Mannschaft wurde er in der Offense und Defense eingesetzt, zudem nicht nur als Kicker, sondern auch als Wide Receiver. In dieser Meisterschaft holten die Raiders U18 den österreichischen Titel. Es ging Schlag auf Schlag. Ende November wurde er mit seinen Kollegen zum ersten Trainingscamp der U19-Nationalmannschaft nach Wien einberufen. „Da habe ich mich schon sehr gefreut darüber“, blickt der Imster zurück, nicht zuletzt deshalb, weil dieses Camp, bei dem noch ziemlich aussortiert wurde, auch der Vorbereitung für die U19-Europameisterschaft diente. Beim zweiten Camp in Obertraun waren er und Spiss noch dabei. Am Ende dieses Camps sei der Coach zu ihm gekommen und habe ihm mitgeteilt, dass ihm (nur) die Rolle des zweiten Kickers zufallen würde – nicht die des ersten.
EMOTION. Aber es gab noch ein drittes Camp im Frühjahr, an dem zwei Tage lang in Wien getestet wurde. Donnerstag und Freitag ging das Trainingslager über die Bühne, am Samstag sollte das österreichische Nationalteam nach Finnland zum Halbfinale abfliegen. Am Sonntag war das Spiel gegen die Finnen angesetzt. Mit einem kleinen Rucksack sei er angereist, weil er eigentlich glaubte: „Für zwei Tage brauch’ ich eh nicht so viel Gwand.“ Nur, am Freitag kam der Coach zu ihm und sagte: „Heiß, du fliegst mit nach Finnland!“ Als erster Kicker. Damit war er komplett aus dem Häuschen. Elija telefonierte mit seiner Familie und teilte mit, dass er zu Ostern nicht heimkommen könne. Am selben Tag kaufte er sich „noch schnell“ einen großen Koffer, in dem alle Sachen ihren Platz fanden – und ab ging die Post in den hohen Norden. Am Sonntag lief Elija im Dress der Nationalmannschaft auf, die Hymne wurde gespielt. Seine Emotionen waren „unbeschreiblich“. Aber auch sein Spiel. Er konnte alle (!) seine Kicks verwerten, inklusive zweier Field Goals. War er vor den Extrapunkten nicht aufgeregt? „Schon, aber ich war voll im Tunnel!“ Wer jetzt denkt, das ist es mit der Gschicht gewesen – geirrt! Es geht noch weiter, es wird noch einer draufgesetzt.
DRUCK. Kürzlich fand in Innsbruck das EM-U19-Finale zwischen Österreich und Schweden statt. Österreich führte schon ziemlich komfortabel, als die Schweden sukzessive aufholten und es kurz vor Schluss gar 31:31 stand. Nur mehr wenige Augenblicke, 40 Sekunden, um genau zu sein, waren zu spielen. Sein Coach schickte das Field-Goal-Team (mit ihm) aufs Feld – und Elija kickte. „Das war dermaßen viel Druck, ich war in meinem Leben noch nie so nervös“, schildert der Imster diesen Moment. Dann setzte er zu diesem 43-Yard-Kick an – verwertete! Österreich siegte mit 34:31 und holte den Europameistertitel! Was für eine Geschichte, so gut, dass manche sagen werden: Das ist ja fast kitschig, wie aus der Traumfabrik von Hollywood! But it’s real, men! Tja, dass er nach dem Match noch als MVP (wertvollster Spieler) ausgezeichnet wurde – das Sahnehäubchen! Seine Ziele nun: „Mal als Wide Receiver beim AFL-Team der Raiders zu spielen und im Erwachsenenbereich im Nationalteam Fuß zu fassen.“ Nachsatz: „Da ist für mich noch viel Luft nach oben.“ Tja, für andere könnte diese Luft zukünftig ziemlich dünn werden. Übrigens, fast vergessen: Mittlerweile hat Elija in diversen Netzwerken den Spitznamen „Heiß Cold“.
