„Jeder ist Teil der Silz Bulls-Familie“
Obmann Christian Föger im RUNDSCHAU-Interview
24. März 2026 | von
Albert Unterpirker
Christian Föger, Obmann, hier noch beim Saison-Opening 2025. Der Funken sprang über. Foto: Unterpirker
RUNDSCHAU: Zuallererst: Was ging Ihnen unmittelbar nach dem Overtime-Siegestreffer gegen Wattens, der den Meistertitel bedeutete, durch den Kopf?
Christian Föger: Um ehrlich zu sein, habe ich zuerst ein paar Sekunden gebraucht, bis ich wirklich realisiert habe, dass uns Philipp gerade zum Meistertitel geschossen hat. In einem solchen Moment ist alles sehr intensiv, aber gleichzeitig braucht es einen Augenblick, bis es wirklich greifbar wird. Als es dann bei mir angekommen ist, war es einfach nur noch pure Freude. Freude darüber, wie sich unsere Jungs in erster Linie selbst belohnt haben, für ihren Einsatz, ihren Zusammenhalt und ihre Arbeit über die gesamte Saison hinweg. Gleichzeitig war es aber auch Freude darüber, dass damit der gesamte Staff im Hintergrund, all unsere Helfer, unsere Sponsoren und natürlich unsere Fans für ihren enormen Aufwand rund um diese Saison belohnt wurden. Es war ein unglaublich schöner Moment, und diese Emotionen dann mit so vielen Fans teilen zu dürfen, hat das Ganze nochmals getoppt. Ein Wort ist mir in diesen Sekunden immer wieder durch den Kopf gegangen: ‚Silz Bulls Familie‘.
RS: Haben Sie sportlich gesehen jemals schon ein solch erhebendes Gefühl erlebt?
Christian Föger: In meiner aktiven Sportkarriere, sowohl im Fußball als auch im Eishockey, durfte ich persönlich einige sehr schöne Momente erleben. Es gab Siege, besondere Spiele und Momente, die natürlich in Erinnerung bleiben. Aber das, was wir heuer als Verein erreicht haben, insbesondere mit diesem Titel unserer Kampfmannschaft, ist für mich mit nichts aus meiner eigenen sportlichen Laufbahn vergleichbar. Dieses Gefühl war definitiv erhebender als alles, was ich zuvor erlebt habe. Vielleicht auch deshalb, weil es nicht nur um die eigene Leistung geht, sondern um das große Ganze. Um einen Verein, um viele Menschen, die gemeinsam auf etwas hinarbeiten. Ich habe nicht erwartet, dass es hinter der Bande emotional so intensiv werden kann. Das war für mich eine neue Erfahrung. Eine, für die ich sehr dankbar bin.
RS: Wo hängt Ihre Meister-Medaille und wo ist der Pokal jetzt?
Christian Föger: Den Teil der Frage zur Medaille kann ich schnell beantworten. Es waren an diesem Abend zu wenige Medaillen vor Ort, weshalb einige von uns diese noch nachträglich zugesendet bekommen werden. Beim Pokal wird es schon etwas schwieriger. Das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe, war auf einem Foto am Donnerstagnachmittag, als unser Kapitän ihn mit nach Hause genommen hat. Aber ich bin mir sicher: Am Ende wird er wieder auftauchen und dann einen würdigen Platz in der Kabine unserer Kampfmannschaft bekommen.
RS: Wie waren die ersten Tage nach dem Titelgewinn im Dorf? Aus dem Händeschütteln und Schulterklopfen noch rausgekommen? Handy explodiert? Anrufe en masse?
Christian Föger: Diese ersten Tage haben mir vor allem gezeigt, dass wir eines unserer großen Ziele erreicht haben. Es ist uns gelungen, für den Eishockeysport, sowohl in Silz als auch in der Umgebung, wieder ein gewisses Feuer zu entfachen. Dementsprechend euphorisch waren auch diese Tage. Und ja, nicht nur ich, sondern wir alle durften viel Anerkennung erfahren. In Form von Glückwünschen per Nachricht, durch Händeschütteln im Dorf und natürlich durch das berühmte Schulterklopfen. Die Nachrichten am Handy haben bis heute noch nicht ganz aufgehört. Was ich aber besonders hervorheben möchte, sind jene Glückwünsche, die sich nicht nur auf den Meistertitel bezogen haben, sondern auf die gesamte Vereinsarbeit. Davon haben wir viele erhalten – und genau das bestärkt uns in dem Weg, den wir eingeschlagen haben. An dieser Stelle auch ein großes Danke an alle Gratulanten: Auch ihr wart Teil dieser Reise.
RS: Zum Sportlichen: Viele Spieler sind schon viele Jahre dabei, auch Trainer Florian Hirn hatte bereits einmal gecoacht – warum klappte es heuer mit dem Titel? Alles klar, oder gibt es für Sie selbst das eine oder andere, bei dem Sie sagen, das kann ich mir noch immer nicht ganz erklären?
Christian Föger: Um einen Titel gewinnen zu können, muss natürlich vieles zusammenpassen, und in entscheidenden Momenten braucht es auch das nötige Glück. Ich denke aber, dass wir rückblickend betrachtet in den unterschiedlichen Phasen dieser Saison einfach die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Sei es mit der Zusammensetzung des neuen Vorstands, bei der Besetzung der Trainerposten – oder auch bei den Neuverpflichtungen. Ein weiterer Punkt war sicherlich, dass viele von uns selbst Spieler in diesem Verein waren und mit einigen der langjährigen Spieler noch die Kabine geteilt haben. Dadurch konnten wir über die gesamte Saison hinweg auf Augenhöhe kommunizieren. Das wiederum hat es uns ermöglicht, schnell zu reagieren. Es war eine unglaubliche Harmonie zwischen den verschiedenen Instanzen spürbar. Genau das war vielleicht der entscheidende Unterschied zu früheren Saisonen. Wenn dir ein arrivierter Spieler mitten in der Saison sagt, dass es vielleicht seine schönste Spielzeit ist, dann weißt du, dass vieles richtig läuft. Dann ist es für einen Trainer möglich, das Beste aus den Spielern herauszuholen und die Qualität, die in den vergangenen Jahren ebenfalls vorhanden war, auch tatsächlich aufs Eis zu bringen.
RS: Sie sind noch nicht lange als Obmann bei den Silzbulls im Dienst, was hat sich seither verändert?
Christian Föger: Das stimmt, ich bin nach wie vor im ersten Jahr meiner Amtszeit als Obmann der Silz Bulls. Und ich möchte in diesem Zusammenhang immer wieder betonen, dass ich einen funktionierenden Verein übernommen habe, in dem bereits sehr gute Arbeit geleistet wurde. Es war also keineswegs so, dass hier alles neu aufgebaut werden musste. Was wir in dieser Saison vielleicht geschafft haben – und was in der Vergangenheit möglicherweise ein wenig gefehlt hat, ist –, diesen ‚Silz Bulls Familie‘-Gedanken bewusst zu etablieren. Egal, ob Nachwuchs, Kampfmannschaft, Helfer, Eltern oder Coaches. Jeder ist wichtig, und jeder ist Teil dieser Familie. Wir sind enger zusammengerückt, und das hat sehr deutlich gezeigt, dass eine solche Haltung einen Verein nachhaltig nach vorne bringen kann.
RS: Auch im Vorstand gab es zu Beginn Ihrer Amtszeit einige Rochaden. Greifen die Räder nun besonders gut ineinander?
Christian Föger: Das ist sicherlich ein wesentlicher Bestandteil hinter dem Erfolg dieser Saison. Dabei spreche ich nicht nur vom Titel der Kampfmannschaft, sondern von allen Bereichen unseres Vereins. In der aktuellen Konstellation ist es so, dass wir im Vorstand großteils schon in unserer Jugend und später auch in der Kampfmannschaft gemeinsam für diesen Verein gespielt haben. Wir kennen uns seit vielen Jahren, wir wissen, wie der andere tickt, und genau deshalb können wir uns sehr gut ergänzen. Ja, es funktioniert sehr gut. Und dafür möchte ich mich ausdrücklich bei meinen Vorstandskollegen bedanken. Es war eine tolle erste Saison in dieser Zusammensetzung und für mich persönlich ein sehr intensives, aber auch sehr schönes erstes Jahr als Obmann der Silz Bulls.
RS: Der Nachwuchs ist immer noch stark, aber man schnitt in diesem Bereich auch schon besser ab. Wie kann man hier noch nachjustieren?
Christian Föger: Man muss hier den richtigen Blickwinkel ansetzen. Den Nachwuchs ausschließlich an Ergebnissen zu messen, wäre aus meiner Sicht absolut falsch. Berücksichtigt man die Rahmenbedingungen, erkennt man schnell, dass zum Beispiel unsere U11 ausschließlich aus jungen Jahrgängen bestand und wir gegen teilweise zwei Jahre ältere Gegner antreten mussten. Ähnlich war es in der U13, wo wir aufgrund ihres Talents fünf noch in der U11 spielberechtigte Spielerinnen und Spieler hochgezogen haben. Die U15 wiederum hat eine sehr gute Saison gespielt, das Playoff erreicht – und am Ende mit etwas Pech einen starken vierten Platz belegt. Was man allerdings ebenfalls deutlich gesehen hat, ist, dass wir speziell zu Saisonbeginn gegenüber Vereinen mit entsprechender Infrastruktur im Rückstand sind. Während wir im ersten Meisterschaftsspiel vielleicht fünf bis sieben Eiszeiten in den Beinen haben, stehen andere Mannschaften bereits seit September drei Mal wöchentlich am Eis. Das macht sich vor allem in den eisläuferischen Fähigkeiten bemerkbar. Hier wird es zunehmend schwieriger, mitzuhalten, das ist derzeit eine der größten Herausforderungen.
RS: Die Mannschaft war beim Titelgewinn der Star, heißt: Es ging quasi (fast) alles über den brutalen Zusammenhalt. Wie stark verändern wird sich die Silzer Meisterschaft für die nächste Saison?
Christian Föger: Natürlich werden wir versuchen, diese Mannschaft so gut wie möglich zusammenzuhalten. Der Zusammenhalt war ein wesentlicher Faktor für den Erfolg, das ist uns allen bewusst. Aber es wäre auch ein Fehler, gar nichts zu verändern. Es gibt genügend Beispiele im Sport, wo man es in erfolgreichen Jahren verabsäumt hat, rechtzeitig an die kommenden Saisonen zu denken. Genau das wollen wir bei den Silz Bulls vermeiden. Die Gespräche haben bereits begonnen, sowohl intern als auch mit den Spielern. Konkretes gibt es zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht zu vermelden.
RS: Welche Ziele hat man sich sportlich für 2026/27 gesetzt?
Christian Föger: Aus sportlicher Sicht wird es bei uns immer nur ein klares Ziel geben, nämlich den Titel nach Silz zu holen. Eine andere Einstellung ist bei einem Verein mit diesem Anspruch und diesem Zusammenhalt eigentlich nicht erlaubt. Wie realistisch dieses Ziel sein wird, entscheiden aber die kommenden Wochen und Monate. Es werden viele Gespräche geführt werden – intern, mit Spielern und im sportlichen Umfeld –, um am Ende auch in der Saison 26/2027 wieder als möglicher Titelanwärter ins Rennen gehen zu können.
RS: Nun zum leidigen Thema: Eisarena und Drumherum, Stichwort: Kantine. Es ist kein Geheimnis, dass es durchgreifende Neuerungen bzw. umfassende Verbesserungen braucht. Womit dürfen die Leser der Oberländer RUNDSCHAU schon jetzt rechnen – oder die Silzer zumindest hoffen?
Christian Föger: Auch wenn der Kontakt mit der Gemeinde in den letzten Wochen, bedingt durch die laufende Saison, eher überschaubar war, sind wir bei den Silz Bulls grundsätzlich guter Hoffnung. Im Herbst 2025 gab es einen einstimmigen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats Silz, dass die Zukunft des Eishockeysports in Silz gesichert werden soll und in die Eisarena, im Sinne einer Ganzjahressportstätte, investiert wird. Dieser Beschluss war ein wichtiges Signal. Dabei muss man klar hervorheben, dass es hier nicht ausschließlich um den Eishockeysport geht. In absehbarer Zeit wird es für Kinder in Silz kaum mehr Möglichkeiten geben, sich für Fußball oder andere Ballspiele im Ort zu treffen, weil entsprechende Flächen schlichtweg fehlen werden. Sportinfrastruktur ist daher ein Thema, das die gesamte Gemeinde betrifft. In diesem Sinne hoffen wir als Verein und ich persönlich auch als Vater zweier Kinder, dass dieser Grundsatzbeschluss nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, sondern konkrete Schritte folgen. Wir sind weiterhin optimistisch und guter Hoffnung, dass hier gemeinsam etwas Nachhaltiges für die Zukunft von Silz entstehen kann.
RS: Apropos Liga: Mit dem neuen Präsidenten soll nun – was so zu hören ist – ein frischer Wind kommen. Es sollen wohl u. a. die Baustellen „Eisarenen in Tirol“ und Liga-Gestaltung mit Nachdruck angegangen werden. Bei ersterem sind auch Land Tirol und die Gemeinden gefordert. Bezüglich Liga gibt es Gerüchte, dass es 2026/27 neue Strukturen geben soll, etwa soll der Hockey Cup Tirol in den TEHV eingebunden werden. Klären Sie uns bitte auf!
Christian Föger: Das ist absolut richtig. Unserem neuen Präsidenten Benedikt Schennach sind die genannten Themen ein großes Anliegen. Seitens Verbands, unterstützt durch die Vereine, wird intensiv daran gearbeitet, den Eishockeysport wieder stärker in den Fokus zu rücken. Tatsache ist, dass dieser Sport derzeit boomt. Leider kommt das auf politischer Ebene noch nicht im notwendigen Ausmaß an. Genau hier setzt die Arbeit des Verbandes an, denn Eishockey in Tirol muss einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Dazu zählen auch strukturelle Themen wie die mögliche Eingliederung des Hockey Cup Tirol in die Struktur des TEHV. Bei all diesen laufenden Aktivitäten geht es im Kern darum, aufzuzeigen, wie groß die Eishockey-Community in Tirol tatsächlich ist und dass diese Community bei der Frage nach notwendigen Sportstätten nicht ignoriert werden darf.
RS: Abschließend: Welche Leute fallen Ihnen als erstes ein, denen Sie nach dieser denkwürdigen Saison danken wollen?
Christian Föger: Da fallen mir sehr viele ein: unser Vorstand, unsere Helfer, unsere Sponsoren, die Eltern unserer Nachwuchskinder, unsere Spielerinnen und Spieler und noch viele mehr. Es wäre hier nicht gerecht, einzelne Namen hervorzuheben. Denn es ist genau diese angesprochene ‚Silz Bulls Familie‘, die in ehrenamtlicher und freiwilliger Art und Weise diese Saison zu dem gemacht hat, was am Ende dabei herausgekommen ist. Ohne diesen gemeinsamen Einsatz wäre das alles nicht möglich gewesen.
Christian Föger: Um ehrlich zu sein, habe ich zuerst ein paar Sekunden gebraucht, bis ich wirklich realisiert habe, dass uns Philipp gerade zum Meistertitel geschossen hat. In einem solchen Moment ist alles sehr intensiv, aber gleichzeitig braucht es einen Augenblick, bis es wirklich greifbar wird. Als es dann bei mir angekommen ist, war es einfach nur noch pure Freude. Freude darüber, wie sich unsere Jungs in erster Linie selbst belohnt haben, für ihren Einsatz, ihren Zusammenhalt und ihre Arbeit über die gesamte Saison hinweg. Gleichzeitig war es aber auch Freude darüber, dass damit der gesamte Staff im Hintergrund, all unsere Helfer, unsere Sponsoren und natürlich unsere Fans für ihren enormen Aufwand rund um diese Saison belohnt wurden. Es war ein unglaublich schöner Moment, und diese Emotionen dann mit so vielen Fans teilen zu dürfen, hat das Ganze nochmals getoppt. Ein Wort ist mir in diesen Sekunden immer wieder durch den Kopf gegangen: ‚Silz Bulls Familie‘.
RS: Haben Sie sportlich gesehen jemals schon ein solch erhebendes Gefühl erlebt?
Christian Föger: In meiner aktiven Sportkarriere, sowohl im Fußball als auch im Eishockey, durfte ich persönlich einige sehr schöne Momente erleben. Es gab Siege, besondere Spiele und Momente, die natürlich in Erinnerung bleiben. Aber das, was wir heuer als Verein erreicht haben, insbesondere mit diesem Titel unserer Kampfmannschaft, ist für mich mit nichts aus meiner eigenen sportlichen Laufbahn vergleichbar. Dieses Gefühl war definitiv erhebender als alles, was ich zuvor erlebt habe. Vielleicht auch deshalb, weil es nicht nur um die eigene Leistung geht, sondern um das große Ganze. Um einen Verein, um viele Menschen, die gemeinsam auf etwas hinarbeiten. Ich habe nicht erwartet, dass es hinter der Bande emotional so intensiv werden kann. Das war für mich eine neue Erfahrung. Eine, für die ich sehr dankbar bin.
RS: Wo hängt Ihre Meister-Medaille und wo ist der Pokal jetzt?
Christian Föger: Den Teil der Frage zur Medaille kann ich schnell beantworten. Es waren an diesem Abend zu wenige Medaillen vor Ort, weshalb einige von uns diese noch nachträglich zugesendet bekommen werden. Beim Pokal wird es schon etwas schwieriger. Das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe, war auf einem Foto am Donnerstagnachmittag, als unser Kapitän ihn mit nach Hause genommen hat. Aber ich bin mir sicher: Am Ende wird er wieder auftauchen und dann einen würdigen Platz in der Kabine unserer Kampfmannschaft bekommen.
RS: Wie waren die ersten Tage nach dem Titelgewinn im Dorf? Aus dem Händeschütteln und Schulterklopfen noch rausgekommen? Handy explodiert? Anrufe en masse?
Christian Föger: Diese ersten Tage haben mir vor allem gezeigt, dass wir eines unserer großen Ziele erreicht haben. Es ist uns gelungen, für den Eishockeysport, sowohl in Silz als auch in der Umgebung, wieder ein gewisses Feuer zu entfachen. Dementsprechend euphorisch waren auch diese Tage. Und ja, nicht nur ich, sondern wir alle durften viel Anerkennung erfahren. In Form von Glückwünschen per Nachricht, durch Händeschütteln im Dorf und natürlich durch das berühmte Schulterklopfen. Die Nachrichten am Handy haben bis heute noch nicht ganz aufgehört. Was ich aber besonders hervorheben möchte, sind jene Glückwünsche, die sich nicht nur auf den Meistertitel bezogen haben, sondern auf die gesamte Vereinsarbeit. Davon haben wir viele erhalten – und genau das bestärkt uns in dem Weg, den wir eingeschlagen haben. An dieser Stelle auch ein großes Danke an alle Gratulanten: Auch ihr wart Teil dieser Reise.
RS: Zum Sportlichen: Viele Spieler sind schon viele Jahre dabei, auch Trainer Florian Hirn hatte bereits einmal gecoacht – warum klappte es heuer mit dem Titel? Alles klar, oder gibt es für Sie selbst das eine oder andere, bei dem Sie sagen, das kann ich mir noch immer nicht ganz erklären?
Christian Föger: Um einen Titel gewinnen zu können, muss natürlich vieles zusammenpassen, und in entscheidenden Momenten braucht es auch das nötige Glück. Ich denke aber, dass wir rückblickend betrachtet in den unterschiedlichen Phasen dieser Saison einfach die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Sei es mit der Zusammensetzung des neuen Vorstands, bei der Besetzung der Trainerposten – oder auch bei den Neuverpflichtungen. Ein weiterer Punkt war sicherlich, dass viele von uns selbst Spieler in diesem Verein waren und mit einigen der langjährigen Spieler noch die Kabine geteilt haben. Dadurch konnten wir über die gesamte Saison hinweg auf Augenhöhe kommunizieren. Das wiederum hat es uns ermöglicht, schnell zu reagieren. Es war eine unglaubliche Harmonie zwischen den verschiedenen Instanzen spürbar. Genau das war vielleicht der entscheidende Unterschied zu früheren Saisonen. Wenn dir ein arrivierter Spieler mitten in der Saison sagt, dass es vielleicht seine schönste Spielzeit ist, dann weißt du, dass vieles richtig läuft. Dann ist es für einen Trainer möglich, das Beste aus den Spielern herauszuholen und die Qualität, die in den vergangenen Jahren ebenfalls vorhanden war, auch tatsächlich aufs Eis zu bringen.
RS: Sie sind noch nicht lange als Obmann bei den Silzbulls im Dienst, was hat sich seither verändert?
Christian Föger: Das stimmt, ich bin nach wie vor im ersten Jahr meiner Amtszeit als Obmann der Silz Bulls. Und ich möchte in diesem Zusammenhang immer wieder betonen, dass ich einen funktionierenden Verein übernommen habe, in dem bereits sehr gute Arbeit geleistet wurde. Es war also keineswegs so, dass hier alles neu aufgebaut werden musste. Was wir in dieser Saison vielleicht geschafft haben – und was in der Vergangenheit möglicherweise ein wenig gefehlt hat, ist –, diesen ‚Silz Bulls Familie‘-Gedanken bewusst zu etablieren. Egal, ob Nachwuchs, Kampfmannschaft, Helfer, Eltern oder Coaches. Jeder ist wichtig, und jeder ist Teil dieser Familie. Wir sind enger zusammengerückt, und das hat sehr deutlich gezeigt, dass eine solche Haltung einen Verein nachhaltig nach vorne bringen kann.
RS: Auch im Vorstand gab es zu Beginn Ihrer Amtszeit einige Rochaden. Greifen die Räder nun besonders gut ineinander?
Christian Föger: Das ist sicherlich ein wesentlicher Bestandteil hinter dem Erfolg dieser Saison. Dabei spreche ich nicht nur vom Titel der Kampfmannschaft, sondern von allen Bereichen unseres Vereins. In der aktuellen Konstellation ist es so, dass wir im Vorstand großteils schon in unserer Jugend und später auch in der Kampfmannschaft gemeinsam für diesen Verein gespielt haben. Wir kennen uns seit vielen Jahren, wir wissen, wie der andere tickt, und genau deshalb können wir uns sehr gut ergänzen. Ja, es funktioniert sehr gut. Und dafür möchte ich mich ausdrücklich bei meinen Vorstandskollegen bedanken. Es war eine tolle erste Saison in dieser Zusammensetzung und für mich persönlich ein sehr intensives, aber auch sehr schönes erstes Jahr als Obmann der Silz Bulls.
RS: Der Nachwuchs ist immer noch stark, aber man schnitt in diesem Bereich auch schon besser ab. Wie kann man hier noch nachjustieren?
Christian Föger: Man muss hier den richtigen Blickwinkel ansetzen. Den Nachwuchs ausschließlich an Ergebnissen zu messen, wäre aus meiner Sicht absolut falsch. Berücksichtigt man die Rahmenbedingungen, erkennt man schnell, dass zum Beispiel unsere U11 ausschließlich aus jungen Jahrgängen bestand und wir gegen teilweise zwei Jahre ältere Gegner antreten mussten. Ähnlich war es in der U13, wo wir aufgrund ihres Talents fünf noch in der U11 spielberechtigte Spielerinnen und Spieler hochgezogen haben. Die U15 wiederum hat eine sehr gute Saison gespielt, das Playoff erreicht – und am Ende mit etwas Pech einen starken vierten Platz belegt. Was man allerdings ebenfalls deutlich gesehen hat, ist, dass wir speziell zu Saisonbeginn gegenüber Vereinen mit entsprechender Infrastruktur im Rückstand sind. Während wir im ersten Meisterschaftsspiel vielleicht fünf bis sieben Eiszeiten in den Beinen haben, stehen andere Mannschaften bereits seit September drei Mal wöchentlich am Eis. Das macht sich vor allem in den eisläuferischen Fähigkeiten bemerkbar. Hier wird es zunehmend schwieriger, mitzuhalten, das ist derzeit eine der größten Herausforderungen.
RS: Die Mannschaft war beim Titelgewinn der Star, heißt: Es ging quasi (fast) alles über den brutalen Zusammenhalt. Wie stark verändern wird sich die Silzer Meisterschaft für die nächste Saison?
Christian Föger: Natürlich werden wir versuchen, diese Mannschaft so gut wie möglich zusammenzuhalten. Der Zusammenhalt war ein wesentlicher Faktor für den Erfolg, das ist uns allen bewusst. Aber es wäre auch ein Fehler, gar nichts zu verändern. Es gibt genügend Beispiele im Sport, wo man es in erfolgreichen Jahren verabsäumt hat, rechtzeitig an die kommenden Saisonen zu denken. Genau das wollen wir bei den Silz Bulls vermeiden. Die Gespräche haben bereits begonnen, sowohl intern als auch mit den Spielern. Konkretes gibt es zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht zu vermelden.
RS: Welche Ziele hat man sich sportlich für 2026/27 gesetzt?
Christian Föger: Aus sportlicher Sicht wird es bei uns immer nur ein klares Ziel geben, nämlich den Titel nach Silz zu holen. Eine andere Einstellung ist bei einem Verein mit diesem Anspruch und diesem Zusammenhalt eigentlich nicht erlaubt. Wie realistisch dieses Ziel sein wird, entscheiden aber die kommenden Wochen und Monate. Es werden viele Gespräche geführt werden – intern, mit Spielern und im sportlichen Umfeld –, um am Ende auch in der Saison 26/2027 wieder als möglicher Titelanwärter ins Rennen gehen zu können.
RS: Nun zum leidigen Thema: Eisarena und Drumherum, Stichwort: Kantine. Es ist kein Geheimnis, dass es durchgreifende Neuerungen bzw. umfassende Verbesserungen braucht. Womit dürfen die Leser der Oberländer RUNDSCHAU schon jetzt rechnen – oder die Silzer zumindest hoffen?
Christian Föger: Auch wenn der Kontakt mit der Gemeinde in den letzten Wochen, bedingt durch die laufende Saison, eher überschaubar war, sind wir bei den Silz Bulls grundsätzlich guter Hoffnung. Im Herbst 2025 gab es einen einstimmigen Grundsatzbeschluss des Gemeinderats Silz, dass die Zukunft des Eishockeysports in Silz gesichert werden soll und in die Eisarena, im Sinne einer Ganzjahressportstätte, investiert wird. Dieser Beschluss war ein wichtiges Signal. Dabei muss man klar hervorheben, dass es hier nicht ausschließlich um den Eishockeysport geht. In absehbarer Zeit wird es für Kinder in Silz kaum mehr Möglichkeiten geben, sich für Fußball oder andere Ballspiele im Ort zu treffen, weil entsprechende Flächen schlichtweg fehlen werden. Sportinfrastruktur ist daher ein Thema, das die gesamte Gemeinde betrifft. In diesem Sinne hoffen wir als Verein und ich persönlich auch als Vater zweier Kinder, dass dieser Grundsatzbeschluss nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt, sondern konkrete Schritte folgen. Wir sind weiterhin optimistisch und guter Hoffnung, dass hier gemeinsam etwas Nachhaltiges für die Zukunft von Silz entstehen kann.
RS: Apropos Liga: Mit dem neuen Präsidenten soll nun – was so zu hören ist – ein frischer Wind kommen. Es sollen wohl u. a. die Baustellen „Eisarenen in Tirol“ und Liga-Gestaltung mit Nachdruck angegangen werden. Bei ersterem sind auch Land Tirol und die Gemeinden gefordert. Bezüglich Liga gibt es Gerüchte, dass es 2026/27 neue Strukturen geben soll, etwa soll der Hockey Cup Tirol in den TEHV eingebunden werden. Klären Sie uns bitte auf!
Christian Föger: Das ist absolut richtig. Unserem neuen Präsidenten Benedikt Schennach sind die genannten Themen ein großes Anliegen. Seitens Verbands, unterstützt durch die Vereine, wird intensiv daran gearbeitet, den Eishockeysport wieder stärker in den Fokus zu rücken. Tatsache ist, dass dieser Sport derzeit boomt. Leider kommt das auf politischer Ebene noch nicht im notwendigen Ausmaß an. Genau hier setzt die Arbeit des Verbandes an, denn Eishockey in Tirol muss einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Dazu zählen auch strukturelle Themen wie die mögliche Eingliederung des Hockey Cup Tirol in die Struktur des TEHV. Bei all diesen laufenden Aktivitäten geht es im Kern darum, aufzuzeigen, wie groß die Eishockey-Community in Tirol tatsächlich ist und dass diese Community bei der Frage nach notwendigen Sportstätten nicht ignoriert werden darf.
RS: Abschließend: Welche Leute fallen Ihnen als erstes ein, denen Sie nach dieser denkwürdigen Saison danken wollen?
Christian Föger: Da fallen mir sehr viele ein: unser Vorstand, unsere Helfer, unsere Sponsoren, die Eltern unserer Nachwuchskinder, unsere Spielerinnen und Spieler und noch viele mehr. Es wäre hier nicht gerecht, einzelne Namen hervorzuheben. Denn es ist genau diese angesprochene ‚Silz Bulls Familie‘, die in ehrenamtlicher und freiwilliger Art und Weise diese Saison zu dem gemacht hat, was am Ende dabei herausgekommen ist. Ohne diesen gemeinsamen Einsatz wäre das alles nicht möglich gewesen.