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Ötztaler beim Goodwood Festival of Speed

Das Maurer-Lutz-Rallye-Team mischt die Motorsportszene gründlich auf

Die beiden Rennfahrer Marco Maurer und Patrik Lutz aus Sautens sind Kinder der 1980er-Jahre. Damals war Österreich noch eine Nummer im Motorsport und Österreicher brachten es auch im Rallyesport zu Ruhm. Mit ihrer spektakulären Fahrweise und ihrem legendären AUDI sind Marco und Patrik längst Publikumslieblinge auf den Rallye-Strecken. Nun wurden sie sogar eingeladen, am legendären Goodwood Festival of Speed in England teilzunehmen.

30. Juni 2026
Ötztaler beim Goodwood Festival of Speed<br />
Marco Maurer und Patrik Lutz (v. l.) aus Sautens mit ihrem „Biest“ auf dem Weg nach England. Foto: Hirsch
Begonnen hatte alles im Jahr 2009, als Marco selbst als Beifahrer an einer Rallye teilnahm. Doch diese Rolle genügte ihm nicht – er wollte sein eigenes Rallyeauto bauen. Bei den ersten Fahrten übernahm seine Frau Martina die Rolle der Beifahrerin, bis ihr während einer Rallye plötzlich übel wurde. Was für Martina völlig untypisch war, lag keineswegs an Marcos Fahrweise, sondern an einem besonders glücklichen Umstand: Die beiden erwarteten ihr erstes Kind. Da Marco und Patrik schon damals die Leidenschaft für den Motorsport und für Audi teilten, sprang Patrik ein. Seit 2013 sitzt er nun auf dem Beifahrersitz und ist als Co-Pilot der Herr über das „Gebetsbuch“. Nur zwei Jahre später wurde der offizielle Teamname Maurer-Lutz-Rallye-Team festgelegt. Damals wie heute gilt das Motto: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Die Intention hinter dem Team ist so einfach wie spektakulär. „Wir wollen ein Rallye-Auto legal und sportlich bewegen“, so Marco Maurer.

LEIDENSCHAFTEN. Rennfahrer Marco Maurer und Beifahrer Patrik Lutz verbinden gleich mehrere Leidenschaften: die Liebe zum Motorsport und die Faszination für Audi. Für beide wäre nie ein anderes Auto infrage gekommen. Die beiden Ötztaler sind Kinder der 1980er-Jahre – einer Zeit, in der Österreich eine echte Nummer im Motorsport war. Im Windschatten der Begeisterung für Niki Lauda in der Formel 1 brachten es damals auch heimische Piloten im Rallye-Sport zu großem Ruhm. Klingende Namen wie Wittmann, Wiedner oder Stohl entfachten in Marco und Patrik die Leidenschaft zum Motorsport. 

DAS AUTO - DIE IKONE. Dass Marcos Wahl beim Fahrzeugbau am Ende auf eine absolute Ikone fiel, überrascht im Rückblick niemanden. Ihr Gefährt weckt sofort Erinnerungen an „das Biest“, den legendären Audi Sport quattro. „Audi hat Rallyegeschichte geschrieben und der Fünfzylinder-Turbo-Motor hat mich immer schon fasziniert – es ist pure Gewalt. Und der Sound ist einfach unglaublich“, erklärt Marco Maurer. Auch Beifahrer Patrik Lutz schwärmt von den technischen Vorzügen: „Gepaart mit dem Allrad-Antrieb kann das Auto einfach mehr. Es lässt sich auch auf Eis und auf Schotter am Limit bewegen.“ Der unvergleichliche Sound: Nur nicht aufs Gas tippen, sonst brüllt der Fünfzylinder-Wagen ungezügelt drauflos. Welches Potenzial dem Triebwerk innewohnt, zeigt es im Motorsport: Auf den internationalen Rallyepisten fuhr der Quattro den Gegnern zeitweise auf und davon. Die Melodie hat ihren ganz eigenen Rhythmus. 1-2-4-5-3: Es ist die Zündfolge, die den rauen und unrunden, damit aber auch sehr speziellen Motorklang formt. Jedes Mal, wenn die beiden Ötztaler den Zündschlüssel umdrehen und das Triebwerk aufbrüllt, vibriert die Luft. Es ist eine Hommage an die legendäre Gruppe-B-Ära der 1980er und 1990er Jahre, deren Spuren die beiden seit Jahren mit riesiger Begeisterung folgen.

AUFGEBEN GIBT'S NICHT. Ihr Weg war steinig, geprägt von unzähligen Arbeitsstunden in der Garage und einem Totalschaden im Jahr 2022. Doch Aufgeben war für das Duo und ihre Mechaniker Florian Berkmann, Thomas Steiner und Helmut Leeb nie ein Thema. Mit ihrer spektakulären, wilden Fahrweise, bei der das Heck des Quattros gefühlt mehr neben als hinter der Spur liegt, wurden sie rasch zu echten Publikumsmagneten. Im Jahr 2017 mussten sie noch ein selbst gedrehtes Bewerbungsvideo nach San Marino schicken, um überhaupt bei dieser Veranstaltung mitfahren zu dürfen. Zahlreiche andere Wettbewerbe ließen die Zahl der Fans und den Respekt der Szene steigen. Heuer folgte die verdiente Belohnung für die jahrelange Geduld. Ein Brief aus Südengland flatterte ins Haus. Die beiden wurden eingeladen, beim legendären Goodwood Festival of Speed teilzunehmen – keineswegs bloß als stille Zuschauer auf der Tribüne, sondern aktiv auf der Strecke. „Es ist vergleichbar mit einem Ritterschlag“, meint Beifahrer Patrik Lutz sichtlich bewegt. Fahrer Marco Maurer ergänzt mit leuchtenden Augen: „Für mich ist es das Highlight schlechthin.“

WELTVERANSTALTUNG. Das Goodwood Festival of Speed ist eine weltberühmte Motorsportveranstaltung in Südengland. Jedes Jahr strömen rund 200.000 Besucher auf das weite Gelände des Goodwood House in der Nähe von Chichester in West Sussex. Es gilt weithin als das größte Sommerfest des Motorsports. Wer Benzin im Blut hat, die Faszination für schnelle Wagen teilt und die feine britische Nonchalance schätzt, kommt an diesem Event kaum vorbei. Es gibt schlicht nichts Vergleichbares. Das Festival ist eine riesige Hommage an den Rennsport. Anders als bei anderen historischen Treffen jagen die Piloten ihre Fahrzeuge hier nicht über eine klassische Rundstrecke. Die Action steigt auf einer anspruchsvollen Bergstrecke direkt vor dem herrschaftlichen Goodwood House und auf einer staubigen Rallyepiste tief im angrenzenden Wald. Die Sunday Times beschrieb das Spektakel einst treffend als eine reizvolle Kreuzung zwischen dem Großen Preis von Monaco und dem traditionellen Pferderennen in Royal Ascot.

BODENSTÄNDIG. Mitten in diesem glanzvollen Treffen, zwischen den bekanntesten Namen der Motorsportszene, bewegen sich nun die beiden bodenständigen Ötztaler. Sie beweisen, dass man mit eisernem Willen, Mut, einer gehörigen Portion Ehrgeiz und dem Rückhalt der Familie Träume verwirklichen kann. Trotz des großen Erfolgs und ihres hervorragenden Rufs in der Rallyeszene sind Marco und Patrik am Boden geblieben. Zwei, die einfach das tun, was sie über alles lieben. Ihr Auftritt in England zeigt, dass sich jede schlaflose Nacht in der Werkstatt gelohnt hat.
Ötztaler beim Goodwood Festival of Speed<br />
Mit der spektakulären Fahrweise und dem legendären AUDI ist das Maurer-Lutz-Rallye-Team längst zu Publikumslieblingen geworden. Foto: Maurer-Lutz-Rallye-Team

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