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Rekordjagd über vier Alpenpässe

Jack Burke gewinnt den 45. Ötztaler Radmarathon – Daniel Federspiel starker Zweiter vor Miguel Brugger

Der 45. Ötztaler Radmarathon wurde zu einem Rennen der Superlative. Jack Burke pulverisierte den bisherigen Streckenrekord und feierte seinen dritten Sieg. Dahinter sorgten mit dem Imster Daniel Federspiel und Miguel Brugger aus Sautens gleich zwei Oberländer für ein starkes heimisches Ergebnis: Vorjahressieger Federspiel wurde Zweiter, Brugger komplettierte als Dritter das Podium. Auch bei den Damen fiel der Streckenrekord.

1. September 2026
Rekordjagd über vier Alpenpässe<br />
Podium ÖRM 2026: Der Imster Daniel Federspiel (2.), Kanadier, Wahl-Tiroler (Kampl bei Neustift) und Ehemann in spe Jack Burke (M.) sowie der Sautner Miguel Brugger (3.) (v. l.) Foto: Ötztal Tourismus/Groder
4.271 Radsportler aus 38 Nationen machten sich am Sonntag auf die legendäre Runde über 227 Kilometer und 5.500 Höhenmeter. Vom Start in Sölden führte der Weg über Kühtai, Brenner, Jaufenpass und Timmelsjoch wieder zurück ins Ötztal. Was sich bereits in den ersten Rennstunden abzeichnete, wurde spätestens auf den letzten beiden Pässen Gewissheit: Die 45. Auflage sollte eine der schnellsten in der Geschichte des Ötztaler Radmarathons werden.

Burke macht ernst. Rund 15 Fahrer mit sämtlichen Favoriten konnten sich bereits am Anstieg zum Kühtai an der Spitze formieren. Gemeinsam ging es über den Brenner, ehe sich das Rennen auf dem Weg zum Jaufenpass endgültig zuspitzte. Jack Burke setzte sich gemeinsam mit dem ehemaligen WorldTour-Profi Toni Palzer ab. Das Tempo des Kanadiers war jedoch selbst für Palzer zu hoch. Burke hatte für diesen Tag lange und hart gearbeitet. „Ich habe schon im Februar mit der Vorbereitung begonnen. Mit Streckenrekord zu gewinnen, ist natürlich eine super Sache“, freute sich der Kanadier nach seinem Triumph. Dabei hatte Burke ausgerechnet mit jenem Mann noch eine Rechnung offen, der ihm im Vorjahr den Sieg entrissen hatte: Daniel Federspiel. Damals war Burke am Jaufenpass in die Offensive gegangen, ehe ihn Federspiel am Timmelsjoch noch abfing.

Federspiel gibt nicht auf. Der Vorjahressieger hatte auch diesmal nichts zu verschenken. Federspiel hatte sich gezielt auf die Belastungen beim Ötztaler vorbereitet und dafür unter anderem im Zelt genächtigt und unter simulierten Höhenbedingungen trainiert. Am Jaufenpass erwischte der Imster allerdings nicht seinen besten Moment. „Am Jaufen ging’s mir nicht so gut. Ich habe Jack dann auch nicht mehr gesehen“, erklärte Federspiel. Die Verfolgung aufzugeben, war für „Feder“ dennoch keine Option. Mit einer starken Abfahrt machte er wieder Zeit gut und arbeitete sich gemeinsam mit Toni Palzer in Richtung Spitze. Am Timmelsjoch wurde es noch einmal spannend. Federspiel kam Burke näher, doch der Kanadier konnte nochmals zulegen und setzte sich entscheidend ab. Mit 6:29:21,2 Stunden radelte Burke schließlich als Solist ins Ziel und unterbot die bisherige Bestmarke von Mathias Nothegger von 6:47:02,3 Stunden deutlich. Wie außergewöhnlich schnell das Rennen war, zeigte sich auch daran, dass gleich die ersten sechs Fahrer unter dem bisherigen Streckenrekord blieben. Für Federspiel war Rang zwei angesichts des Tempos alles andere als eine Niederlage. „Ich bin mit dem zweiten Platz voll zufrieden – vor allem mit dieser super Zeit. Gratulation an Jack“, zog der Oberländer zufrieden Bilanz.

Gänsehaut für Brugger. Einen ganz besonderen Tag erlebte auch Miguel Brugger. Der ehemalige Weltcuprodler aus dem Ötztal fuhr ein herausragendes Rennen und sicherte sich vor heimischem Publikum den dritten Platz. „Dritter Platz – unbeschreiblich! Gänsehaut pur. Schon entlang der Strecke hörte ich immer wieder meinen Namen. Mit so einer Zeit hätte ich nie und nimmer gerechnet“, strahlte Brugger im Ziel. Hinter dem Spitzentrio folgte der frühere Sieger Stefano Cecchini aus Italien. Toni Palzer (D) beendete seinen ersten Ötztaler Radmarathon auf Rang fünf. Der ehemalige WorldTour-Profi hatte am Jaufenpass selbst attackiert, musste für seinen offensiven Fahrstil später aber bezahlen.

Auch Meyer pulverisiert Rekord. Nicht nur bei den Herren fiel die bisherige Bestmarke. Bei den Damen war einmal mehr kein Kraut gegen Janine Meyer gewachsen. Die Deutsche bestimmte das Rennen trotz eines Sturzes in Innsbruck und sicherte sich zum vierten Mal in Folge den Sieg. Ihre eigene Bestzeit aus dem Vorjahr verbesserte sie dabei deutlich auf 7:15:46,2 Stunden. Eva Schien machte den deutschen Doppelsieg perfekt. Die Vorarlbergerin Melanie Geiger kämpfte sich am Timmelsjoch noch auf den dritten Rang nach vorne und wurde damit beste Österreicherin.
Ein Ötztaler für die Geschichtsbücher. Auch das Starterfeld setzte eine neue Bestmarke: Erstmals nahmen mehr als 400 Frauen den Ötztaler Radmarathon in Angriff. Mit 431 Starterinnen lag ihr Anteil erstmals bei mehr als zehn Prozent. Rekorde, Podestplätze für Tiroler Athleten und ein Rennen in einem bislang kaum für möglich gehaltenen Tempo – der Sieger kam auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h (!): Die 45. Auflage des Ötztaler Radmarathons bot also wieder einmal alles, was den Mythos dieses Rennens immer wieder ausmacht. Und auch entlang der Söldener Dorfstraße zeigte sich einmal mehr die besondere Atmosphäre des „Ötztalers“: Hunderte Menschen säumten die Strecke und feuerten die Radsportler auf den letzten Metern vor dem Ziel lautstark an. Für Jack Burke wurde der Tag schließlich auch abseits des Sports wohl unvergesslich. Nach seinem Rekordsieg machte der Kanadier seiner Freundin Melanie noch direkt im Ziel einen Heiratsantrag – und bekam unter großem Applaus ein lautes „JA!“. P. S.: Nach dem Ötztaler ist vor dem Ötztaler: Der nächste Ötztaler Radmarathon findet am 29. August 2027 statt.
Rekordjagd über vier Alpenpässe<br />
Der nächste Lorbeerkranz für Jack Burke und Janine Meyer. Foto: Ötztal Tourismus/Groder
Rekordjagd über vier Alpenpässe<br />
„Same place, same station“: Wie jedes Jahr werden in Sölden-Hof vom ersten bis zum letzten Teilnehmer alle mit kräftigem Glockengeläut der „Gurglar’s“ angefeuert – mittlerweile übrigens schon in zweiter Generation. Heuer hat man es sich dabei besonders gemütlich gemacht: Sonnenschutz und Klappstuhl sorgen für den nötigen Komfort. Und weil Anfeuern bekanntlich durstig macht, wird zwischendurch auch schon mal gerne das eine oder andere Schnäpschen an vorbeikommende Fans ausgeschenkt. Foto: Hablitzel

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