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Imst | Wirtschaft | 22. Feber 2022 | Manuel Matt

Ein Apfelbäumchen, das seine Schatten wirft

Ein Apfelbäumchen, das seine Schatten wirft
Damit sich’s Frau und Herr Gemeinderat besser vorstellen können, präsentierte Stadträtin Andrea Jäger zur jüngsten Sitzung ein kleines Modell des in der Innenstadt geplanten Decorona-Quartiers, das zwei L-förmige Gebäudeteile umfassen soll. RS-Foto: Matt
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Bebauungsplan und Flächenwidmung: Imster Gemeinderat ebnet den Weg für das Decorona-Projekt in der Innenstadt

Mit guten Absichten lässt sich zwar nur schlecht pflastern, sie vereinen aber. Auch den Imster Gemeinderat, wenn’s um das geplante Decorona-Quartiert geht. Einstimmig war die erste Entscheidung über Bebauungsplan und Widmung dennoch nicht – aber doch mehrheitlich dafür, gefallen nach zahlreichen Wortmeldungen.
Von Manuel Matt

Zu- und Umbauten von Wohnhäusern oder sogar deren Aufstockung: Nicht unwichtig, aber eben doch nur Peanuts an diesem Dienstagabend auf der Tagesordnung des Imster Gemeinderats. Zumindest relativ gesehen zum Decorona-Projekt, dessen Grundzüge Bauausschuss-Obmann Stefan Krismer erläutert: Mitten in der Innenstadt, zwischen Kramergasse und Mühlenweg, zwei L-förmige Baukörper mit einem Innenhof und einer Gesamtfläche von rund 3800 Quadratmetern, mit drei Untergeschossen zum Lagern und Parken, ein Erdgeschoss mit Handel, Gastronomie und Dienstleistung sowie ein erstes, zweites, drittes Ober- und letztlich auch das Dachgeschoss für Wohnzwecke. Dass es bei diesem Verwendungsschema bleibt, sollen Widmungen sicherstellen – und ein Bebauungsplan „konkrete Höhenbestimmungen in jedem Bereich“, die Fassadengestaltung und die Begrünung von Loggias. Die Zufahrtsmöglichkeiten seien geprüft worden, so Krismer, und das raumplanerische Gutachten sehe es insgesamt den Zielen im Raumordnungskonzept entsprechen und durch den Mix aus Wohnen und Wirtschaft als Beitrag zur innerstädtischen Belebung.

JA, ABER NOCH NICHT JETZT. Hoffnung hegt in dieser Hinsicht auch Stadträtin Andrea Jäger: „Auf den Impuls, den wir uns alle wünschen.“ Deshalb stehe ihre Fraktion dem Projekt auch „grundsätzlich positiv gegenüber“, so Jäger. Doch sehe sie auch ein „sehr großes Projekt“, das „richtungsweisend“ sein werde, auch beim Verkehr. Eine mögliche Fußgängerzone sei damit zwangsläufig ad acta gelegt, während ebenso Dichte und Architektur zum Maßstab werden würden. Sie ortet im Gemeinderat den „breiten Konsens“, dass etwas in der Innenstadt passieren müsse, aber qualitativ Hochwertiges, so Jäger. Deshalb brauche es einen Diskussionsprozess, „der auch Fachleute miteinbezieht“, wie etwa kostenlos und unverbindlich über das Land Tirol. Ein Projekt könne davon nur profitieren – und mit ihm die Innenstadt, sagt die Stadträtin und stellt den Antrag, den Beschluss  zu vertragen, unterschrieben von Gemeinderat Helmuth Knabl, Stadtrat Friedl Fillafer und ihrem Listenkollegen Helmut Gstrein: Um währenddessen offene Fragen zu klären, zu diskutieren und Rat einzuholen, vom Gestaltungsbeirat des Landes Tirol und der Abteilung für Dorferneuerung. „Das kostet nix“, erinnert daraufhin Fillafer – und ebenso an ein „Mega-Projekt“, das „im Prinzip“ schon ein „Hochhaus“ sei. Er stellt die Frage (und gleichzeitig einen Antrag), ob die Nachbarn auch informiert, aufgeklärt und miteinbezogen wurden. Sorgen bereitet das auch Knabl, „und für mich ist ganz klar, dass es eine Zufahrt von beiden Seiten brauchen wird“. Ein verkehrstechnisches Gutachten hält Gstrein für unerlässlich. Er zitiert ebenso aus einer Antwort des Raumplaners auf die Argumente seiner Fraktion. So sei das abzubrechende Decorona-Haus zwar nicht denkmalgeschützt, jedoch „grundsätzlich erhaltenswert“ und der Hinweis auf „massive Höhenunterschiede zwischen Vorhaben und bestehender Bebauung“ sei „korrekt“. Ebenso sei mehrfach darauf hingewiesen worden, dass mit zwei Nachbarn am Mühlenweg das Einvernehmen zu suchen sei, so der Raumplaner, der den Gang zum Gestaltungsbeirat befürworte.

JA, ABER WANN DENN DANN? „Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis“, scheint Bürgermeister Stefan Weirather wenig davon zu halten. Zu entscheiden, „das ist unser Job“ – und das bis zum 27. Februar. Die Kramergasse als Fußgängerzone sieht er nicht gestorben, aber auch nicht als „großen Wunsch“ der Bevölkerung.  „Froh sein“ darüber, dass ein Privater so viel Geld in die Hand nimmt, rät Josef Gomig, während auch Brigitte Flür ihr Ja für „ein wunderschönes Projekt“ ankündigt. Nach anfänglicher Skepsis sähe er nun ebenso die Chancen überwiegen, sagt Norbert Praxmarer. Ein ähnliches Urteil fällt Richard Aichwalder und lobt die Transparenz und Auskunft seitens Projektwerber. Ein paar Kleinigkeiten seien halt in Kauf zu nehmen, sagt Aichwalder: Wie bei einem Apfelbaum, da könne sich ein Mensch auch ob des geworfenen Schattens grämen. Ein wenig gehen die Meinungen dann noch hin und her, ehe Heinrich Gstrein den Stadtchef dazu auffordert, abstimmen zu lassen. Das Resultat nach etwas mehr als einer Stunde der Diskussion: 14 von 19 Stimmen sprechen sich gegen die eingebrachten Zusatzanträge aus – und gewähren dem Decorona-Projekt die Widmungsänderungen wie auch den Bebauungsplan.

AUF EIN WIEDERSEHEN. Mit den Mühlenweg-Nachbarn sei man bereits im Gespräch, sagt Michael Strobl von der hinter dem Decorona-Projekt stehenden Strobl Group, der die Kritik am „Drüberfahren“ und auch an der Bauhöhe nicht ganz gelten lassen will, werde doch nicht wesentlich höher gebaut, als es ein angrenzendes Gebäude schon ist. Eine schnelle Entscheidung sei derweil wegen den laufenden Gesprächen und Planungssicherheit notwendig gewesen – und der mehrheitliche Beschluss „ein wichtiges Signal der Breite“, schien doch niemand wirklich gegen das Projekt zu sein, unterstreicht Strobl. Thema wird das Decorona-Quartier übrigens auf jeden Fall noch einmal im Gemeinderat sein, erinnerte noch Stefan Krismer: Das wohl auch noch recht bald, gebe es doch schon eine Stellungnahme zum 20-Millionen-Euro-Projekt – und bis zum Ende der vierwöchigen Auflagefrist könnten es durchaus noch mehr werden.
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