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Imst | Wirtschaft | 11. April 2022 | Martin Grüneis

Ein Hauch von Silicon Valley in Tirol

Ein Hauch von Silicon Valley in Tirol
Leitet den neuen Dynatrace-Standort in Innsbruck: Andreas Doblander Foto: David Johansson
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Das an der New Yorker Börse notierte Unternehmen Dynatrace eröffnet in Innsbruck sein sechstes Österreich-Lab

Dynatrace avancierte mit der gleichnamigen Software zum Weltmarktführer. Zahlreiche weltbekannte Konzerne zählen zum Kundenstamm. Das technologische Herz des IT-Unternehmens schlägt aber in Österreich, wo es einst auch gegründet wurde. Mit der Eröffnung eines Standortes in Innsbruck möchte Dynatrace nunmehr IT-Fachkräfte aus dem Westen Österreichs sowie auch aus dem Süden Deutschlands und Norden Italiens ansprechen. Binnen vier Jahren sollen 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt werden – langfristig sollen es 150 werden. Mit Andreas Doblander konnte dafür ein Lab-Lead gewonnen werden, der Dynatrace praktisch seit den Gründungstagen kennt. Die RUNDSCHAU sprach nun mit dem IT-Spezialisten aus Tarrenz über Dynatrace und seine Rolle als Lab-Lead in Innsbruck.
Von Martin Grüneis

RUNDSCHAU: Herr Doblander, ganz allgemein: Was genau macht Dynatrace und welche Vorteile werden dem Kunden geboten?
Andreas Doblander: Kurz gesagt: Wir schaffen das „Computerbabysitting“ ab. Dynatrace ist ein sogenanntes „Software as a Service“-Produkt. Das bedeutet, dass wir Software in einem Abomodell anbieten. Mit unserer „Software Intelligence Plattform“ erhalten Kunden tiefe Einblicke in ihre eigene IT-Umgebung. Installiert man Dynatrace, so müssen die Systemadministratoren nicht ständig darauf achten, wie es ihrer eigenen Software geht. Dynatrace erkennt auftretende Probleme oder Sicherheitslücken und reagiert automatisch darauf. Software- bzw. IT-Experten werden ein Stück weit von den Routinetätigkeiten befreit und können sich somit vielmehr auf ihre kreativen Fähigkeiten konzentrieren – also auf das, was eigentlich das Geschäft ausmacht. Eines unserer großen Alleinstellungsmerkmale: Dynatrace lässt sich ganz einfach installieren. Man braucht sich nur auf der Website registrieren, bekommt dann einen Account und nach der Installation einer Software wird automatisch erkannt, wie die IT-Infrastruktur der Kunden ausschaut. Alle Prozesse bzw. Teile der Anwendung werden dann überwacht. 

RS: Wer sind die Kunden von Dynatrace?
Doblander: Jeder, der heutzutage irgendwie in einem digitalen Prozess mit Kunden interagiert, benötigtSoftware. Sei es im Verkauf, der Logistikkette und so weiter – auch Produktionsunternehmen investieren vermehrt in Software. Zu unseren Kunden zählen vor allem sehr große Unternehmen aus der Automobilbranche, Banken und Versicherungen, die Modebranche, Pharma-Konzerne, die NASA sowie Regierungen und Behörden weltweit. Typischerweise sind es zwar große Unternehmen, aber durchaus auch kleine können von Dynatrace profitieren.

RS: Wie groß ist die Konkurrenz?
Doblander: Der Markt ist stark umkämpft. Wir sind von „Gartner“ und anderen Analysten in den letzten Jahren aber immer wieder zum Marktführer gekürt worden. Es gibt aber genug Unternehmen, die uns den Platz an der Sonne streitig machen wollen.

RS: Dynatrace gründet in Tirol den sechsten Standort in Österreich – mit welchen Aufgaben wird sich das Team in Innsbruck befassen?
Doblander: Der Schwerpunkt liegt auf „Cloud Automation“. „Cloud Automation“ stellt sicher, dass neue Services oder Aktualisierungen in Web-Shops, Buchungs- und Reservierungsplattformen, Banking-, Medizin-, Gesundheits- oder E-Government-Apps von Anfang an fehlerfrei laufen – und das völlig automatisiert, im Bedarfsfall etappenweise und in unerreichter Geschwindigkeit. Unser Anspruch ist es, unseren Kunden zu ermöglichen, dass ihre Software perfekt funktioniert. Perfektion ist natürlich immer schwierig zu erreichen, aber wir sind es gewohnt, mit schwierigen Sachen umzugehen.

RS: Wie schwer ist es, passende Fachkräfte zu finden?
Doblander: Wie viele wissen dürften, übersteigt in der IT-Branche der Bedarf das Angebot am Markt. Wir haben aber den Vorteil, dass wir über ein sehr starkes Produkt und interessante Experten im Haus verfügen. Für Entwickler ist es oft wichtig, dass im Unternehmen Leute arbeiten, von denen man viel lernen kann. Der Silicon-Valley-Charakter des Unternehmens in Verbindung mit der schönen Naturlandschaft und dem Freizeitangebot in Tirol ist ebenso besonders. Man muss also nicht unbedingt ins Silicon Valley ziehen, um in einem dementsprechenden Unternehmen arbeiten zu können. Mit dem IT-Kolleg in Imst, der HTL in Innsbruck, zwei Fachhochschulen und der Universität Innsbruck gibt es außerdem super Ausbildungseinrichtungen in der näheren Umgebung, die hochqualifizierte Fachkräfte ausbilden. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass vor allem Fachkräfte aus der Uni und den Fachhochschulen ins Ausland gegangen sind. Wir glauben, dass wir sehr stark einen Impuls setzen, dass Leute vor Ort auf höchstem Niveau Software Engineering betreiben können.

RS: Wie sieht es bei Dynatrace mit der internen Aus- und Weiterbildung aus?
Doblander: Wir bieten ein umfangreiches internes Ausbildungsprogramm, das die Leute selber On-Demand machen können. Die Trainings können also je nach eigenem aktuellen Bedarf absolviert werden. Zudem veranstalten wir Innovationstage an einzelnen Standorten und auch weltweit übergreifend. Es ist uns äußerst wichtig, unsere Mitarbeiter zu motivieren – fühlt man sich nicht wohl, so ist es schwierig gute Qualität abzuliefern. Wir geben ihnen genug Zeit, um Sachen auszuprobieren um sich in neuen Technologien fit zu halten. Wir haben Formate wie zum Beispiel „Developer for Developer“, wo Engineers aus unterschiedlichen Bereichen weltweit ihre Erkenntnisse präsentieren. Wir versuchen sehr intensiv übergreifend zu arbeiten. 

RS: Was sind ihre Aufgaben als Lab-Lead?
Doblander: Als Lab-Lead bin ich dafür verantwortlich, dass der Standort gut funktioniert. Ich achte also darauf, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen, genügend Arbeitsplätze und die richtige Ausstattung vorhanden sind, Kooperationen mit Universitäten vorangetrieben werden, die Bekanntheit gesteigert wird und die Öffentlichkeit über unser Unternehmen informiert wird. Ganz wichtig ist auch die internationale Vernetzung. Es finden wöchentliche Abstimmungen mit den anderen Lab-Leads, zum Beispiel aus Barcelona, Danzig oder Tallinn, statt. Ich bin aber nicht nur Lab-Lead, sondern auch Development Director, also für das Einstellen neuer Leute und das Strukturieren der Teams verantwortlich.

Über Doblander. Nach der Volksschule Tarrenz besuchte Andreas Doblander die Unter- und Oberstufe des Bundesrealgymnasiums in Imst. Dort kam er eines Tages mit Transistor in Berührung und aus dem Drang heraus, eben diese Technik verstehen zu wollen, absolvierte er das Diplomstudium Elektrotechnik und Informationstechnik an der Technischen Universität Graz. Nachdem er den Diplom-Ingenieur abgeschlossen hatte, ergab sich für Doblander die Möglichkeit, bei einem Forschungsprojekt der TU Graz in Kooperation mit dem heutigen AIT Seibersdorf (damals ARC Seibersdorf) mitzuwirken. Nach dem Doktor in technischer Informatik ging Doblander zurück nach Tirol, wo er zunächst beim ARZ (Allgemeines Rechenzentrum) arbeitete. Dort kam Doblander schließlich das erste Mal mit Dynatrace in Berührung.

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