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„Jeder Wassertropfen wird viermal genutzt“

Ausbau Kraftwerk Kaunertal: Wasserversorgung im Ötztal sei laut Tiwag nachhaltig gesichert

Tirol möchte in Zukunft unabhängig von fossilen Energieträgern sein. Die Tiwag habe von der Landesregierung den Auftrag erhalten, bis 2036 zwei zusätzliche Terawattstunden Strom aus Wasserkraft zu produzieren. Eine wichtige Rolle würde dabei der Ausbau des Kraftwerkes Kaunertal spielen. Der Landesenergieversorger sieht sich jedoch mit (massivem) Widerstand konfrontiert. Die Tiwag möchte daher die Bevölkerung in den betroffenen Gemeinden verstärkt über das Vorhaben informieren und so sachliche Diskussionen herbeiführen.

Martin Grüneis
25. Juli 2023
„Jeder Wassertropfen wird viermal genutzt“<br />
Für Tiwag-Vorstand Alexander Speckle und Projektleiter Wolfgang Stroppa (v.r.) stellt der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal einen wichtigen Baustein für das Gelingen der Tiroler Energiewende dar. RS-Foto: Grüneis
Von Martin Grüneis

Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung werden ernst genommen, versichert Tiwag-Vorstand Alexander Speckle. Er ist sich sicher, dass im Grunde alle dasselbe wollen würden – nämlich eine nachhaltige Basis für die Zukunft des Landes. „Für die Energiewende benötigen wir alle erneuerbaren Energien. Nur im Zusammenspiel von Wasser-, Sonnen- und Windenergie sowie Biomasse können wir in den nächsten 25 Jahren die erforderliche elektrische Energie für die Raumwärme, für unsere Mobilität, für unsere Unternehmen und die Tiroler Bevölkerung erzeugen“, erklärt Speckle. Die Erweiterung des Kraftwerks Kaunertal würde hierbei einen Meilenstein darstellen: 886 Gigawattstunden zusätzlich könnten durch die Kraftwerksgruppe erzeugt werden – der Auftrag des Landes, bis 2036 zwei weitere Terawattstunden Strom aus Wasserkraft zu produzieren, wäre damit beinahe zur Hälfte erfüllt. Das Projekt könne außerdem dabei helfen, den Strompreis auch in Zukunft niedrig zu halten. Tiwag-Vorstand Speckle betont, dass man gemeinsam mit den Illwerken (Vorarlberg) den günstigsten Strompreis in Österreich anbiete – bis vor Kurzem waren es noch rund 8 Cent und seit 24. Juli 15,7 Cent (bei Unterzeichnung des neuen Vertrags). Dies sei nur dank der hohen Eigenständigkeit möglich, für die sich bereits unsere Vorfahren eingesetzt haben. Die Tirolerinnen und Tiroler würden zudem davon profitieren, dass die Tiwag die Wertschöpfung im Land investiert, lässt Speckle wissen.

WASSERVERSORGUNG FÜR DAS ÖTZTAL SEI GESICHERT.  Bei Obergurgl und Vent sind Wasserfassungen vorgesehen. Das Wasser wird vom Ötztal in den bestehenden Speicher Gepatsch übergeleitet. Die Sorgen der Ötztaler betreffend der Wasserversorgung im Tal seien berechtigt, aber unbegründet, versichert Projektleiter Wolfgang Stroppa. Als „schlichtweg falsch“ bezeichnet er die Aussagen, wonach 80 Prozent des Wassers aus dem Ötztal abgeleitet werden – dies werde zu keinem Zeitpunkt der Fall sein. Die örtliche Wasserversorgung habe Vorrang und sei rechtlich abgesichert. Dem Ötztal steht zudem eine Vorbehaltsmenge von 100 Sekundenlitern Trink- und Brauchwasser zu. Zwischen 15. Dezember und 15. April werde gar kein Tropfen entnommen, lässt Stroppa wissen. Darüber hinaus werde der Hochwasserschutz für das Ötztal verbessert, denn die speziell konzipierten Wasserfassungen an der Gurgler und Venter Ache haben den Zusatznutzen, bei Hochwassersituationen ausreichend Wasser garantiert abzuleiten. Die Staumauern seien außerdem 15 und nicht 25 Meter hoch, wie manche behaupten würden.

SPEICHER FÜR DIE ENERGIE DER ZUKUNFT. Durch die Verwendung der bestehenden Infrastruktur des Gepatschspeichers könnten außerdem der Flächenverbrauch und die Baumaßnahmen minimiert werden, zum Beispiel brauche es keine neuen Stromleitungen. Neu errichtet werden allerdings der Speicher Platzertal und ein Pumpspeicherkraftwerk beim Gepatschspeicher. Dieses hat den Vorteil, dass es rasch Energie zur Verfügung stellen kann, wenn der Verbrauch hoch ist. Somit kann es auch dabei helfen, das Netz zu stabilisieren. Wenn die Nachfrage zurückgeht bzw. zu viel Sonnen- oder Windenergie im Netz ist, kann das Wasser nach oben gepumpt werden. Alle anderen Technologien zur Speicherung von Energie seien wesentlich schlechter, ist sich Wolfgang Stroppa sicher. Der Kraftwerksverbund vom Pumpspeicherkraftwerk Versetz im Kaunertal über das Kraftwerk Prutz inklusive des neu zu errichtenden Kraftwerks Prutz 2 und die beiden Kraftwerke Imst sowie Imst 2 (welches ebenfalls neu errichtet wird) bis zum neuen Kraftwerk Imst-Haiming (hier soll, falls der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal erfolgt, eine dritte Turbine eingebaut werden)  ermöglichen die viermalige Nutzung ein- und desselben Tropen Wassers zur Stromerzeugung. In den nächsten Monaten wolle die Tiwag die Bevölkerung in den Bezirken Imst und Landeck umfassend über das Projekt informieren. „Das Projekt wird nur bewilligt, wenn es umweltverträglich ist“, so Tiwag-Vorstand Alexander Speckle.

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