Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Wirtschaft | 29. März 2021 | Manuel Matt

Kiosk-Rückkehr und enttäuschte Jugendliche

Kiosk-Rückkehr und enttäuschte Jugendliche
Mit den Arbeiten zur Wiedereröffnung von Kiosk und Warteraum am Imster Postplatz verschwindet die bisher linksgelegene Ecke – zuvor beliebter Treffpunkt der Jugend. RS-Foto: Matt
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Imster Postplatz: Sanierung von Kiosk und Warteraum samt barrierefreier WC-Anlagen, „dunkle Ecke“ verschwindet

Für und mit dem neuen Pächter wird am Imster Postplatz momentan der schon seit geraumer Zeit leerstehende Kiosk von der Stadtgemeinde saniert. Wenig glücklich zeigen sich darüber jene Jugendlichen, die letzten Sommer über mit viel Eifer das Areal verschönert haben – und nun einen beliebten Treffpunkt verloren sehen.
Von Samira Schlatter und Manuel Matt

Seit dem Tod des einstigen Pächters sind sie fest verschlossen, die Türen des Kiosks am Imster Postplatz. Ein Thema war’s aber immer wieder im Gemeinderat – und gemeinsam mit einem neuen Pächter wird nun das Gebäude wieder hergerichtet, lässt Bürgermeister Stefan Weirather wissen: „Umgebaut werden im Inneren auch die WC-Anlagen, die künftig barrierefrei sein werden.“
Unmut. „Nach außen gekehrt“ werde mit den Bauarbeiten auch die bisher linksgelegene, „dunkle Ecke“, informiert Weirather: „Da kommt dann im Prinzip der Kiosk rein. Der Rest bleibt Wartehalle für jene, die mit dem Postbus ankommen oder weiterfahren möchten.“ Durchaus enttäuscht zeigt sich darüber die Imster Jugend. So meinen etwa zwei Jugendliche, die ungenannt bleiben möchten, zur RUNDSCHAU: „Die Ecke war uns eigentlich sehr wichtig. Immerhin haben dort viele auch ihre Freunde kennengelernt und viel gutes miteinander erlebt.“ Dass dieser Treffpunkt nunmehr der Vergangenheit angehört, sei „einfach schade“, meinen beide – auch, weil im vergangenen Sommer gemeinsam mit anderen Jugendlichen und Betreuern des Imster Jugendzentrums viel Arbeit investiert worden sei, um den Platz zu verschönern. So wurden beispielsweise unschöne Schmierereien entfernt und die alten Bänke aufgemöbelt, verbunden mit Reinigungsarbeiten und Schaffung eines farbenfrohen Kunstwerks unter Anleitung des Graffiti-Künstlers Rene Prüfer.

GEWUSST? Vorbeigeschaut und die Jugendlichen für ihren Tatendrang gelobt haben damals auch der Bürgermeister und einige Mitglieder des Gemeinderats. Wohl auch ein Grund für Unverständnis, doch dass das momentane Vorgehen „ohne Vorwarnung“ passiert sei, wie die beiden Jugendlichen kritisieren, will Weirather so nicht stehen lassen: „Wir haben’s mit Jugendzentrumsleiter Philipp Scheiring andiskutiert. Er hat gewusst, dass es in diese Richtung geht.“ Zur Zeit des Projekts „haben wir aber überhaupt nichts von einem Kiosk gewusst“, erklärt hingegen Scheiring: „Erst Monate später habe ich von jemanden, aber nicht dem Imster Bürgermeister, erfahren, dass es Interessenten für den Kiosk gibt.“ Deshalb sei die Entscheidung gefallen, gemeinsam mit dem Integrationsbüro und dem Gemeinwohl-Projekt „Miteinand in Imst“ eine Bewerbung hinsichtlich der Etablierung eines Stadtteilzentrums inklusive Stützpunkt für die Mobile Jugendarbeit einzubringen, so der Leiter des Imster Jugendzentrums: „Da hat’s dann ein Gespräch mit dem Bürgermeister gegeben – und an diesem Tag wurden wir informiert, dass es eben zwei Interessenten für den Kiosk gebe und auch der Zuschlag erteilt werden würde, sofern die Auflagen erfüllt werden.“ Hinsichtlich der Postplatz-Pläne möchte er der Stadtgemeinde aber nicht den „Schwarzen Peter“ zuschieben, sagt Scheiring: „Vielleicht war’s ein Kommunikationsproblem, vielleicht auch ein Missverständnis.“ Traurig sei es auf jeden Fall für die Jugend, war die Postplatz-Ecke doch stets ein beliebter Treffpunkt und würden den Jugendlichen solche „konsumfreien Räume immer wieder abhanden kommen und fehlen“, schließt der Leiter des Jugendzentrums.

„ARMUTSZEUGNIS“. Mit deutlicheren Worten meldete sich der sozialdemokratische Gemeinderat Richard Aichwalder bei der RUNDSCHAU: Das städtische Vorgehen am Postplatz gleiche einem „Armutszeugnis“ und sei obendrein als „Schlag in die Magengrube“ jener Jugendlichen zu werten, die sich im Sommer ins Zeug gelegt haben. Einen Kiosk brauche es nicht, so Aichwalder, seien doch ein Bistro und eine Pizzeria in unmittelbarer Nähe. Die Befürchtung aber, dass im Kiosk künftig Alkohol und Zigaretten verkauftet werden, kann der Bürgermeister entkräften: Dem werde nicht so sein.

WIEDERVERWENDUNG. Gänzlich umsonst dürfte die jugendliche Sommer-Aktion aber nicht gewesen sein. Auf seinen Geheiß hin wurde das Graffiti-Kunstwerk von Mitarbeitern des Bauhofs so abgehängt, dass es irgendwo anders ein neues Plätzchen finde könnte, teilt der Bürgermeister mit. Ein zweites Leben ist derweil bereits den verschönerten Bänken beschienen: Sie wurden in Kombination mit alten Badewannen zu neuen, schicken Sitzgelegenheiten, erzählt Scheiring. Die Kosten für die Arbeiten am Postplatz treffen die Stadt nebenbei erwähnt nur zu einem Teil – partiell für notwendige Arbeiten am stadteigenen Gebäude und „hauptsächlich, was die WC-Anlagen betrifft“, wobei insgesamt 40.000 bis 50.000 Euro budgetiert seien, verrät Weirather: „Den Rest übernimmt an sich der Pächter“, dessen Pacht die Übernahme der Betriebskosten wie auch das Sorgetragen für die Reinigung der WC-Anlage darstelle. Zu rechnen ist mit der Kiosk-Eröffnung schlussendlich bis zum Schulstart im Herbst.
Kiosk-Rückkehr und enttäuschte Jugendliche
Im letzten Sommer arbeiteten die Jugendlichen noch an der Verschönerung des Postplatzes – inklusive Reinigung, Schmiererei-Entfernung, Wiederaufbereitung von alten Bänken und Graffiti-KunstRS-Foto: Matt
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