Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
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Neue Pläne am Pitztaler Gletscher

Nach gescheitertem Zusammenschluss soll nun neue Bahn und Photovoltaik-Ausbau kommen

Nach dem Aus für die Gletscher-Ehe gibt es neue Pläne im Pitztal. Die Pitztaler Gletscherbahn will nun „die nächsten Schritte für eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Zukunft“ setzen. Im Zentrum stehen dabei die Erhöhung der Aufenthaltsdauer der Gäste durch eine weitere Attraktivierung der Angebote sowie der Ausbau der Energieautonomie des Skigebiets durch die Erweiterung der bestehenden Photovoltaik-Anlage. Kritik kommt von den Grünen und von der Bürgerinitiative Feldring.
21. Feber 2023 | von Markus Wechner
Neue Pläne am Pitztaler Gletscher<br />
Am Pitztaler Gletscher soll die Stromversorgung mittels Photovoltaik-Anlagen ausgebaut werden. Foto: Julia Brunner
Die Pitztaler Gletscherbahn verpflichtet sich weiterhin der nachhaltigen Entwicklung des Skigebiets. So soll die 2015 errichtete Photovoltaik-Anlage erweitert werden. Gegenwärtig werden jährlich durchschnittlich 1,4 Mio. Kilowattstunden Strom aus Sonnenenergie gewonnen. Dies deckt den gesamten Energiebedarf im Sommerbetrieb sowie rund ein Drittel des Energiebedarfs während des Skibetriebs von Oktober bis Mai ab. Mit der Erweiterung der bestehenden Anlage soll die Eigen-Energieproduktion auf zwei Drittel des Gesamtbedarfs gesteigert werden. Zusammen mit den bestehenden Energie-Einsparungsmaßnahmen beim laufenden Bahnbetrieb, der Beschneiung und der Pistenpräparierung will die Pitztaler Gletscherbahn damit Maßnahmen rund um Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Energieautonomie setzen. Die Pläne für die Erweiterung der Photovoltaik-Anlage stehen kurz vor der Einreichung bei den zuständigen Behörden.

ATTRAKTIVIERUNG. Um neben der sozialen und der ökologischen Entwicklung auch die wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung zu sichern, will die Pitztaler Gletscherbahn auf Attraktivität und Qualität ihres Angebotes setzen, anstatt auf Quantität zu bauen. Hierzu ist nun die neue Fernerjochbahn geplant, um das bestehende Angebot am Pitztaler Gletscher zu ergänzen und dazu beizutragen, dass die Aufenthaltsdauer der Gäste und damit die Wertschöpfung in der Region mittel- und langfristig steigt, wie Beate Rubatscher-Larcher, Geschäftsführerin der Pitztaler Gletscherbahn, erklärt: „Der Pitztaler Gletscher ist das kleinste Gletscherskigebiet Tirols. Aufgrund der Höhenlage können wir von Oktober bis Mai Skisport anbieten. Mit der neuen Fernerjochbahn erreichen wir eine schon seit langem notwendige Qualitätsverbesserung, um die durchschnittliche Verweildauer zu erhöhen, neue Gästeschichten anzusprechen und letztlich den Betrieb nachhaltig zu sichern.“ Aktuell sind 3-Tagestickets die am häufigsten genutzte Kartenart. Durch die neue Bahn und die damit einhergehende Qualitätsverbesserung des Skigebietsangebotes soll die Durchschnittsaufenthaltsdauer auf sechs Tage gesteigert werden. Die neue Fernerjochbahn soll nahe der Talstation der Gletscherseebahn (2.490 Meter) über eine Länge von rund 1.700 Metern auf das Joch unterhalb des Linken Fernerkogels (3.170 Meter) führen. Von dort können Skigäste entweder über den Karlesferner oder über den Mittelbergferner wieder zurück zum Ausgangspunkt oder zur Talstation der Gletscherseebahn abfahren. Sämtliche Anlagen der geplanten Bahn würden innerhalb des freigegebenen Skinutzungsraums und im nicht-vergletscherten Bereich liegen. Wie schon bei der Zubringerbahn „Gletscherexpress“ sollen auch bei der neuen Fernerjochbahn ein schonender Umgang mit Ressourcen und maximale Energieeffizienz im Zentrum der Planungen stehen.  Die Fernerjochbahn soll mit Doppelseilführung realisiert werden und kommt mit nur zwei Stützen aus. Für die Stromversorgung brauche es keine Grabungsarbeiten, die Stromzufuhr erfolgt direkt über die Seile der Bahn. Die bei der Talfahrt entstehende Bremsenergie wird in den Energiekreislauf rückgeführt. Die geschätzten Investitionskosten liegen bei ungefähr 20 Mio. Euro und werden gänzlich von der „Pitztaler Gletscherbahn GmbH & Co KG“ getragen. Die Pläne für die Fernerjochbahn wurden kürzlich bei den zuständigen Behörden im Amt der Tiroler Landesregierung eingereicht. Die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage sowie einer neuen Seilbahn ist auch am Kaunertaler Gletscher geplant. Dort sollen sich die Kosten auf 25 Mio. Euro belaufen.

KRITIK. Ganz ohne Kritik kommt dieses Vorhaben jedoch nicht aus. Die Tiroler Grünen bezeichnen die Idee als „Wilde Gletscherehe“, da der neue Lift bis „100 Meter Luftlinie vor seinem Ötztaler Pendant“ reichen wird. Klubobmann Gebi Mair vermutet, dass es hier noch weitergehen wird: „Wer glaubt, dass dort dauerhaft Schluss sein wird, der glaubt wahrscheinlich auch ans Christkind.“ In dieselbe Kerbe schlägt Gerd Estermann von der Bürgerinitiative Feldring. Er bemängelt, dass Frau Rubatscher noch vor einem halben Jahr davon sprach, das Vorhaben der Gletscherehe nicht weiter zu verfolgen. „Jetzt möchte sie den Bürgern und der Landesregierung das Projekt in kleinen Häppchen schmackhaft machen“, so Estermann.

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