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Imst | Wirtschaft | 18. Mai 2021 | Manuel Matt

Was kaum oder nur teuer zu bekommen ist

Was kaum oder nur teuer zu bekommen ist
Volle Auftragsbücher, aber branchenweite Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Baumaterial: Die Gründe dafür erklärt Josef „Joe“ Huber, Obmann der Imster Wirtschaftskammer und Geschäftsführer eines heimischen Bauunternehmens. RS-Foto: Matt
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Preissteigerungen und Lieferengpässe bei Baustoffen: Josef „Joe“ Huber im RS-Gespräch

Es bleibt weiter eine Zeit mit Herausforderungen in vielerlei Hinsicht – auch für die Bauwirtschaft, die mit saftig gestiegenen Preisen bei dringend benötigten Rohstoffen zu kämpfen hat. „Wenn man überhaupt etwas bekommt“, ergänzt Josef „Joe“ Huber, der es wissen muss: Ist der Obmann der Imster Wirtschaftskammer doch ebenso Geschäftsführer einer heimischen Baufirma, die auch den Handel mit Baustoffen zu ihren Standbeinen zählt. Bei ihm erkundigte sich die RUNDSCHAU nach dem Stand der Dinge – und auch, was die Situation für private Häuslbauer bedeutet.
Als das vergangene Jahr zu Ende ging, „da hat noch niemand gewusst, wie’s weitergehen wird“, erinnert sich Josef „Joe“ Huber. Umso erfreulicher für die Bauwirtschaft sei nun die starke Auslastung: „Die Auftragsbücher sind voll, auch dank der Investitionsprämie des Bundes“, lässt der Geschäftsführer einer Baufirma mit Sitz in der Imster Industriezone wissen.

SORGENVOLL, ABER DOCH OPTIMISTISCH. Das mag ja fast schon nach Wonne und Sonnenschein klingen, doch lässt sich eben nicht auf Luft und Liebe bauen. Dafür braucht’s freilich handfestere Materialien, wie etwa Stahl, Holz oder auch Dämmstoffe. „Kernprodukte in der Bauwirtschaft“ nennt das der Fachmann, deren Preis in jüngerer Zeit allerdings exorbitant angestiegen ist. „Wenn man überhaupt etwas bekommt“, seufzt Huber und betont „absolute Hochachtung“ vor den Einkäufern, die momentan „höchst gefordert“ seien, würden mit der Knappheit an Rohstoffen doch auch Preissteigerungen und Lieferengpässe bei weiterverarbeiteten Produkten einhergehen. Das macht viele Sorgen, gesteht der Geschäftsführer der Baufirma, die auch den Handel mit Baustoffen zu ihrem Geschäftsfeld zählt: „Selbst wenn Unternehmer in der Regel doch Optimisten sind.“

DES PUDELS KERN. Die Gründe für das Dilemma seien manchmal nachvollziehbar – und manchmal eben nicht: „Erklärt wird’s uns mit diversen Engpässen bei der Beschaffung der Rohstoffe, die benötigt werden für die Herstellung der Produkte, die wir brauchen“, sagt Huber: „Beim Holz heißt’s, der fällbereite Bestand sei zu klein. Beim Eisen wird erklärt, dass der Schrott nach Asien verkauft wird – und bei den Dämmstoffen gibt’s die Begründung, dass die benötigten Abfallprodukte aus der Rohöl-Industrie fehlen würden.“ Vielleicht habe aber auch „da und dort“ der Glaube gefehlt, „dass die Wirtschaft in einem derartigen Ausmaß weiterläuft“, vermutet der Geschäftsführer. So sei aus Skepsis, aus „kaufmännischer Vorsicht“ und wohl auch aufgrund von pandemischen Begleiterscheinungen wie der Kurzarbeit vermutlich die Produktion gedrosselt und verabsäumt worden, entsprechende Lagerhaltung zu betreiben. „Da muss man auch Verständnis haben“, sagt Huber. Entsprechende Auswirkungen hat’s trotzdem, können Händler doch so weder Preis noch zeitgerechte Lieferung garantieren. Die Frage werde so sein: „Bau’ ich überhaupt noch, wenn die Preise momentan nicht wirklich kalkulierbar sind – und wenn ja, in welcher Form? Das sind natürlich die Überlegungen, die Kunden aktuell anstellen“, erklärt Huber. Bauherren rät er dennoch, sich nicht abhalten zu lassen: Zwar habe es eine solche Situation in derartiger Form noch nie gegeben, doch traten Preissteigerungen und Lieferengpässe in der Vergangenheit immer wieder in Erscheinung. „Das hat’s schon öfter gegeben, speziell beim Stahl“, klärt Huber auf, der von einer baldigen Steigerung der Produktionskapazität und daraus resultierender Beruhigung des Marktes ausgeht. „Mein persönliche Hoffnung ist, dass sich das in zwei, drei Monaten wieder legt.“ Dann würden die Kosten zumindest zur Kalkulierbarkeit zurückkehren, „wenn die Preise auch sicher nicht das niedrige Niveau erreichen, auf dem sie gewesen sind“, meint der Branchenkenner, der lobende Worte für die Investitionsprämie findet und für ein Weiterlaufen über den Mai hinaus plädiert: „Das hat gut eingeschlagen und war für den Staat schnell zurückverdientes Geld.“ Durchaus heikel zeigen sich derweil viele, bereits abgeschlossene Verträge – wegen der sonst üblichen Fixpreisgarantie. Für viele Unternehmer könnte das zur Existenzfrage werden, warnt Huber, stellen die Preise für Baumaterial doch neben dem Arbeitsaufwand den Löwenanteil bei den Baukosten dar: „Da lässt sich nur auf Verständnis seitens des Auftraggebers hoffen. “
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