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Beitrag zum bedingungslosen „Nie wieder“

Zammer NS-Euthanasieopfer Mathilde Tschom ist ein Roman gewidmet

Eine taubstumme Frau, die in Zams aufgewachsen ist, wurde 1940 in der NS-Tötungsanstalt Hartheim ermordet. Dank der Autorin und ihrer Verwandten Alexandra Gusetti ist sie nun Hauptdarstellerin eines Romans: Mathilde Tschom.
3. März 2026 | von Daniel Haueis
Beitrag zum bedingungslosen „Nie wieder“
Alexandra Gusetti behält Mathilde Tschom, Opfer der NS-Euthanasie aus Zams, literarisch in Erinnerung. Foto: Zoe Goldstein I Fotografie
„Ich wache auf und sehe Mathilde. Ich treffe mich mit Freunden, Mathilde begleitet mich. Ich gehe raus, arbeite, lebe, schlafe, wache, träume und treffe Mathilde. Sie ist stets zugegen“ – so beginnt der Roman „Mit Mathilde“ von Alexandra Gusetti. Die Oberösterreicherin ist bei einem Besuch von Schloss Hartheim auf ihre Großtante Mathilde Tschom gestoßen, die 1940 in dieser Tötungsanstalt der Nationalsozialisten umgebracht wurde. Die Philosophin und Kulturwissenschafterin hat Mathilde nicht mehr losgelassen: Das seit dem fünften Lebensjahr gehörlose Mädchen aus Zams wächst mit ihren Geschwistern um 1900 wohlbehütet im Dorf auf. Ein für die Zeit ungewöhnlich fortschrittliches Elternhaus bietet ausreichend Schutz und Fürsorge (ihr Vater war Josef Tschom, der erste Obmann der SPÖ im Bezirk Landeck). Durch die Wirren der 1920er-Jahre, familiäre und existenzielle Not wechselt die Familie nach Salzburg, Mathilde strandet in der psychiatrischen Anstalt Hall und später im St. Josef-Institut Mils. Mit 66 weiteren Männern, Frauen und Kindern wird sie im Dezember 1940 nach Hartheim deportiert und ermordet.

ROMAN – MIT FAKTEN. Gusetti hat recherchiert, Krankenakten durchgesehen, etwa das Eintreffen der 30-jährigen Mathilde in der Psychiatrie: „Hall, Tirol, 30. November 1920: Ist in Begleitung der Mutter gekommen. Keine Verletzungen. Nur eine Laus gehabt. War bei der Aufnahme ruhig. Verabschiedete sich ganz nett von der Mutter.“ Der aus dem Oberland stammende His­toriker Mag. Dr. Oliver Seifert vom Archiv des Landeskrankenhauses Hall hat die Autorin fachlich und emotional unterstützt. Aber es wurde kein historisches Werk, sondern ein Roman – Gusetti erinnert sich an Erzählungen in ihrer Familie, begibt sich zurück in die Vergangenheit und stellt sich das Leben damals vor. Über Zeitferne hinweg entsteht ein feiner, sensibler Dialog über Liebe, Verbundenheit, Hilflosigkeit – sowie über die Erschütterung, wozu Menschen fähig sind, wie es im Klappentext des im Verlag „Bibliothek der Provinz“ erschienenen Buches heißt. Am Ende kann nur eines stehen, eine Hoffnung: „Ich hoffe, dass dieser Roman ein kleiner Beitrag zu einem bedingungslosen Nie wieder ist“, wie Alexandra Gusetti schreibt.

BUCHPRÄSENTATION IN ZAMS. „Mit Mathilde“ wurde am 25. November im Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim präsentiert – nun folgt die Vorstellung in der Heimat des NS-Euthanasieopfers: Der Roman wird am 11. März um 19 Uhr im Riefengebäude in Zams präsentiert. Autorin Dr. Alexandra Gusetti liest aus dem Werk, der Landecker His­toriker Manfred Jenewein beleuchtet den historischen Hintergrund in Zams, Hall und Mils. Es ist auch Zeit für Gespräche. „Diesen Abend widmen wir Mathilde, einer vergessenen Zammerin, um ihr ein Stück Würde und einen Platz in ihrer Heimat zurückzugeben“, lädt KuKu, die Kunst- & Kulturinitiative der Gemeinde Zams, ein.


Bibliografisches
Alexandra Gusetti: „Mit Mathilde“, Roman, ISBN: 978-3-99126-392-0, 136 Seiten, m. Abb., fadengeheftetes Hardcover, 20 Euro.
Beitrag zum bedingungslosen „Nie wieder“
„Mit Mathilde“ wird am 11. März in Zams vorgestellt. Cover: Verlag Bibliothek der Provinz

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