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Eine Frau gibt den Ton an

Prutz: Tiefenbacher-Schauer leitet seit 1995 Männerchor

Wenn Manuela Tiefenbacher-Schauer zum Taktstock greift, folgen ihr 17 Männer. Seit 1995 leitet sie die Prutzer Sängerrunde und ist damit eine der wenigen Frauen in Tirol, die einen Männerchor führen. Für ihr 30-jähriges Wirken wurde sie in Prutz im Rahmen des „Fest der Vereine und Gemeinde“ ausgezeichnet.
24. Juni 2025 | von Daniel Haueis
Eine Frau gibt den Ton an
Chorleiterin Manuela Tiefenbacher-Schauer wurde beim „Fest der Vereine und Gemeinde 2025“ in Prutz gemeinsam mit Chormitglied Peter Wassermann für 30 Jahre Engagement ausgezeichnet. Im Bild auch Obmann Daniel Mungenast (r.) Foto: Tiefenbacher
Die Geschichte beginnt mit einem musikalischen Notfall: Als der damalige Chorleiter 1995 überraschend zurücktrat, stand der Männerchor kurz vor einem wichtigen Auftritt ohne Leitung da. Otto Wassermann, langjähriges Chormitglied, schlug Manuela Tiefenbacher-Schauer vor. Sie hatte Erfahrung als stellvertretende Chorleiterin beim Sängerbund Landeck – und sagte spontan zu. Zunächst nur für einen einzigen Abend. Doch nach mehreren gelungenen Auftritten trat der damalige Obmann Franz Stecher auf sie zu und fragte: „Manuela, wie schaut’s aus – bleibst bei uns?“ Tiefenbacher-Schauer fühlte sich willkommen. Sie blieb und wurde zur prägenden musikalischen Kraft der Sängerrunde.

PIONIERIN IM MÄNNERCHOR. Eine Frau an der Spitze eines Männerchors? Damals wie heute eine Seltenheit. Beim Chorverband Tirol sind derzeit 61 Männerchöre als Mitglieder registriert – doch nur vier davon stehen unter weiblicher Leitung. Zu diesen Ausnahmen zählt die Sängerrunde Prutz. Die Nachbargemeinde Faggen bringt es auf ihrer Website auf den Punkt: Dieser Chor liegt „in den Händen einer zarten Frau mit starker Hand“.

BREITES REPERTOIRE. Unter Tiefenbacher-Schauers Leitung erweiterte sich das Repertoire deutlich – von alpenländischem Liedgut und geistlicher Musik über Gospels bis zu Austropop und Klassikern der Comedian Harmonists. Die Auftritte sind oft kreativ und auch witzig inszeniert, manchmal begleitet von einer Band, in der sie selbst den E-Bass spielt. Kein Zufall: Tiefenbacher-Schauer war die erste Frau, die das E-Bass-Studium am Tiroler Landeskonservatorium erfolgreich abschloss, wie Stephan Costa, Leiter der Jazz-Abteilung, bei der Übergabe des Abschlusszeugnisses hervorhob.

LOCKER, ABER PRÄZISE. Locker im Ton, präzise in der Sache – so erleben die Sänger ihre Chorleiterin. Tiefenbacher-Schauer schafft bei Proben eine Atmosphäre der Freude und des Miteinanders, ohne den künstlerischen Anspruch aus den Augen zu verlieren. Ihr Ziel: ein Ensemble, das harmonisch klingt – und als Gemeinschaft funktioniert. Die Sängerrunde hat sich einen festen Platz in der regionalen Chorlandschaft ersungen – mit Projekten wie dem „Klangmosaik“, Konzerten im Kulturzentrum im Winkl und zahlreichen musikalischen Freundschaften. Eine davon führte den Chor im Jänner 2003 bis nach Dakar im Senegal, wo die Sänger nicht nur musikalisch zur Eröffnung des Kulturzentrums eines befreundeten Künstlers, Cheikh Tidiane Niane, beitrugen, sondern auch handwerklich mit anpackten. „Es war anstrengend, aber unvergesslich“, erinnert sich die Chorleiterin.

MEHR ALS MUSIK. Neben ihrer Chorarbeit unterrichtet Tiefenbacher-Schauer an der Volksschule Angedair und an der Landesmusikschule Landeck. Ihre Ehrung mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Chorverbandes Tirol würdigt deshalb nicht nur ihr musikalisches Engagement – sondern auch ihren langjährigen Beitrag zur kulturellen Bildung in der Region.

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