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Landeck | Kultur | 31. Jänner 2022 | Von Alois Pircher

Kulturelles Kleinod in Ischgl und Mathon

Kulturelles Kleinod in Ischgl und Mathon<br />
Eine Freude für jeden Freund des Barock RS-Foto: Pircher
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Landeck  Von Alois Pircher
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Barock in Ischgl und Mathon

Dem hl. Sebastian ist die Expositurkirche in Mathon geweiht. In den Jahren 1674–1682 wurde die Kirche erbaut und nach Fertigstellung vom Churer Fürstbischof Ulrich VI. dem Pestheiligen geweiht. In Aufzeichnungen ist erwähnt, dass die Kirche auf Resten eines älteren gotischen Kirchenbaus errichtet wurde.
Von Alois Pircher

In das dreijochige Langhaus ist ein Chor eingezogen, der innen rund und außen in einem 3/8-Schluss endet. Ein eher in der Gotik, denn im Barock verwendetes Kreuzrippengewölbe bedeckt den Betraum. Nordseitig an den Chorraum ist ein schöner Turm angebaut, mit acht-eckigem Aufbau, gekoppelten Rundbogenfenstern und Spitzhelm mit Turmlaterne.

AUSSTATTUNG. Der Hochaltaraufbau ist neuromanisch ausgeführt und stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. In der Mittelnische ist das Herz Jesu dargestellt. Links und recht am Hochaltar findet man Skulpturen der Pestheiligen Sebas-tian und Rochus. Sie stammen noch von der alten Barockausstattung der Kirche. Geschaffen wurden beide vom Kappler Künstler Johann Ladner (1763). Die Kirchenbankwangen sind äußerst kunstfertig ausgeführt und stammen ebenfalls aus dem Jahr 1763. Zahlreiche weitere Skulpturen zieren die Langhauswände, sie stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

ST. NIKOLAUS VON MYRA IN ISCHGL. Eine wunderbare Barockkirche findet der aufmerksame Kunstfreund in Ischgl. Das äußere und mittlere Paznaun wurde vom Engadin her besiedelt und bis ins Jahr 1483 wird Sent (im Engadin) als Mutterpfarre von Ischgl bezeichnet. Ab 1500 kann man von einer Pfarre Ischgl sprechen. Schon 1459 wurde in Ischgl ein neues Kirchengebäude errichtet, 1471 vergrößert. Von diesem Bau ist heute nur mehr der Kirchturm erhalten. Die Kirche wurde 1649 vergrößert, 1673 gab es einen Großbrand. In den Jahren 1755 bis 1757 gab es dann einen Neubau und dadurch wurde auch im Inneren ein einheitlicher Stil geschaffen. Nur der Turm zeigt noch ein gotisches Aussehen mit typischen Spitzbogenfenstern und dreipassförmigem Maßwerk. Im Inneren findet sich ein vierjochiger Saalraum, das vierte Joch ist verbreitert und dadurch erscheint es wie ein Querschiff. Ein eingezogener Chorbogen öffnet zu einem zweijochigen Chor mit einem runden Apsidenschluss im Inneren und nach außen einen 3/8-Schluss. Reich ist das Innere mit Fresken und Stuck ausgestaltet. Einfache Profilleisten wechseln mit Blumendekor und Rocaille. Der aufwändige Stuck stammt von Jakob Graßmayr, einem Singer-Schüler. Den Freskenzyklus schuf Anton Kirchebner im Jahre 1756. Im Chor kann man die Glorie des hl. Nikolaus und die Hl. Dreifaltigkeit erkennen, im vierten Joch die Rosenkranzmadonna, flankiert von der hl. Katharina aus Siena und dem hl. Dominikus. Im Langhaus findet sich eine hochbarocke Architekturkulisse, unter anderem das Festmahl des hl. Nikolaus.

AUSGEZEICHNETE AUSSTATTUNG. Sicherlich die bes-ten heimischen Künstler jener Zeit führten die Ausstattung der Kirche aus. Der Hochaltar mit dem sechssäuligen Aufbau ist sicherlich ein herausragendes Beispiel in Tirol. Das Altarblatt schuf der Freskenmaler Kirchebner. Die Statuen, wie auf einer barocken Bühne aufgebaut, und zwar die hll. Georg, Joachim, Florian und Josef, dürften von Josef Georg Witwer aus Imsterberg stammen. Zumindest der hl. Georg ist beschriftet. Im Auszug ersichtlich ist das Lamm Gottes, umrahmt von knieenden Engeln – Putti genannt –, Voluten und viel Schmuck. Ganz oben ist noch der Heilige Geist. Am rechten Seitenaltar sind das Gemälde einer Schutzmantelmadonna, darüber die hl. Margaretha, beide von Kirchebner. Der linke Seitenaltar wird ebenfalls von Kirchebner-Gemälden geschmückt. Die Anbetung Jesu durch die Könige und darüber Jesu als Guter Hirte. Die Figuren an den Seitenaltären stammen von Josef Georg Witwer. Eine außergewöhnliche Reliquie findet sich in der Ischgler Kirche. Der kostbar gefasste Arm des hl. Stefanus (ers-ter Märtyrer der Christenheit) wird hier aufbewahrt. Eigentlich ein Geschenk von Papst Leo III. an Kaiser Karl dem Gro-ßen, wurde es im Klos-ter Prüm in der Eifel ausgestellt und kam scheinbar 1803 nach Ischgl.
 
Kulturelles Kleinod in Ischgl und Mathon<br />
St. Sebastian in Mathon – ein besonderer Turm mit einer sehr schönen Dachdeckung der Kirche RS-Foto: Pircher
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Der neue Friedhof mit Leichenkapelle in Ischgl RS-Foto: Pircher
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