Artikel teilen
Artikel teilen >

Kunst aus Haltung

Werkschau eines Unbequemen: Chris Moser wird 50

Die Ausstellung „30 Jahre Radikalkunst, 50 Jahre Chris Moser“, für die am 9. Oktober um 19 Uhr im Schloss Sigmundsried die Vernissage stattfindet, spannt einen Bogen von Mosers frühen Arbeiten bis zu ganz aktuellen Werken, getrieben und geprägt von seinem radikalen Veränderungswillen.

1. Oktober 2026
Kunst aus Haltung<br />
In der kommenden Ausstellung in Sigmundsried zeigt Chris Moser Plastiken aus Gips, Bronzegüsse und großformatige Arbeiten auf Leinwand. Foto: Moser
Als Jubiläum will Chris Moser seinen 50. Geburtstag nicht feiern. Eher als Gelegenheit, auf jene Missstände aufmerksam zu machen, die ihn seit seiner Jugend dazu veranlassen, Kunst zu betreiben. Der gebürtige Landecker hat schon in frühen Jahren mit seinem Aktivismus von sich reden lassen, der den Finger in jene Wunde legt, die viele verdrängen wollen: Tierleid, Umweltfrevel, Rassismus und Diskriminierung aller Art ließen Moser nicht nur zum Veganismus finden, sondern auch seine Stimme für jene erheben, denen die Stimme versagt wird.

ZIVILER UNGEHORSAM. „Es gibt viele Gründe, aus anarchistischer Position heraus Staatskonstrukte zu kritisieren, aber auch brutal viele Gründe, Demokratie gegen Rechts zu verteidigen. Die neue Rechte bringt heute überall wilde Blüten“, sagt der Radikalkünstler, der sich aus gegebenem Anlass auch als Verfechter der Demokratie sieht. Zivilgesellschaftliches Engagement bedeutet für den Aktivisten aber nicht nur, für den Schutz von Tieren, Verfolgten und Minderheiten auf die Straße zu gehen, sondern in seinem Fall auch, Kinder zu unterrichten. Denn Chris Moser ist Pädagoge in der nichtdirektiven Schule in Wörgl, wo der dreifache Vater zunächst als ehrenamtlicher Werkstattbetreuer begann und heute hauptamtlich seine Expertise als Natur- und Wildnistrainer an die Kinder weitergibt.

HANDWERKLICHES GERÜST. Chris Moser ist kein Aktionskünstler, was seine Herangehensweise an politischen Aktivismus vielleicht nahelegen täte. Vielmehr ist er einer, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat. So hat er die Bildhauerschule in Innsbruck 1997 mit Auszeichnung abgeschlossen, auch wenn ihm die klassische Ausbildung damals nicht ganz zusagte: „Ich wollte eigentlich keinen barocken Paulus machen. Das war für mich schon langweilig, aber das handwerkliche Gerüst, das ich damals bekommen habe, nutze ich immer noch.“ In Landeck machte er sich damals als jugendlicher Rebell einen Namen, der nach einigen Graffitiaktionen in der Galerie Elefant mit gerade 16 Jahren seine ersten Werke ausstellen konnte. „Ich wollte Impulse setzen, die sich verselbstständigen. Meine Aktivitäten waren damals jede Woche in den regionalen Medien und ich hab es mit einer Aktion sogar auf das Titelblatt der Tageszeitung geschafft“, erinnert sich das seinerzeitige Enfant terrible der Oberländer Kulturszene an seinen jugendlichen Aktionismus.

RESPEKT UND SORGE. Den hat er durchaus beibehalten, wenn er auch heute im zweiten Brotberuf Dinge wieder instandsetzt, die der Lauf der Zeit zerstört hat: Denn Chris Moser arbeitet schon seit vielen Jahren als Restaurator bei der Stadtarchäologie Hall mit viel Akribie an Scherben und anderen Fundstücken, die wie seine Schüler ganz praktischer Zuwendung bedürfen. Vielleicht ist es gerade das, was Chris Moser ausmacht: den Lebewesen und Dingen, die ihm anvertraut sind, Sorge zukommen zu lassen und die Stimme für all jene zu erheben, die unter der Macht anderer leiden.
Kunst aus Haltung<br />
Chris Moser setzt sich seit über 30 Jahren für Menschen- und Tierrechte ein. Foto: Dorn

Aktuelle Artikel

Kommentare

0 Posts