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„Alles eigene Leute“

Freizeitwohnsitzbesitzer sind oft Einheimische

Freizeitwohnsitze besitzen in Tirol nicht nur reiche Münchner und Stuttgarter – in einer Tourismushochburg im Oberland befindet sich mehr als die Hälfte in Besitz lokaler Wirtschaftsprominenz. Und man verfügt auch nicht nur über einen, selbst genutzten Freizeitwohnsitz, sondern mitunter gleich über zehn oder 20.
18. Mai 2026 | von Daniel Haueis
„Alles eigene Leute“
LA Gebi Mair: Mehr als die Hälfte der Freizeitwohnsitze im Besitz von lokaler Wirtschaftsprominenz Foto: gruene
Freizeitwohnsitze sind in Tirol begrenzt verfügbar, sie dürfen maximal 8 Prozent des Gesamtwohnungsbestandes einer Gemeinde ausmachen. Freilich gibt’s Gemeinden, in denen dieser Anteil schon überschritten war, als das Gesetz beschlossen wurde. Im Bezirk Landeck liegen laut Freizeitwohnsitzverzeichnis des Landes (Stand 3. April 2026) St. Anton (19,3%), Grins (15,1%) und Kaunerberg (8,2%) über diesem Wert. Freizeitwohnsitze sind aufgrund der Nutzungserlaubnis „wertvoller“ und kosten daher auch mehr: Mindestens 20 Prozent, eher 25 Prozent teurer sind Immobilien dieser Kategorie im Vergleich zu gleichwertigen, die aber nur als Hauptwohnsitz genutzt werden können, sagt Gebi Mair. Das sind keine Phantasiewerte, sondern mit Immobilienmaklern erhobene, so der Grünen-Klubobmann.

MEHR ALS DIE HÄLFTE LOKALE PROMINENZ. Freizeitwohnsitze sind also relativ rares und daher teures Gut. Anders gesagt: Wer einen möchte, bezahlt mehr – wer einen besitzt, kann dafür mehr verlangen. Und da kommen eben nicht nur erholungssuchende reiche Deutsche ins Spiel, sondern auch Einheimische mit wirtschaftlichen Interessen, wie Gebi Mair ermittelt hat. Zu seiner großen Überraschung musste er feststellen, dass in einer Oberländer Tourismushochburg (wo genau, will Mair nicht sagen) mehr als die Hälfte der Freizeitwohnsitze nicht im Besitz von EU-Bürgern, sondern von lokaler Wirtschaftsprominenz ist. „Und diese besitzen nicht einen Freizeitwohnsitz, den sie vielleicht selbst nutzen könnten, sondern sie besitzen gleich 5 und 10 und 20 Freizeitwohnsitze. Aus der Vermietung von Freizeitwohnsitzen wurde offenbar ein Geschäftsmodell gemacht“, sagt Mair. Unter den Besitzern einer größeren Anzahl von Freizeitwohnsitzen in dieser Gemeinde seien Hoteliers, Banken, Notare und weitere lokale Wirtschaftsprominenz. Die Freizeitwohnsitze sind dabei nicht nur in Villen zu finden, sondern durchaus auch in großen Apartmenthäusern. „Das zeigt auch, dass sie in direkter Konkurrenz zum leistbaren Wohnraum für die Einheimischen stehen“, sagt Gebi Mair.

POLITISCHE KONSEQUENZEN GEFORDERT. Mair fordert klare politische Konsequenzen: „Wenn die lokale Wirtschaftsprominenz Interesse am Geschäftsmodell Freizeitwohnsitze hat, dann erklärt sich auch der Druck auf die Bürgermeister noch einmal besser. Es handelt sich nicht um Gäste, sondern um den halben Tourismusverbands-Vorstand, der ein Interesse an den Freizeitwohnsitzen hat.“ Die Freizeitwohnsitz­agenden müssten also andere wahrnehmen, „wenn’s alles eigene Leute sind“, so Mair: „Die Bürgermeister sind enormem Druck ausgesetzt. Die Genehmigung und Kontrolle sollte deshalb eine Ebene höher erfolgen“ – also vom Land.
Im Hinterkopf hat Mair dabei vor allem die Tiroler: Freizeitwohnsitze verteuern den Wohnraum für Einheimische. „Die Leute derzahlen’s nicht“, kennt Mair das Verhältnis von Wohnungspreisen zu Einkommen in Tirol und kündigt an, dass das Wohnen auch im kommenden Wahlkampf ein wichtiges Thema sein wird.


Bescheide vor Gericht – Mair über Zams verwundert

Grünen-Klubobmann Gebi Mair hat an alle Tiroler Gemeinden eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz gestellt: Er wollte die Adressen der Freizeitwohnsitze übermittelt bekommen. „Diese Transparenz ist nach einem Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes rechtlich geboten“, sagt Mair. Etwa 20 Kommunen haben ihre Daten übermittelt, der Rest hat dies verweigert. „Darunter auch Gemeinden wie Zams, was mich sehr überrascht hat. Ich dachte nicht, dass die SPÖ auch die Hände schützend über die Freizeitwohnsitze hält“, merkt Mair an. Er will nun beim Landesverwaltungsgericht Transparenz erstreiten: Er verlangt einen Bescheid der Gemeinde, weshalb sie die Adressen der Freizeitwohnsitze nicht übermittelt und wird diesen beeinspruchen. Er rechnet damit, dass rund 150 Gemeinden übrig bleiben, „mit denen man sich vor Gericht trifft“. Anschließend will Mair alle Informationen veröffentlichen.

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