„Da stimmt was nicht“
Filmemacher Georg Lembergh thematisiert sexuellen Missbrauch – Fall mit Bezug zum Bezirk Landeck
21. April 2026 | von
Daniel Haueis
Georg Lembergh will für den nächsten Film auch die Stationen Patscheiders vor und nach den Missbrauchsfällen besuchen, also z.B. auch Stanz. Foto: Gregor Kalina
Josef Patscheider wurde 1914 in Graun am Reschen geboren, war Kooperator in Vomp und Schwaz, später in Innsbruck tätig und dann Pfarrer und Dekan in Jenbach, wie auf einer von der Pfarre Jenbach eingerichteten Seite nachzulesen ist. 1986 musste er die Pfarre verlassen und wurde beurlaubt, nachdem sich eine Gruppe von Eltern wegen seines missbräuchlichen Umgangs mit Schülerinnen beschwert hatte. Am Tag nach dem Bekanntwerden bzw. der Anzeige wegen der Übergriffe auf Kinder musste Patscheider auf Anordnung des damaligen Bischofs Reinhold Stecher (der aus St. Valentin stammte) die Pfarre verlassen. Im Dezember 1986 wurde Patscheider wegen Missbrauchs acht minderjähriger Mädchen verurteilt. Dem ehemaligen Dekan von Jenbach wurde vom dortigen Gemeinderat erst kürzlich, also 40 Jahre später der Ehrenring aberkannt – auch die Pfarre arbeitet die Missbrauchsfälle auf. Im 2024 erschienenen Film „(K)einen Ton sagen“ des Oberländers Georg Lembergh (der schon „Das versunkene Dorf“ über die Flutung von Graun aufgrund des Baus des Reschenstausees gedreht hat) kommt u.a. die Betroffene Jenbacherin Manuela Kamper zu Wort und berichtet über die Übergriffe – zu sehen ist der Film bedrückenden Inhalts bis 2028 auf https://on.orf.at/video/14300840/keinen-ton-sagen.
NAUDERS, STANZ, ZAMS. Patscheider hatte mehr Berührungspunkte mit dem Bezirk Landeck, nicht nur die Geburt knapp hinter der Bezirksgrenze: Seine Familie habe Bergwiesen in Nauders gehabt, weiß Georg Lembergh, und Patscheider hat dort in früheren Zeiten bei der Mahd geholfen. Zudem wechselte er 1987 als Pensionist kurzzeitig in die Pfarre Stanz, bevor er in einem Kloster im Osten von Österreich seine Pension verbrachte. „Er war nur ein Jahr da. Er war nicht Pfarrer, sondern nur im Widum“, erinnert sich Ferdinand Beer, Bürgermeister von Stanz. Georg Lembergh hat herausgefunden, dass Patscheider in Stanz auch keinen Religionsunterricht halten durfte. Und verstorben ist Patscheider 2004 in Zams. Weshalb, lässt sich nicht klären: Nachdem er in Graun gelebt hatte, könnte er im Krankenhaus Zams behandelt worden sein. Im Kloster der Barmherzigen Schwestern war er jedenfalls nie, wie Generaloberin Sr. Barbara Flad weiß. Begraben ist Josef Patscheider laut Diözese in seiner Heimatgemeinde am Reschen.
NACHFOLGEFILM. Der Diözese sind keine weiteren Übergriffe als jene, für die Patscheider verurteilt wurde, bekannt. Möglicherweise kommt aber noch mehr zutage, denn Georg Lembergh arbeitet an einem Nachfolgefilm zu „(K)einen Ton sagen“, der sexuellen Missbrauch aus der Sicht von vier Opfern schildert – beim nächsten Film steht ein Täter im Mittelpunkt, und zwar indirekt: Es wird ein Film aus Sicht des Neffen Josef Patscheiders, der sich auf Spurensuche begibt. Lembergh – der familiäre Wurzeln in Imst, Schnann und auch St. Valentin hat – will auch die Stationen Patscheiders vor und nach den Missbrauchsfällen, die zur Verurteilung geführt haben, besuchen – also z. B. auch Stanz. Der für eine Veröffentlichung im Jahr 2028 geplante Nachfolge-Film soll auch die Diskrepanz beleuchten, die in diesem Fall zutage tritt: Ein verurteilter Sexualstraftäter war zugleich ein „Menschenfänger“, wie Lembergh sagt: Auch nach Bekanntwerden des Missbrauchs und der Verurteilung hat Patscheider Menschen angezogen, Anhänger seien ihm busweise nachgefahren, und es sei auch eine Abordnung aus Jenbach zum Begräbnis nach Graun gefahren. Lemberghs Filme sind ein Beitrag, dies künftig zu verhindern – er tut, was Patscheider-Opfer Manuela Kamper in „(K)einen Ton sagen“ ausspricht: „Das hätte ich mir zu meiner Zeit gewünscht, aber es hat zu lange gedauert, bis endlich jemand aufgestanden ist und gesagt hat: Da stimmt was nicht.“
NAUDERS, STANZ, ZAMS. Patscheider hatte mehr Berührungspunkte mit dem Bezirk Landeck, nicht nur die Geburt knapp hinter der Bezirksgrenze: Seine Familie habe Bergwiesen in Nauders gehabt, weiß Georg Lembergh, und Patscheider hat dort in früheren Zeiten bei der Mahd geholfen. Zudem wechselte er 1987 als Pensionist kurzzeitig in die Pfarre Stanz, bevor er in einem Kloster im Osten von Österreich seine Pension verbrachte. „Er war nur ein Jahr da. Er war nicht Pfarrer, sondern nur im Widum“, erinnert sich Ferdinand Beer, Bürgermeister von Stanz. Georg Lembergh hat herausgefunden, dass Patscheider in Stanz auch keinen Religionsunterricht halten durfte. Und verstorben ist Patscheider 2004 in Zams. Weshalb, lässt sich nicht klären: Nachdem er in Graun gelebt hatte, könnte er im Krankenhaus Zams behandelt worden sein. Im Kloster der Barmherzigen Schwestern war er jedenfalls nie, wie Generaloberin Sr. Barbara Flad weiß. Begraben ist Josef Patscheider laut Diözese in seiner Heimatgemeinde am Reschen.
NACHFOLGEFILM. Der Diözese sind keine weiteren Übergriffe als jene, für die Patscheider verurteilt wurde, bekannt. Möglicherweise kommt aber noch mehr zutage, denn Georg Lembergh arbeitet an einem Nachfolgefilm zu „(K)einen Ton sagen“, der sexuellen Missbrauch aus der Sicht von vier Opfern schildert – beim nächsten Film steht ein Täter im Mittelpunkt, und zwar indirekt: Es wird ein Film aus Sicht des Neffen Josef Patscheiders, der sich auf Spurensuche begibt. Lembergh – der familiäre Wurzeln in Imst, Schnann und auch St. Valentin hat – will auch die Stationen Patscheiders vor und nach den Missbrauchsfällen, die zur Verurteilung geführt haben, besuchen – also z. B. auch Stanz. Der für eine Veröffentlichung im Jahr 2028 geplante Nachfolge-Film soll auch die Diskrepanz beleuchten, die in diesem Fall zutage tritt: Ein verurteilter Sexualstraftäter war zugleich ein „Menschenfänger“, wie Lembergh sagt: Auch nach Bekanntwerden des Missbrauchs und der Verurteilung hat Patscheider Menschen angezogen, Anhänger seien ihm busweise nachgefahren, und es sei auch eine Abordnung aus Jenbach zum Begräbnis nach Graun gefahren. Lemberghs Filme sind ein Beitrag, dies künftig zu verhindern – er tut, was Patscheider-Opfer Manuela Kamper in „(K)einen Ton sagen“ ausspricht: „Das hätte ich mir zu meiner Zeit gewünscht, aber es hat zu lange gedauert, bis endlich jemand aufgestanden ist und gesagt hat: Da stimmt was nicht.“

