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„Die Situation im Oberland ist dramatischer“

Für den WWF sind Amphibien am oberen Inn in Not

WWF-Erhebungen am mittleren Inn haben den Befund gebracht: „Den Amphibien im Inntal geht es schlechter denn je.“ Die Situation im Oberland ist noch dramatischer.

22. September 2026
„Die Situation im Oberland ist dramatischer“
Auch dem Grasfrosch geht’s am oberen Inn (außer in der Milser Au) nicht mehr gut – Feuchtlebensräume wurden trockengelegt, Tümpel verschüttet, Auflächen verbaut, wie der WWF feststellt. Foto: stock.adobe.com, Rolf Müller
Die Bestände von Fröschen, Unken und Co. sind im Inntal stark zurückgegangen – mit ausgedehnten Flussauen mit Tümpeln, Altarmen und Feuchtgebieten sind auch ihre Bewohner verschwunden. Die Ergebnisse umfassender Erhebungen im Rahmen des Artenschutz-Projekts Innsieme connect lauten: Von 15 in Tirol ursprünglich vorkommenden Amphibienarten sind elf Arten (stark) gefährdet, vom Aussterben bedroht und eine davon bereits regional verschwunden. Die aktuellen Untersuchungen erstrecken sich von Kramsach bis Telfs, da es hier Vergleichsdaten aus den 90er-Jahren gibt. Aber es wurden im Rahmen von Innsieme connect zusätzlich Erhebungen am gesamten Inn durchgeführt, von der Schweizer bis zur bayerischen Grenze. Und diese Daten sind keineswegs besser – die Situation der Amphibien im Oberland ist sogar noch dramatischer als im Rest Tirols, da das Inntal enger und der Nutzungsdruck auf die Fläche umso höher ist.

NUR MEHR RESTBESTÄNDE. Es gibt laut WWF nur mehr wenige Restbestände ursprünglicher Auenlebensräume, in denen spezialisierte Arten Heimat finden können. Entlang des Untersuchungsgebiets in den Bezirken Landeck und Imst konnten nur noch folgende vier Amphibienarten festgestellt werden: Erdkröte, Bergmolch, Grasfrosch und Gelbbauch­unke. Im 19. Jahrhundert kamen noch Wechselkröte und Laubfrosch am Inn im Oberland vor – diese sind dort inzwischen ausgestorben. Der Grund dafür ist der Verlust von Feucht- und Auenlebensräumen am Inn sowie die Zerschneidung der Lebensräume, etwa durch Straßenbau.

MÖGLICHE MASSNAHMEN. Amphibien sind stark auf eine Vernetzung ihrer Wasser- und Landlebensräume angewiesen. Dies ist beispielsweise im Schutzgebiet Mieminger und Rietzer Innauen gegeben, wo sich das letzte Vorkommen der Gelbbauchunke in ihrem natürlichen Auenlebensraum befindet. Und in der Milser Au gibt es eine große Population des Grasfroschs. Bei der Neuanlage von Amphibiengewässern ist allerdings darauf zu achten, dass die Lebensraumbedingungen stimmen und dass die Teiche nicht mit Fischen besetzt werden – diese stellen als Fraßfeinde ein großes Problem für Amphibien dar. Ein problematisches Beispiel dafür sind laut WWF-Pressesprecherin Lara Hocek die Tümpel bei der Renaturierung Serfaus, die als Amphibientümpel angelegt, aber illegalerweise mit Fischen besetzt worden sind und seitdem nicht mehr für Amphibien geeignet seien. „Wir bemühen uns in Gesprächen hier für Aufklärung zu sorgen“, so Hocek. Idealerweise sollte dem Inn an mehr Stellen wieder Raum zurückgegeben werden, um wieder natürliche Auenlebensräume entfalten zu können. Das Fazit des WWF lautet aber vorerst: „Den Amphibien im Inntal geht es schlechter denn je. Wir brauchen dringend Hilfsmaßnahmen, um Frö­schen, Unken und Co. wieder auf die Sprünge zu helfen“, so Projektleiterin Evelyn Seppi vom WWF Österreich.

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