„Fürchte dich nicht: Du bist nicht allein!“
Generaloberin Sr. Barbara Flad über das Jubiläum der Barmherzigen Schwestern von Zams
21. April 2026 | von
Daniel Haueis
Generaloberin Sr. Barbara Flad: „In der Blütezeit des Ordens gehörten über 1.000 Schwestern zeitgleich der Gemeinschaft an, jetzt sind wir weniger als 100.“ Foto: RS-Archiv
RUNDSCHAU: Der Orden der Barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul in Zams wurde 1826 offiziell gegründet. Welche Begegnung mit einem Menschen hat Ihnen zuletzt gezeigt: Genau dafür sind wir auch nach 200 Jahren noch da?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: Es ist keine einzelne Begegnung, die besonders hervorsticht. Unser Auftrag war und ist es immer noch, auf die existenziellen Nöte der Menschen zu reagieren. Nöte dieser Art gibt es immer noch, wenn vielleicht auch in anderer Art als früher. Aber es braucht immer noch Menschen, die bereit sind, einander in der jeweiligen Bedürftigkeit wahrzunehmen und füreinander da zu sein. In unseren Häusern sehe ich immer wieder Menschen, die Hilfe brauchen, aber auch viele Menschen, die bereit sind, Hilfe zu geben. Solche Orte der Hoffnung braucht es in unserer heutigen Zeit mehr denn je …
RUNDSCHAU: „Caritas Christi urget nos“ ist das Motto der Barmherzigen Schwestern. Was bedeutet das heute und was bedeutet es Ihnen persönlich?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: „Caritas Christi urget nos“, also „Die Liebe Christi drängt uns“. Das geht in zwei Richtungen. Zum einen geht es um die Liebe der einzelnen Schwester zu Jesus Christus, die jede von uns zum Handeln motiviert gemäß einem Leitspruch von Vinzenz von Paul: „Liebe sei Tat“ (und nicht bloß ein schönes Gefühl). Zum anderen bedeutet es, dass die Liebe, wie sie Christus vorgelebt hat, Maßstab für unser Handeln ist. Also eine Liebe, die bis zum Äußersten geht und die sich besonders den Notleidenden, den an den Rand gedrängten, den Ausgeschlossenen und Missachteten zuwendet und sich selbst verschenkt. Für mich persönlich bedeutet das, stets bereit zu sein, mit offenem Herzen und einem aufmerksamen Blick den Menschen zu begegnen und bereit zu sein, das, was ich bin und kann, in den Dienst für andere zu stellen.
RUNDSCHAU: Die Zahl der Barmherzigen Schwestern und deren Niederlassungen hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Wie viele gab es, wie viele sind es heute? Wie viele Ordenseintritte gab es in den letzten Jahren?
Generaloberin Sr. Barbara Flad In der Blütezeit des Ordens gehörten über 1.000 Schwestern zeitgleich der Gemeinschaft an, jetzt sind wir weniger als 100. In den letzten Jahren hatten wir nur vereinzelte Eintritte in unserer peruanischen Niederlassung. Dafür haben wir aber inzwischen gut 2.000 Mitarbeiter*innen, die mit uns für die Menschen da sind – also letztlich mehr, als wir in der Gemeinschaft jemals waren.
RUNDSCHAU: In welchem Moment haben Sie sich entschieden, Ordensfrau zu werden, konkret Barmherzige Schwester zu werden?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: Es gab keinen einzelnen Moment, sondern es war eine Entscheidung, die über mehrere Jahre gewachsen ist. Der Prozess begann in meinem Studium, setzte sich dann über die Zeit meines Sozialeinsatzes bei unseren Schwestern in Peru fort und zog sich bis in die Zeit meiner Ordensausbildung. Ein Ordenseintritt lässt einem zum Glück Zeit für ein stufenweises Hineinwachsen und ermöglicht zu verschiedenen Zeitpunkten immer wieder das Hinterfragen: „Will ich das wirklich? Bin ich hier richtig?“. Ich habe im Laufe des Entscheidungsprozesses immer wieder gezweifelt, aber auch immer wieder gespürt: Das ist der Ort, an dem Gott mich haben will.
RUNDSCHAU: Der Orden ist auch ein Unternehmen, Sie sind sozusagen Managerin von knapp 2.000 Beschäftigten. Wie bringen Sie das geistliche Leben und die wirtschaftlichen Herausforderungen unter einen Hut?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: Das ist tatsächlich immer wieder eine Herausforderung. Mein Terminkalender ist dicht und mein Kopf oft voll von den vielfältigen tagesaktuellen Fragestellungen und Schwierigkeiten. Die Versuchung ist groß, gerade bei den Gebetszeiten „einzusparen“. Es braucht tatsächlich Disziplin und Mut für eine klare Entschiedenheit (auch gegenüber Außenstehenden) hinsichtlich der Wichtigkeit der Zeiten des Innehaltens. Über die Jahre hinweg habe ich gelernt, dass es definitiv ein Fehler ist, wenn ich mir die „Exklusiv-Zeiten mit Gott“ zu häufig nehmen lasse. Es sind für mich wesentliche Quellen der Kraft und Rückbesinnung, die mich gesund und geerdet erhalten.
RUNDSCHAU: Wo soll die Schwesterngemeinschaft in zehn oder 20 Jahren stehen? Was kann deren geistlicher Beitrag im Oberland sein, und was wird aus dem „Unternehmen“ werden?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: In zehn oder zwanzig Jahren wird die Schwesterngemeinschaft definitiv kleiner sein, als sie jetzt ist, doch wir haben bereits Strukturen geschaffen, die ermöglichen, dass unsere Einrichtungen auch mit dem Einsatz weniger Schwestern gesichert in die Zukunft gehen können. Unsere Einrichtungen und das Kloster an sich sollen weiterhin Orte sein, an denen Menschen gesehen und gehört werden, wo sie Schutz und Beheimatung finden, wo Begegnungen mit Gott möglich sind, wo Raum für Wachstum und Heilung ist, wo klare Werte Sicherheit geben und wo Menschen miteinander für einander da sind.
RUNDSCHAU: Abschließend: Welche Botschaft Christi ist die, die Sie am meisten berührt, die Sie auch den Oberländern ans Herz legen möchten?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: „Fürchte dich nicht: Du bist nicht allein!“ Diese Zusage Gottes erfahre ich persönlich immer wieder im alltäglichen Miteinander und dieser Zuspruch darf uns allen Hoffnung in der Ungewissheit und Bedrohlichkeit unserer Zeit geben.
RUNDSCHAU: Danke.
Ausstellung
Die Feierlichkeiten zum Jubiläum – nur für geladene Gäste – finden am 24. April u.a. mit einem Festgottesdienst mit Bischof Glettler statt. Weiters werden eine Ausstellung eröffnet, die ausgewählte Persönlichkeiten aus der 200-jährigen Geschichte der Kongregation würdigt, und eine Festschrift präsentiert. Die Ausstellung wird zwei Monate im Foyer des Katharina-Lins-Saals offen zugänglich sein, geöffnet während Schulzeiten.
Die Anfänge des Ordens und des Spitals in Zams
Dekan Nikolaus Tolentin Schuler aus Zams ließ 1811 das Spital errichten, wo in 15 Zimmern Kranke aus dem Dorf und der Umgebung aufgenommen wurden. Frauen und Mädchen der Region übernahmen die Pflege und unterrichteten darin auch Mädchen der Dorfschule. Es bestand also damals schon ein Institut, dessen religiöse Regeln vom Dekan gegeben waren. Im Spital arbeitete auch Schulers Verwandte Katharina Lins aus Zams, die die entscheidende Rolle bei der Ordensgründung einnahm: Nikolaus Schuler schickte sie 1822 zu den Barmherzigen Schwestern im Elsass zur Ausbildung. 1823 kehrte sie als Krankenpflegerin und Barmherzige Schwester Josefa Nikolina heim. Am 23. April 1826 sind die Barmherzigen Schwestern von Zams dann offiziell entstanden – an diesem Tag fand auch die Profess der ersten zwölf Schwestern statt.
Generaloberin Sr. Barbara Flad: Es ist keine einzelne Begegnung, die besonders hervorsticht. Unser Auftrag war und ist es immer noch, auf die existenziellen Nöte der Menschen zu reagieren. Nöte dieser Art gibt es immer noch, wenn vielleicht auch in anderer Art als früher. Aber es braucht immer noch Menschen, die bereit sind, einander in der jeweiligen Bedürftigkeit wahrzunehmen und füreinander da zu sein. In unseren Häusern sehe ich immer wieder Menschen, die Hilfe brauchen, aber auch viele Menschen, die bereit sind, Hilfe zu geben. Solche Orte der Hoffnung braucht es in unserer heutigen Zeit mehr denn je …
RUNDSCHAU: „Caritas Christi urget nos“ ist das Motto der Barmherzigen Schwestern. Was bedeutet das heute und was bedeutet es Ihnen persönlich?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: „Caritas Christi urget nos“, also „Die Liebe Christi drängt uns“. Das geht in zwei Richtungen. Zum einen geht es um die Liebe der einzelnen Schwester zu Jesus Christus, die jede von uns zum Handeln motiviert gemäß einem Leitspruch von Vinzenz von Paul: „Liebe sei Tat“ (und nicht bloß ein schönes Gefühl). Zum anderen bedeutet es, dass die Liebe, wie sie Christus vorgelebt hat, Maßstab für unser Handeln ist. Also eine Liebe, die bis zum Äußersten geht und die sich besonders den Notleidenden, den an den Rand gedrängten, den Ausgeschlossenen und Missachteten zuwendet und sich selbst verschenkt. Für mich persönlich bedeutet das, stets bereit zu sein, mit offenem Herzen und einem aufmerksamen Blick den Menschen zu begegnen und bereit zu sein, das, was ich bin und kann, in den Dienst für andere zu stellen.
RUNDSCHAU: Die Zahl der Barmherzigen Schwestern und deren Niederlassungen hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Wie viele gab es, wie viele sind es heute? Wie viele Ordenseintritte gab es in den letzten Jahren?
Generaloberin Sr. Barbara Flad In der Blütezeit des Ordens gehörten über 1.000 Schwestern zeitgleich der Gemeinschaft an, jetzt sind wir weniger als 100. In den letzten Jahren hatten wir nur vereinzelte Eintritte in unserer peruanischen Niederlassung. Dafür haben wir aber inzwischen gut 2.000 Mitarbeiter*innen, die mit uns für die Menschen da sind – also letztlich mehr, als wir in der Gemeinschaft jemals waren.
RUNDSCHAU: In welchem Moment haben Sie sich entschieden, Ordensfrau zu werden, konkret Barmherzige Schwester zu werden?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: Es gab keinen einzelnen Moment, sondern es war eine Entscheidung, die über mehrere Jahre gewachsen ist. Der Prozess begann in meinem Studium, setzte sich dann über die Zeit meines Sozialeinsatzes bei unseren Schwestern in Peru fort und zog sich bis in die Zeit meiner Ordensausbildung. Ein Ordenseintritt lässt einem zum Glück Zeit für ein stufenweises Hineinwachsen und ermöglicht zu verschiedenen Zeitpunkten immer wieder das Hinterfragen: „Will ich das wirklich? Bin ich hier richtig?“. Ich habe im Laufe des Entscheidungsprozesses immer wieder gezweifelt, aber auch immer wieder gespürt: Das ist der Ort, an dem Gott mich haben will.
RUNDSCHAU: Der Orden ist auch ein Unternehmen, Sie sind sozusagen Managerin von knapp 2.000 Beschäftigten. Wie bringen Sie das geistliche Leben und die wirtschaftlichen Herausforderungen unter einen Hut?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: Das ist tatsächlich immer wieder eine Herausforderung. Mein Terminkalender ist dicht und mein Kopf oft voll von den vielfältigen tagesaktuellen Fragestellungen und Schwierigkeiten. Die Versuchung ist groß, gerade bei den Gebetszeiten „einzusparen“. Es braucht tatsächlich Disziplin und Mut für eine klare Entschiedenheit (auch gegenüber Außenstehenden) hinsichtlich der Wichtigkeit der Zeiten des Innehaltens. Über die Jahre hinweg habe ich gelernt, dass es definitiv ein Fehler ist, wenn ich mir die „Exklusiv-Zeiten mit Gott“ zu häufig nehmen lasse. Es sind für mich wesentliche Quellen der Kraft und Rückbesinnung, die mich gesund und geerdet erhalten.
RUNDSCHAU: Wo soll die Schwesterngemeinschaft in zehn oder 20 Jahren stehen? Was kann deren geistlicher Beitrag im Oberland sein, und was wird aus dem „Unternehmen“ werden?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: In zehn oder zwanzig Jahren wird die Schwesterngemeinschaft definitiv kleiner sein, als sie jetzt ist, doch wir haben bereits Strukturen geschaffen, die ermöglichen, dass unsere Einrichtungen auch mit dem Einsatz weniger Schwestern gesichert in die Zukunft gehen können. Unsere Einrichtungen und das Kloster an sich sollen weiterhin Orte sein, an denen Menschen gesehen und gehört werden, wo sie Schutz und Beheimatung finden, wo Begegnungen mit Gott möglich sind, wo Raum für Wachstum und Heilung ist, wo klare Werte Sicherheit geben und wo Menschen miteinander für einander da sind.
RUNDSCHAU: Abschließend: Welche Botschaft Christi ist die, die Sie am meisten berührt, die Sie auch den Oberländern ans Herz legen möchten?
Generaloberin Sr. Barbara Flad: „Fürchte dich nicht: Du bist nicht allein!“ Diese Zusage Gottes erfahre ich persönlich immer wieder im alltäglichen Miteinander und dieser Zuspruch darf uns allen Hoffnung in der Ungewissheit und Bedrohlichkeit unserer Zeit geben.
RUNDSCHAU: Danke.
Ausstellung
Die Feierlichkeiten zum Jubiläum – nur für geladene Gäste – finden am 24. April u.a. mit einem Festgottesdienst mit Bischof Glettler statt. Weiters werden eine Ausstellung eröffnet, die ausgewählte Persönlichkeiten aus der 200-jährigen Geschichte der Kongregation würdigt, und eine Festschrift präsentiert. Die Ausstellung wird zwei Monate im Foyer des Katharina-Lins-Saals offen zugänglich sein, geöffnet während Schulzeiten.
Die Anfänge des Ordens und des Spitals in Zams
Dekan Nikolaus Tolentin Schuler aus Zams ließ 1811 das Spital errichten, wo in 15 Zimmern Kranke aus dem Dorf und der Umgebung aufgenommen wurden. Frauen und Mädchen der Region übernahmen die Pflege und unterrichteten darin auch Mädchen der Dorfschule. Es bestand also damals schon ein Institut, dessen religiöse Regeln vom Dekan gegeben waren. Im Spital arbeitete auch Schulers Verwandte Katharina Lins aus Zams, die die entscheidende Rolle bei der Ordensgründung einnahm: Nikolaus Schuler schickte sie 1822 zu den Barmherzigen Schwestern im Elsass zur Ausbildung. 1823 kehrte sie als Krankenpflegerin und Barmherzige Schwester Josefa Nikolina heim. Am 23. April 1826 sind die Barmherzigen Schwestern von Zams dann offiziell entstanden – an diesem Tag fand auch die Profess der ersten zwölf Schwestern statt.
