Kaum Potenzial?
Fluss-Renaturierungs-Atlas sieht im Bezirk Landeck wenig Möglichkeiten
14. April 2026 | von
Daniel Haueis
Der frei fließende Platzerbach werde im Plan fälschlicherweise schon als zerstört dargestellt, kritisiert der WWF. Foto: Haidegger
Eine Onlinekarte des Umweltministeriums zeigt detailliert, wie Österreich die Ziele der EU-Renaturierungsverordnung im Bereich der Flüsse erreichen will (maps.wisa.bmluk.gv.at/frei-fliessende-fluesse). Auf Basis dieser Potenzialanalyse könnten laut WWF-Recherche österreichweit 2.531 Kilometer Flussstrecken renaturiert werden. Im Bezirk Landeck schaut’s diesbezüglich schlecht aus: Es gibt noch einige als „frei-fließende Flussabschnitte“ bezeichnete Gewässer, dazu gehören aber weder Inn noch Rosanna oder Trisanna oder Sanna. Längere ungehindert zu Tal stürzende Bäche sind etwa der Malfonbach bei Pettneu, Lareinbach und Flathbach im Paznaun, der Lötzbach (Lochbach) in Zams oder der Tösnertalbach und der Nauderer Tscheybach im Oberen Gericht. Sogenannte Potenzialstrecken finden sich im Bezirk Landeck gar keine, lediglich zwei Auen und Überflutungsflächen, die wiederhergestellt werden sollen – eine nahe der Kläranlage Serfaus-Pfunds-Tösens (Wiederherstellung bis 2030) und nahe dem C5-Stützpunkt in Zams (Wiederherstellung zwischen 2031 und 2040). Drei Verbesserungen wurden schon umgesetzt: Am Inn wurde zwischen Tösens und Pfunds an zwei benachbarten Stellen jeweils ein Hindernis beseitigt, ebenso eines bei Ried-Frauns.
KRITIK DES WWF. Anlässlich der nun gestarteten Öffentlichkeitsbeteiligung zum „Renaturierungs-Atlas“ fordert der WWF von den Bundesländern konkrete Verbesserungen, bevor die Pläne an die EU-Kommission gemeldet werden – denn: „Es gibt positive Ansätze in ganz Österreich, aber fachlich höchst fragwürdige Lücken im Tiroler Plan … Tirol hätte weit mehr Potenzial als die gemeldeten 26 Flusskilometer bis 2030“, kritisiert WWF-Expertin Marie Pfeiffer. Diese 26 Kilometer wurden vom WWF selber gemessen und berechnet. Zu den oben erwähnten Verbesserungen im Bezirk sagt der WWF: „… im Bezirk Landeck sind das die einzigen Maßnahmen, die im Entwurf des Wiederherstellungsplans der Flüsse dargestellt sind. Von den 26 Kilometern an frei fließenden Flüssen, die bis 2030 wiederhergestellt werden sollen in Tirol, liegen keine in Landeck.“ Auffällig sei zudem das Lobbying für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal: „Die frei fließenden Flüsse Platzerbach und Venter Ache werden im Plan fälschlicherweise schon als zerstört dargestellt, obwohl das Projekt noch nicht einmal genehmigt ist. Einseitige, rein profitorientierte Interessen der Wasserkraft haben hier nichts verloren“, sagt Pfeiffer. Im Bezirk sei genau diese Berücksichtigung des Ausbaus des Kraftwerks Kaunertal im Wiederherstellungsplan „aus unsrer Sicht besonders kritisch“. Künftig geplante Wasserkraftanlagen seien nämlich nicht Teil der EU-Kriterien. Da der Platzerbach im Plan nicht dargestellt sei (obwohl er alle EU-Kriterien eines frei fließenden Flusses erfülle), wäre bei Kraftwerksrealisierung auch eine faire Bilanz nicht möglich. Österreich muss laut WWF an die Kommission nicht nur melden, wie viele Flusskilometer renaturiert werden sollen, sondern auch, wie viele frei fließende Flüsse etwa durch den Ausbau der Wasserkraft oder andere Verbauungen zerstört wurden. Zur Wiederherstellung der Flüsse im Bezirk Landeck empfiehlt der WWF übrigens – und er ruft auch explizit dazu auf –, die Möglichkeit der Öffentlichkeitsbeteiligung aktiv zu nutzen und das lokale Wissen in den Plan miteinfließen zu lassen.
KRITIK DES WWF. Anlässlich der nun gestarteten Öffentlichkeitsbeteiligung zum „Renaturierungs-Atlas“ fordert der WWF von den Bundesländern konkrete Verbesserungen, bevor die Pläne an die EU-Kommission gemeldet werden – denn: „Es gibt positive Ansätze in ganz Österreich, aber fachlich höchst fragwürdige Lücken im Tiroler Plan … Tirol hätte weit mehr Potenzial als die gemeldeten 26 Flusskilometer bis 2030“, kritisiert WWF-Expertin Marie Pfeiffer. Diese 26 Kilometer wurden vom WWF selber gemessen und berechnet. Zu den oben erwähnten Verbesserungen im Bezirk sagt der WWF: „… im Bezirk Landeck sind das die einzigen Maßnahmen, die im Entwurf des Wiederherstellungsplans der Flüsse dargestellt sind. Von den 26 Kilometern an frei fließenden Flüssen, die bis 2030 wiederhergestellt werden sollen in Tirol, liegen keine in Landeck.“ Auffällig sei zudem das Lobbying für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal: „Die frei fließenden Flüsse Platzerbach und Venter Ache werden im Plan fälschlicherweise schon als zerstört dargestellt, obwohl das Projekt noch nicht einmal genehmigt ist. Einseitige, rein profitorientierte Interessen der Wasserkraft haben hier nichts verloren“, sagt Pfeiffer. Im Bezirk sei genau diese Berücksichtigung des Ausbaus des Kraftwerks Kaunertal im Wiederherstellungsplan „aus unsrer Sicht besonders kritisch“. Künftig geplante Wasserkraftanlagen seien nämlich nicht Teil der EU-Kriterien. Da der Platzerbach im Plan nicht dargestellt sei (obwohl er alle EU-Kriterien eines frei fließenden Flusses erfülle), wäre bei Kraftwerksrealisierung auch eine faire Bilanz nicht möglich. Österreich muss laut WWF an die Kommission nicht nur melden, wie viele Flusskilometer renaturiert werden sollen, sondern auch, wie viele frei fließende Flüsse etwa durch den Ausbau der Wasserkraft oder andere Verbauungen zerstört wurden. Zur Wiederherstellung der Flüsse im Bezirk Landeck empfiehlt der WWF übrigens – und er ruft auch explizit dazu auf –, die Möglichkeit der Öffentlichkeitsbeteiligung aktiv zu nutzen und das lokale Wissen in den Plan miteinfließen zu lassen.