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„Mureneier“ am Lattenbach

Grins: neue Erkenntnisse über Erdrutsche

Geotechniker Robert Hofmann von der Uni Innsbruck erforscht die Entstehung flacher Erdrutsche und testet Überwachungssysteme. Neue Erkenntnisse lieferten etwa „Mureneier“ am Lattenbach in Grins.
14. April 2026 | von Daniel Haueis
„Mureneier“ am Lattenbach
Eine Aufnahme des Erdrutsches am Lattenbach Foto: Robert Hofmann
Hangmuren nehmen im Alpenraum aufgrund des Klimawandels deutlich zu und gefährden Infrastruktur wie Bahnlinien oder Straßen. Sie sind nur einen halben bis einen Meter tief. Wo genau sie abgehen, ist in den meisten Fällen ebenso schwer vorherzusagen wie der Zeitpunkt, zu dem sie abrutschen. Univ.-Prof. Robert Hofmann vom Arbeitsbereich Geotechnik erforscht daher die Entstehung dieser Erdrutsche und testet mit Projektpartnern seit mehr als drei Jahren geeignete Überwachungssys­teme. Und das tut er auch im Bezirk Landeck, konkret am Lattenbach in Grins. Hofmann hat mit einem breit aufgestellten Team dort das erste Versuchsfeld mit Mess-Instrumenten ausgestattet und den Grundstein für ein mehrjähriges Projekt gelegt.

RUTSCHUNG 2023. Und auch der Zufall hat mitgespielt: „Gemeinsam mit der Wildbach- und Lawinenverbauung haben wir eine Stelle im Lattenbach-Graben ausgewählt und instrumentiert. Wir hatten das Glück, dass dort im Dezember 2023 tatsächlich eine Rutschung abgegangen ist, die wir direkt beobachten konnten und die mit einer vor Ort installierten Kamera aufgezeichnet wurde“, berichtet Hofmann. Die 10 bis 15 cm großen kugelförmigen Instrumente messen die Rotation im Hang. Diese „Mureneier“ waren an der Oberfläche verteilt und zeichneten bemerkenswerterweise bereits vier Tage vorher Veränderungen auf. Die Messdaten wurden an eine Cloud gesendet und waren dort abrufbar. „Die Sensoren sind sehr kostengünstig und über viele Jahre einsetzbar“, erläutert Hofmann. Zusätzlich zu diesen umfangreichen Praxistests mit den Mureneiern wurden verschiedene Parameter wie Bodenfeuchte und -temperatur, Saugspannungen, Lufttemperatur sowie die Niederschlagsmengen erhoben, um die Auslöser von Hangmuren besser zu verstehen.

ERKENNTNISSE. Ein Ergebnis der Untersuchungen lautet: Sensornetzwerke, die mit kostengünstigen Detektoren arbeiten, funktionieren als Frühwarnsysteme, und die Erdmassen werden erst durch das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren ausgelöst. Die Hauptmotoren sind starke Niederschläge und der Wechsel zwischen Plus- und Minusgraden im Winter. „Beim Lattenbach haben wir sehr schön gesehen, wie dadurch die stabilisierende Wirkung der Saugspannung im Boden reduziert wurde und in Hangwasserdruck umgeschlagen ist“, so Hofmann. Daher sind vor allem die Bewegungsdaten aus den „Mureneiern“ (Internet-of-Things-Sensoren), die die Vorhersage und damit die Prävention erheblich verbessern – herausgefunden am Lattenbach in Grins. Deren Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von bestimmten Straßen oder Bahnstrecken bis hin zu Baustellen. Die Publikation Dr. Hofmanns findet sich auf https://doi.org/10.1038/s43247-025-02668-5.
„Mureneier“ am Lattenbach
Univ.-Prof. Robert Hofmann erforscht u. a. Hangmuren, die Infrastruktur wie Bahnlinien oder Straßen gefährden. Foto: privat

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