Revival des Alpenbären unwahrscheinlich
Michaela Skubans Bären-Forschung im Oberland in einem Buch
Biologin Dr. Michaela Skuban hat von April 2023 bis November 2024 im Oberland gelebt, um eine Studie zur Eignung der Region als Bären-Habitat durchzuführen. Ihr Blick auf das Oberland ist ebenso bemerkenswert wie ihr Fazit in ihrem aktuellen Buch.
7. Juli 2026
Michaela Skuban über das Oberland: „Ich selbst hätte mir das Ausmaß der menschlichen Störung nie vorstellen können, wenn ich nicht monatelang vor Ort gelebt und gearbeitet hätte.“ Foto: Slavo Findo
„Botschafter des Waldes – Was uns Bären über uns selbst und unseren Umgang mit der Natur verraten“ ist ein gut 300 Seiten starkes Werk, in dem Michaela Skuban ihren Weg in die Biologie und speziell hin zu Bären- und Wolfsforschung beschreibt. Anhand einzelner Bären erläutert sie deren Speisekarte, das Problem verwaister Bärenjungen, deren Winterschlaf, wie Straßen die Wanderschaft erschweren u.a.m. Was man von auffälligen Bären lernen kann, erläutert sie anhand von Peppino, Lilli und Inga. Und im Kapitel „Der Bär im deutschsprachigen Alpenraum: Segen oder Fluch?“ kommt Michaela Skuban auf knapp 20 Seiten auf ihre Arbeit in der Region zu sprechen, konkret im Oberen und Obersten Gericht, im Kaunertal, am Sonnenplateau, im Pitztal und in Imst. Ursprüngliche Skepsis ihrer Arbeit und ihr selbst gegenüber ist im Laufe der Zeit gewichen. Wurde sie in einem Ort noch mit einer sehr beleidigenden Bezeichnung aus einem Geschäft geworfen, so wurde ihr im Laufe der Zeit zumindest von anderer Seite Vertrauen geschenkt, sie hat dann auch Hinweise auf Bären- und Wolfspräsenz erhalten. Gerade das Almpersonal hat sich interessiert gezeigt. Skuban gibt zurück, was sie erfahren hat: „Ich habe Respekt vor den Leuten in der Almwirtschaft.“
DAS OBERLAND IST KEIN HABITAT. Die Studie Skubans ist eine Besonderheit, denn bislang habe sich weder die Pro- noch die Contra-Seite jemals die Zeit dafür genommen, und zwar Zeit für die Raubtiere und auch die Menschen in der Region. Skubans Oberland-Befund ist: Die Situation sei extrem verfahren, die Lager, die sich gebildet haben, würden sich eigentlich nur noch bekämpfen. Zum Braunbären im Oberland stellt sie fest: Der zunehmende Sommertourismus, der auch für weniger gelenkte Gästeströme sorgt, bedeutet mehr Menschen in der aktiven Zeit des Bären. Dieser Druck durch Wanderer, Bergsteiger, Mountainbiker etc. betrifft natürlich alle Wildtiere, und das auch in der Dämmerung, wenn Fackelwanderungen, Sonnenaufgangs- und -untergangstouren angeboten werden etc. Der einwandernde Bär findet im Oberland also ein dicht besiedeltes und gleichzeitig massiv gestörtes Habitat vor – Skuban schreibt in ihrem Buch: „Ich selbst hätte mir das Ausmaß der menschlichen Störung nie vorstellen können, wenn ich nicht monatelang vor Ort gelebt und gearbeitet hätte.“ Während aber andere Wildtiere still unter den Einschränkungen leiden, duldet der Bär Störungen nur bedingt – möglicherweise macht er das auch einem Menschen klar, dem er begegnet. Da ein gutes Wildtierhabitat passendes Futter (Nadelwälder bieten das eher nicht) und Ruheplätze (Tourismusintensität!) zur Verfügung stellen muss, schließt Skuban: Ein großes Revival des Alpenbären ist nicht sehr wahrscheinlich. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier eine Bärenpopulation von vielleicht 15 Tieren leben kann“, sagt die Biologin im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Es müssten der Tourismus reduziert und die Almen geschlossen werden, damit der Bär hier leben kann: „Man müsste Traditionen aufgeben … Das wäre ein großer Wechsel für das Tiroler Oberland“, hat Skuban auch für den Menschen Verständnis. Es sei vielleicht „schwer, das Pragmatische zu respektieren“, aber: „Es geht im Oberland nicht“, so die Fachfrau über eine Bärenregion Oberland. Sie spricht sich im Buch auch klar gegen Auswilderungen in den ehemaligen Verbreitungsgebieten aus.
UNTERSCHIED OST- UND WESTEUROPA. Michaela Skuban, die in München Biologie studiert und die Bärenforschung in der Slowakei mit aufgebaut hat, kann nach ihren eineinhalb Jahren im Oberland auch den Vergleich anstellen: In Osteuropa hätten die Menschen in Bärengebieten einen Platz für den Bären in ihrem Kopf. Es wird nach einer Reduktion der Bärenpopulation gerufen, wenn’s zu viel wird – aber nicht nach einer kompletten Eliminierung des Bären. Vielleicht sei es sehr schwierig oder sogar unmöglich für Menschen im deutschsprachigen Raum, sich wieder auf ein herausforderndes Wesen wie den Bären einzustellen – darauf müsse aber das Raubtiermanagement vor Ort Antworten geben. Daher wäre es wichtig, dass Bären – wie aktuell jener im Obergricht – beobachtet würden. Ob der Rieder Bär derselbe wie der in früheren Jahren in Fendels und in Fiss aktiv gewesene ist, ist unklar: „Man weiß es nicht, weil niemand draußen ist“, so die Wildtierbiologin.
Dr. Michaela Skuban lebt heute wieder im Bärengebiet in der Slowakei, wo sie bereits seit fast zwanzig Jahren zu wildlebenden Bären geforscht hat.
Vergrämung und Besenderung des Bären im Bezirk
Seit März wurde im Bezirk Landeck achtmal ein Bär nachgewiesen, in Ried, Tösens, Pfunds und Nauders. Neben Wildkamera- und Videoaufnahmen sowie Spuren, Haarproben und einer Losung gab es zuletzt Ende Juni bei einem gerissenen Schaf auf einer Alm in Nauders den konkreten Verdacht auf die Beteiligung eines Bären (die Ergebnisse der entnommenen Proben stehen noch aus). Das Land geht von einem Individuum aus: „Die Präsenz weiterer Bären ist auf Basis der Nachweise nach derzeitigem Kenntnisstand sehr unwahrscheinlich.“ Auch wenn bisher alle Bärennachweise weit entfernt von Siedlungsgebieten stattfanden und es derzeit keine Hinweise darauf gibt, dass sich ein Bär Menschen oder dem Siedlungsraum gezielt nähert, wird nun aber eine Maßnahme gesetzt: LH-Stv. Josef Geisler hat am 3. Juli eine Verordnung erlassen, mit der die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen wurden, im Bedarfsfall eine Vergrämung und Besenderung eines Bären zu veranlassen. Am 4. Juli wurde sie kundgemacht – sie gilt bis 26. August. „Die Tiroler Landesregierung nimmt die Sorgen der Bevölkerung und der Almwirtschaft … sehr ernst“, begründet das Land die Maßnahme.
LICHT, LÄRM, GUMMIGESCHOSSE. Da der genaue Aufenthaltsort des Bären aktuell nicht bekannt ist, werden in einem ersten Schritt die Monitoring-Maßnahmen (Wildkameras u.ä.) weiter intensiviert. Unter bestimmten Voraussetzungen kann im Bedarfsfall eine Vergrämung autorisiert bzw. angeordnet werden, also Maßnahmen, die darauf abzielen, das Tier abzuschrecken und ihm beispielsweise beizubringen, dass die Nähe des Menschen unangenehm oder gefährlich ist, ohne es zu verletzen oder zu töten. Dazu zählen laut Verordnung Lichtreize in Verbindung mit akustischen Signalen, Gummigeschosse oder Knallkörper. Mehr Infos: www.tirol.gv.at/baer_wolf_luchs.
DAS OBERLAND IST KEIN HABITAT. Die Studie Skubans ist eine Besonderheit, denn bislang habe sich weder die Pro- noch die Contra-Seite jemals die Zeit dafür genommen, und zwar Zeit für die Raubtiere und auch die Menschen in der Region. Skubans Oberland-Befund ist: Die Situation sei extrem verfahren, die Lager, die sich gebildet haben, würden sich eigentlich nur noch bekämpfen. Zum Braunbären im Oberland stellt sie fest: Der zunehmende Sommertourismus, der auch für weniger gelenkte Gästeströme sorgt, bedeutet mehr Menschen in der aktiven Zeit des Bären. Dieser Druck durch Wanderer, Bergsteiger, Mountainbiker etc. betrifft natürlich alle Wildtiere, und das auch in der Dämmerung, wenn Fackelwanderungen, Sonnenaufgangs- und -untergangstouren angeboten werden etc. Der einwandernde Bär findet im Oberland also ein dicht besiedeltes und gleichzeitig massiv gestörtes Habitat vor – Skuban schreibt in ihrem Buch: „Ich selbst hätte mir das Ausmaß der menschlichen Störung nie vorstellen können, wenn ich nicht monatelang vor Ort gelebt und gearbeitet hätte.“ Während aber andere Wildtiere still unter den Einschränkungen leiden, duldet der Bär Störungen nur bedingt – möglicherweise macht er das auch einem Menschen klar, dem er begegnet. Da ein gutes Wildtierhabitat passendes Futter (Nadelwälder bieten das eher nicht) und Ruheplätze (Tourismusintensität!) zur Verfügung stellen muss, schließt Skuban: Ein großes Revival des Alpenbären ist nicht sehr wahrscheinlich. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier eine Bärenpopulation von vielleicht 15 Tieren leben kann“, sagt die Biologin im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Es müssten der Tourismus reduziert und die Almen geschlossen werden, damit der Bär hier leben kann: „Man müsste Traditionen aufgeben … Das wäre ein großer Wechsel für das Tiroler Oberland“, hat Skuban auch für den Menschen Verständnis. Es sei vielleicht „schwer, das Pragmatische zu respektieren“, aber: „Es geht im Oberland nicht“, so die Fachfrau über eine Bärenregion Oberland. Sie spricht sich im Buch auch klar gegen Auswilderungen in den ehemaligen Verbreitungsgebieten aus.
UNTERSCHIED OST- UND WESTEUROPA. Michaela Skuban, die in München Biologie studiert und die Bärenforschung in der Slowakei mit aufgebaut hat, kann nach ihren eineinhalb Jahren im Oberland auch den Vergleich anstellen: In Osteuropa hätten die Menschen in Bärengebieten einen Platz für den Bären in ihrem Kopf. Es wird nach einer Reduktion der Bärenpopulation gerufen, wenn’s zu viel wird – aber nicht nach einer kompletten Eliminierung des Bären. Vielleicht sei es sehr schwierig oder sogar unmöglich für Menschen im deutschsprachigen Raum, sich wieder auf ein herausforderndes Wesen wie den Bären einzustellen – darauf müsse aber das Raubtiermanagement vor Ort Antworten geben. Daher wäre es wichtig, dass Bären – wie aktuell jener im Obergricht – beobachtet würden. Ob der Rieder Bär derselbe wie der in früheren Jahren in Fendels und in Fiss aktiv gewesene ist, ist unklar: „Man weiß es nicht, weil niemand draußen ist“, so die Wildtierbiologin.
Dr. Michaela Skuban lebt heute wieder im Bärengebiet in der Slowakei, wo sie bereits seit fast zwanzig Jahren zu wildlebenden Bären geforscht hat.
Michaela Skuban: „Botschafter des Waldes – Was uns Bären über uns selbst und unseren Umgang mit der Natur verraten“, Verlag Ludwig, ISBN 978-3-453-28180-6, gebundenes Buch, 336 Seiten, mit Bildteil, 24,70 Euro. Cover: Verlag
Seit März wurde im Bezirk Landeck achtmal ein Bär nachgewiesen, in Ried, Tösens, Pfunds und Nauders. Neben Wildkamera- und Videoaufnahmen sowie Spuren, Haarproben und einer Losung gab es zuletzt Ende Juni bei einem gerissenen Schaf auf einer Alm in Nauders den konkreten Verdacht auf die Beteiligung eines Bären (die Ergebnisse der entnommenen Proben stehen noch aus). Das Land geht von einem Individuum aus: „Die Präsenz weiterer Bären ist auf Basis der Nachweise nach derzeitigem Kenntnisstand sehr unwahrscheinlich.“ Auch wenn bisher alle Bärennachweise weit entfernt von Siedlungsgebieten stattfanden und es derzeit keine Hinweise darauf gibt, dass sich ein Bär Menschen oder dem Siedlungsraum gezielt nähert, wird nun aber eine Maßnahme gesetzt: LH-Stv. Josef Geisler hat am 3. Juli eine Verordnung erlassen, mit der die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen wurden, im Bedarfsfall eine Vergrämung und Besenderung eines Bären zu veranlassen. Am 4. Juli wurde sie kundgemacht – sie gilt bis 26. August. „Die Tiroler Landesregierung nimmt die Sorgen der Bevölkerung und der Almwirtschaft … sehr ernst“, begründet das Land die Maßnahme.
LICHT, LÄRM, GUMMIGESCHOSSE. Da der genaue Aufenthaltsort des Bären aktuell nicht bekannt ist, werden in einem ersten Schritt die Monitoring-Maßnahmen (Wildkameras u.ä.) weiter intensiviert. Unter bestimmten Voraussetzungen kann im Bedarfsfall eine Vergrämung autorisiert bzw. angeordnet werden, also Maßnahmen, die darauf abzielen, das Tier abzuschrecken und ihm beispielsweise beizubringen, dass die Nähe des Menschen unangenehm oder gefährlich ist, ohne es zu verletzen oder zu töten. Dazu zählen laut Verordnung Lichtreize in Verbindung mit akustischen Signalen, Gummigeschosse oder Knallkörper. Mehr Infos: www.tirol.gv.at/baer_wolf_luchs.
Daniel Haueis 




