Artikel teilen
Artikel teilen >

Sanna-Kraftwerksprojekt startet

Energie West reicht Unterlagen zum UVP-Vorverfahren ein

Mit der Einreichung der Unterlagen zum UVP-Vorverfahren im Mai 2026 startet das „Regionalkraftwerk Sanna“ (RKW Sanna) offiziell ins Behördenverfahren. Energie West, ein Zusammenschluss von 21 Tiroler Energieversorgern, präsentiert die aktuellen Planungen für das Wasserkraftprojekt.
26. Mai 2026 | von Herbert Tiefenbacher
Sanna-Kraftwerksprojekt startet
Das „Regionalkraftwerk Sanna“ soll künftig Strom für rund 22.000 Haushalte liefern. Foto: Tiefenbacher
Die Diskussion um ein Kraftwerk an der Sanna gilt seit über einem Jahrzehnt als politischer und gesellschaftlicher Zankapfel. Das frühere ILF-Projekt führte zu intensiven Debatten: Gemeinden sprangen ab, Bürgerinitiativen kritisierten ökologische Auswirkungen, Sicherheitsfragen und Belastungen für Anrainer. Nach dem endgültigen Rückzug der ILF bleibt nur noch das Projekt der Energie West, das von den Betreibern als „sinnvolles und zukunftsfähiges Projekt“ gesehen wird. Dieses verfolgt einen anderen Ansatz: Statt eines großräumigen Konzepts mit Einbindung des Inns konzentriert sich das Laufwasserkraftwerk ausschließlich auf die Sanna. Die natürliche Fließkraft soll ganzjährig zur Stromerzeugung genutzt werden – ähnlich wie beim Kraftwerk Stanzertal. Geplant ist eine Jahresstromerzeugung von 76,5 Gigawattstunden – genug für rund 22.000 Haushalte. Laut Energie West könnten dadurch jährlich rund 32.600 Tonnen CO₂ eingespart werden.

MODELL MIT REGION – LÖSUNG FÜR LATTENBACH. Auch bei der Gemeindebeteiligung setzt das Projekt auf einen neuen Zugang. Während anfangs mehrfach auf das Beteiligungsmodell des Kraftwerks Stanzertal verwiesen wurde, spricht Energie West inzwischen von einer „Projektentwicklung gemeinsam mit der Region und unter Einbindung der Gemeinden“. Die Standortgemeinden sollen langfristig über ein transparentes Entschädigungsmodell am Projekterfolg beteiligt werden. Ein zentraler Kritikpunkt früherer Debatten war die Geschiebesituation beim Lattenbach. Laut Projektleiter DI Marco Pallhuber wurde dieses Problem gezielt in die Planung integriert. Vorgesehen ist ein „redundantes“ Frühwarnsystem auf Basis des Wetterradars Valluga, das das Kraftwerk im Ernstfall automatisch außer Betrieb nehmen soll. Zusätzlich kann über einen Nebenauslass Wasser gezielt in die Sanna eingeleitet werden, um Ablagerungen auszuspülen. „Wir können die Suppe mit diesem Wasser verdünnen. Ähnlich wie mit einem Gartenschlauch können Ablagerungen weggespült werden“, so Pallhuber. Murenabgänge könne man zwar nicht verhindern, „aber wir wollen die Situation erheblich verbessern“, ergänzt Projektsprecher Thomas Huber von den Stadtwerken Imst.

SORGE UM PFADI-AU. Rund um den möglichen Standort des Krafthauses in der Pfadi-Au laufen derzeit Diskussionen. Das Gelände wird seit Jahrzehnten von den Pfadfindern und der Arbeitsgemeinschaft Sophie Scholl als Lager- und Bildungsstandort genutzt. Entsprechend kritisch reagieren die betroffenen Vereine und Organisationen. Energie West bestätigt laufende Gespräche und verweist auf Unterstützung bei der Suche nach einer Lösung. „Das Projekt wird nicht so schnell umgesetzt. Bis dahin sollten wir eine für alle vertretbare Variante finden“, heißt es seitens des Unternehmens. Eine geprüfte Alternativvariante Richtung Tinetz-Umspannwerk sei laut Projektleiter DI Marco Pallhuber nicht umsetzbar gewesen.

WENIGER LKW-VERKEHR. Beim Ausbruchmaterial aus dem Triebwasserstollen setzt das Projekt auf eine regionale Lösung: Das Material soll zur Auffüllung einer Geländesenke zwischen Grins und Stanz verwendet werden. Dadurch könnten Deponiefahrten reduziert und der Lkw-Verkehr verringert werden. Mit dem UVP-Vorverfahren beginnt nun die erste behördliche Prüfphase. Für diese werden ein bis zwei Jahre veranschlagt, das anschließende Hauptgenehmigungsverfahren könnte weitere drei bis fünf Jahre dauern. Die Bauphase inklusive Vorarbeiten ist derzeit zwischen Herbst 2030 und Ende 2033 beziehungsweise Anfang 2034 vorgesehen.

MILLIONEN-INVESTITION. Insgesamt sollen rund 140 Millionen Euro in das Projekt investiert werden. Neben der Sicherung der regionalen Energieversorgung soll damit auch die ökologische Situation entlang der Sanna verbessert werden. Zudem wird auf die Schwarzstartfähigkeit der Anlage verwiesen, die im Falle eines großflächigen Stromausfalls zur Stabilisierung der regionalen Versorgung beitragen könnte.
Sanna-Kraftwerksprojekt startet
Projektleiter DI Marco Pallhuber erläuterte das geplante Frühwarnsys­tem für den Lattenbach. Foto: Tiefenbacher

Feedback geben

Feedback abschicken >
Nach oben
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.