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Viele Gäste, viele Baustellen, zu wenig Pfleger

Politik, Wirtschaft, Soziales und Bemerkenswertes im Jahr 2025 im Bezirk

23. Dezember 2025 | von Daniel Haueis
Viele Gäste, viele Baustellen, zu wenig Pfleger
Der Flucht- und Rettungsstollen des Landecker Tunnels – die jüngste zahlreicher Straßenbaustellen im Bezirk. RS-Fotos: Archiv
20 Landesmillionen fließen seit heuer (und die folgenden neun Jahre) in den Bezirk Landeck, dem das Land ein regionalwirtschaftliches Programm angedeihen lässt. Die Gemeinde Zams hat sich eine eigene „Förderung“ geholt: Die Agrargemeinschaft, die nach rund 60 Jahren nun doch als Gemeindegutsagrar eingestuft wurde.

SORGENKIND PFLEGE – MIT HOFFNUNGSSCHIMMER. In Fließ wird die Tagesbetreuung „Wohlfühlplatzli“ eröffnet. Zu wenig Personal sorgte heuer für 40 unbelegte Betten in Alten- und Pflegeheimen im Bezirk Landeck – die Wartezeit betrug bis zu einem Jahr. Die SOB Tirol – Schule für Sozialbetreuungsberufe stellte die berufsbegleitende Ausbildung „Fach-Sozialbetreuung Altenarbeit mit integrierter Pflegeassistenz“ in Landeck vor – sie startet erstmals im September 2026. Anmeldungen sind bis 15. April 2026 möglich.

TEURES PFLASTER. Das Marktforschungsinstitut OGM hat erhoben, wie lange man arbeiten muss, um sich 500 Quadratmeter Baugrund in seiner Heimatgemeinde kaufen zu können – im Bezirk Landeck schwankt die Dauer zwischen knapp zwei Jahren (Tösens, Fendels, Kauns) und mehr als 15 Jahren (Fiss und Serfaus). Und dabei wurden Bruttolöhne herangezogen – in Wirklichkeit dauert es also noch länger.

TOURISMUS LÄUFT. Das Tourismusjahr endete mit einem Plus von 1,5 Prozentpunkten. 8,546 Millionen Gästenächtigungen wurden verzeichnet. Benjamin Parth blieb der beste Koch im Bezirk – mit Martin Sieberer und vielen anderen ist Landeck insgesamt ein kulinarisches Aushängeschild. Ein Parkhaus in Fiss und ein Skidepot in Ladis sorgen für mehr Komfort, in Ischgl wurden Bahnen ersetzt, die z.B. in See wieder aufgebaut wurden. Auch in Kappl ersetzte eine erneuerte Bahn die bisherige Diasbahn. Ischgl setzt in zwei Jahren 50 Millionen für zwei neue Bahnen ein. Die Venet Bahn wird derzeit erneuert, der Sommerbetrieb lief über die Rifenalbahn. Eine Kehrseite der Tourismus-Medaille (großteils zumindest): 13 Todesopfer und 930 Verletzte gab es auf den Bergen im Bezirk Landeck im Jahr zuvor.

VIELE BAUSTELLEN. Die Kanzelgalerie ist in Bau und sorgte für Verkehrsbehinderungen Richtung Reschen – Ende 2026 soll sie fertiggestellt sein. An den Lötzgalerien bei Zams wird bis 2031 gebaut. Der Bau des Flucht- und Rettungsstollens des Landecker Tunnels wurde zu Jahresende begonnen. Er wird bis 2030 im Talkessel wahrscheinlich drei Monate im Jahr für Behinderungen sorgen (Totalsperre – Zeiträume noch nicht fixiert). Zeitweise gesperrt war die B171 zwischen Pians und Strengen aufgrund der Sanierung der Hangbrücke Wiesberg. Die Sperre der Silvretta Hochalpenstraße kostete das Paznaun Tagesgäste. Die ÖBB nahmen die Erneuerung des Bahnhofs Schönwies in Angriff – nichts zu bemerken war vom zweigleisigen Ausbau (außer Planungen) und von einem Parkdeck am Bahnhof Land­eck-Zams.

KRAFTWERKSPLÄNE. Die Sanna wurde wieder Objekt der Begierde: Kraftwerkspläne schmieden nicht nur die infra (wie vor zehn Jahren schon), sondern auch die Energie West. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Tiwag-Projekt „Pumpspeicher Versetz“ wurde öffentlich aufgelegt – es ist Teil des Ausbaus des Kaunertalkraftwerks und sieht einen Speicher im Platzertal in Pfunds vor. 85,45 Prozent der Pfundser haben sich in einer Volksbefragung dafür ausgesprochen, dass die Gemeinde das Vorhaben im Rahmen der UVP nicht befürwortet. Ein Windparkprojekt am Venet wird von der Gemeinde Fließ gemeinsam mit dem Verbund vorangetrieben – Widerstand inklusive.

SICHERHEIT. Eine Zwischenbilanz nach zwei Jahren: Das Oberländer Frauenhaus war zu 96 Prozent ausgelastet. Die Nauderer Polizisten übersiedelten mit März in die Inspektion Pfunds, die Kappler Kollegen versehen nun von Ischgl aus Dienst. Zwölf Millionen Euro wurden in den Schutz vor Naturgefahren im Bezirk investiert, fast die Hälfte davon in den Schutz vor Wildbächen.

LANDWIRTSCHAFT UND JAGD. Tbc-Verdachtsfälle zu Jahresbeginn sorgten für getötete Rinder und gesperrte Bauernhöfe. Bär und Wolf sorgten auch 2025 für Aufsehen, auch wenn nicht jeder Verdachtsfall offiziell bestätigt werden konnte. Nachgewiesen wurden sie in allen Tälern des Bezirkes. Im August wurde erstmals ein Wolf im Bezirk offiziell entnommen. Reinhold Siess blieb auch nach der Wahl im April Bezirksjägermeister, Markus Schwarz sein Stellvertreter. In Grins wurde die älteste Sennerei Tirols wiedereröffnet. Fünf Biberfamilien leben im Bezirk, auch der Bartgeier ist mit derzeit zwei Brutpaaren vertreten.
Barbara Flad wurde zur Generaloberin der Barmherzigen Schwestern Zams gewählt – 27 Jahre lang hatte Sr. Maria Gerlinde Kätzler den Orden geführt.
Viele Gäste, viele Baustellen, zu wenig Pfleger
Benjamin Parth führt eine ganze Reihe an Top-Köchen an. Foto: YSCLA
Auch ganz Besonderes

Kulturelle Highlights im Jahr 2025

(dgh) Michael Schmids „1945 – Widerstand Alpenfestung“ wurde in Schloss Sigmundsried in Ried gezeigt. Die Arlberger Kulturtage brachten Felix Mitterers „Kein schöner Land“ als Neuinszenierung und erinnerten so ebenfalls an den Nationalsozialismus. Mit „Der Schandstich“ berührte die Heimatbühne Pians, es gab dort mit „Rock’n’Roll im Abendrot“ aber auch wieder genügend zu lachen. „Der Bärenonkel aus Kanada“ eröffnete das Theaterjahr in See mit kräftigen Lachern, zu Ende ging es mit Gesang: „Sister Act“ als Musical steht auf dem Programm. Das Urgtheater sorgte mit „Tussipark“ für Lachsalven, in Strengen sorgte dafür ­„Boeing, Boeing“ und in Grins „Jackpot“. Ehemänner (Ladis), Zwerge (Zams) und Polizisten (Fendels) schafften es ebenfalls auf die Bretter, die die Welt bedeuten, während es in Pfunds mit „Föhnsturm“ dramatischer zuging.

AUSSTELLUNGEN. Ausstellungen bestritten heuer auch seltener zu sehende Künstler, etwa Thomas Greuter in der BH Landeck, Fotograf Bernhard Gruber in Kappl oder Christian Streng im Kunstraum Pettneu. Und ganz weit weg überzeugte das ehemalige Aushängeschild Landecks in Sachen Kunst: Norbert Pümpel, mittlerweile in Niederösterreich wohnhaft, stellte im Jahr 2025 in Japan aus.

BÜCHER. Schriftstellerisch überragt Raoul Schrott wieder einmal alle: Sein „Atlas der Sternenhimmel“ war ein Unterfangen unschätzbaren Ausmaßes und ebensolchen Wertes. In der „Hochzeitsreise in den Krieg“ hat Eva Lunger die Beziehung ihrer Schwiegereltern in Buchform aufbewahrt. „Der schöne Karl“ wiederum ist ein Verwandter Dietmar Wachters, der sich seines Großonkels ebenfalls in Buchform, und zwar schelmisch gewidmet hat. Barbara Tilg aus Landeck hat zur Ölkreide gegriffen und Peter Handkes „Obstdiebin“ illustriert.

MUSIK. 30 Jahre „Top of the mountain“-Konzerte wurden mit „One Republic“ gefeiert. Ischgl kann aber auch Klassik: Anfang Oktober wartete mit „Ischgl Classics“ ein Fes­tival inmitten der Bergwelt. Poeten der Terra raetica wurden von den Festwochen Horizonte musikalisch geehrt. Local Heroes traten nach sechs Jahren wieder und mit teils neuen Songs auf: „Breeze“. „CinemaCity“ im Oktober, konzipiert vom Land­ecker Pianisten und Komponisten Michael Tiefenbacher, sorgte wieder für außergewöhnlichen musikalischen Genuss. „Blood Meadow“ feierten ihr neues Album im Alten Kino, „Von Seiten der Gemeinde“ taten dies zum Jahresende ebenfalls.
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Raoul Schrott leistete wieder unschätzbare Arbeit. RS-Foto: Archiv
Welt- und Europameister

Erfolgreiche Landecker Sportler

(dgh) Skibergsteiger Silvano Wolf aus Pettneu holte sich den österreichischen Meistertitel in der Kategorie Vertical U20 – im März legt er mit WM-Silber und -Bronze nochmals nach.
Fabian Achenrainer aus Ried holte sich den Tiroler Meistertitel und den Vizestaatsmeistertitel im Naturbahn-Rennrodeln.
Martin Falch aus St. Anton wurde Weltmeister im Wintertriathlon, bei Sommerbewerben holte er u.a. den Staatsmeistertitel im Sprint-Triathlon der Klasse pts 4.
Die erste WM-Medaille für eine österreichische Freeskierin holte sich die Paznaunerin Lara Wolf – nachdem sie die Ski bereits an den Nagel gehängt hatte, dann aber doch nochmals in den Weltcup-Zirkus zurückgekehrt war.
Simon Rueland vom Schi­klub Landeck feierte 2025 seinen dritten nationalen Meistertitel nach 2020 in Schladming und 2022 im Montafon – er siegte im Slalom.
Tennis-Aushängeschild Anna Pircher holte sich U16-Gold bei den Europameisterschaften – und das als Jahrgangsjüngere in ihrer Altersklasse. Der letzte österreichische Triumph dieser Größenordnung ist fast vier Jahrzehnte her.
Fußball: Der FC Grins ist Winterkönig der 2. Klasse West. Die SPG Arlberg-Stanzertal sichert sich mit Rang zwei in der 1. Klasse West gute Chancen für die neue Ligaeinteilung 2025/26 des TFV. Der FC Paznaun könnte als Vierter der Gebietsliga West in der neuen Liga ebenfalls höher eingestuft werden. Der SV Land­eck ist als Zweiter bestplatzierte Bezirksmannschaft in der Landesliga West; die FG Schönwies/Mils als Neunte und der SV Zams als Elfter finden sich nach der Herbstrunde in der zweiten Tabellenhälfte. Und die SPG Oberland West hält sich als Neunter der Tirol Liga gut, kann im Frühjahr um einen Aufstiegsplatz mitkämpfen.
In St. Anton gastierte im Jänner der Damen-Weltcup – Stephanie Venier wurde Super-G-Zweite.
Über dem Steinsee in Zams wurde eine 1.000 Meter lange Highline installiert und von drei Athleten sturzfrei bewältigt.
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Tennis-U16-Europameisterin: Anna Pircher aus Landeck Foto: Pia König

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