Artikel teilen
Artikel teilen >

„Wie wenn ein Terrorist in eine Menschenmenge fährt“

Trächtige Kalbin in Pfunds gerissen – Besitzer Jörg Hueber wandte sich mit Brief an LH Anton Mattle

Auf der Ochsenbergalm in Pfunds riss wahrscheinlich ein Bär (Nachweis noch ausständig) eine trächtige Kalbin. Die Kadaverbergung mittels Helikopter schlägt dabei mit 1.440 Euro zu Buche. Bauer und Besitzer Jörg Hueber wandte sich in einem Brief an LH Anton Mattle und Tirols LK-Präsident Josef Hechenberger. Der Verlust schmerze umso mehr, da Kalbin Marion einer langjährigen Zucht zugrunde liege.

2. September 2025
„Wie wenn ein Terrorist in eine Menschenmenge fährt“
Kuh Marion war trächtig und fiel auf der Ochsenbergalm in Pfunds wohl einem Bären zum Opfer (Nachweis noch ausständig). Foto: Jörg Hueber
In dem Brief erklärt Jörg Hueber seine Erfahrungen mit dem Rissgeschehen, das sich in der Nacht vom 16. auf den 17. August ereignete. Der Hirte der Ochsenbergalm kontaktierte ihn und erklärte ihm, dass seine Kalbin, die bereits die Monate aushatte, tot ist. „Ich war drei Tage davor auch schon auf der Alm, um zu sehen, wie es um meine vier Kühe steht, da sie alle Ende August, Anfang September kalben. Alle ca. 130 Tiere auf der Alm fühlten sich wohl. Der Hirte schwärmte, wie ruhig der heurige Sommer abläuft“, so Hueber. Drei Tage darauf wandelte sich das Bild. Zusammen mit dem Hirten zog er ins Hüttenkar auf, wo sich der Vorfall ereignete: „Es war wie … ich weiß gar nicht wie ich es erklären soll. Wahrscheinlich so, wie wenn ein Terrorist in eine Menschenmenge fährt, und alle Leute, die dabei waren, sind danach schockiert und traumatisiert. Und genau so sind mir die restlichen ca. 130 Stück Vieh vorgekommen“, beschreibt der Bauer die Situation. Geschreie, ein Aufruhr und Brüllen überall, Kälber suchten ihre Mütter und umgekehrt. „Mir ist es eiskalt über den Buggel runtergelaufen“, so Hueber.

JAHRZEHNTELANGE ZUCHT. Neben dem Verlust der trächtigen Kalbin kommen auf den Bauern Kos­ten in Höhe von 1.440 Euro für die Kadaverbergung mittels Helikopter zu. Der Bauer hofft auf Entschädigung, viel mehr schmerze es aber, dass Kuh Marion einer langjährigen Zucht zugrunde lag: „Die Tiere auf den Höfen sind meist wie Familienmitglieder und stehen schon über Jahrzehnte in unserem Stall“, so Hueber. Der Verlust sei „mit Geld nicht abzufedern“, weshalb er LH Anton Mattle sowie Tirols Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger einen Brief schrieb, in dem er u.a. seinem Unmut über die Wolf- und Bärensituation im Obergricht Luft machte.

„BEDAUERN JEDEN SCHADEN“. Aus dem Büro des Landeshauptmannes hieß es: „Das Land Tirol bedauert jeden Schaden, der durch einen großen Beutegreifer hervorgerufen wird. Grundsätzlich ist der emotionale Wert eines Nutztieres, das man über Jahre gezüchtet und begleitet hat, nicht mit Geld aufzuwiegen. Um bei Rissereignissen zumindest finanziellen Schaden abzuwenden, unterstützt das Land Tirol die geschädigten Landwirte. Diesbezüglich werden wir mit dem Betroffenen Kontakt aufnehmen, auf die Unterstützungsmöglichkeiten hinweisen und bestmöglich beraten.“ Grundsätzlich gilt: Wenn es auf Tiroler Landesgebiet zu Rissen oder anderen Schäden kommt, die möglicherweise durch große Beutegreifer verursacht wurden, ist dies unverzüglich der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde zu melden. Amtstierärzte bzw. die Abteilung Landesveterinärdirektion sowie allfällige weitere Personen beurteilen die gemeldeten Schäden von Rissverdachtsfällen. Die betroffenen Tierhalter bzw. -eigentümer erhalten bei Rissen bzw. Schäden vom Amtstierarzt ein Informationsschreiben sowie die erforderlichen Formulare für ein Ansuchen auf Entschädigungszahlung.
„Wie wenn ein Terrorist in eine Menschenmenge fährt“
Jörg Hueber: „Die Tiere auf den Höfen sind meist wie Familienmitglieder und stehen schon über Jahrzehnte in unserem Stall.“ RS-Foto: Haueis

Aktuelle Artikel

Kommentare

0 Posts
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.